rz-Logo

110. Zwickauer Montagsdemo am 27.11.2006

Klaus Wallmann sen. || Datum: 28.11.2006

110. Zwickauer Montagsdemo am 27.11.2006

Neun Zwickauer Montagsdemonstranten protestierten gestern zum 110. Mal gegen die volksfeindliche Politik der schwarz-roten Regierung, aufmerksam begleitet von zahlreichen Passanten in der Einkaufspassage, darunter auch einige Jugendliche.

Diese zeigten besonderes Interesse bei einem Beitrag zum Amoklauf eines jungen Mannes, der am Montag vor einer Woche in Emsdetten passierte. Der Redner setzte sich vor allem mit der heuchlerischen Debatte auseinander, bei der ausgerechnet diejenigen, die für die wachsende Perspektivlosigkeit der Jugendlichen die Hauptverantwortung tragen, von einer "verrohten" Jugend sprechen. Schützenhilfe geben wie immer die bürgerlichen Medien, die selbst Tag für Tag die Gewalt in die Wohnzimmer tragen. Und wie sich die Menschen daran gewöhnen sollen, so sollen sie sich auch an den Skandal gewöhnen, daß pro Abschlußklasse in den Hauptschulen höchstens zwei Schüler eine Lehrstelle bekommen. Und während Herr Stoiber nach einer "konzertierten Aktion" gegen "Jugendgewalt" schreit, streichen bürgerliche Politiker Jugendzentren und Freizeiteinrichtungen zusammen.
"Das jetzige Gejammer ist pure Heuchelei", so der Redner, "denn die abstumpfende Wirkung scheint mir durchaus erwünscht zu sein. Die 'Killer-Spiele' entsprechen dem immer offener geäußerten Ziel, daß auch die deutschen Soldaten der Bundeswehr endlich 'das Töten lernen' müssen."

In diesem Zusammenhang prangerte ein Demonstrant den menschenfeindlichen Einsatz von Streumunition durch die imperialistischen Armeen überall auf der Welt an.

Ein weiterer Redner machte seinem Unmut über die mangelhafte Berichterstattung der "Freien Presse" zum Grubenunglück im polnischen Ruda Slaska Luft, bei dem 23 Bergleute im Alter von 21 bis 59 Jahren ums Leben gekommen sind. Über die Ursachen fand er in der FP kein Wort, wahrscheinlich vor allem deshalb - so seine Vermutung -, weil man dann bekennen müßte, daß diese Toten die Folge des Strebens nach Maximalprofit sind. Die Bergwerksleitung hatte sich für die "billigste Lösung" entschieden, wie die Gewerkschaft Solidarnosc berichtete. Eine Fremdfirma setzte Nicht-Bergleute ein. Ein Gewerkschafter berichtete über die Manipulation der Meßwerte, woraufhin er von der Geschäftsleitung des Staatsunternehmens entlassen wurde. Die "nun trauernde" polnische Regierung, so der Redner, übt dabei selbst Druck auf die Leitung der staatlichen Gruben aus, damit diese "Kosten spart". Geschuldet ist dieser Druck den Forderungen der EU, die auf die Stilllegung zahlreicher Zechen sowie die Vorbereitung der profitabelsten Zechen für die Privatisierung durch internationale Bergbau-Monopole abzielen. Der Beschluß der Zechenschließungen war die Eintrittskarte in die EU, und hinter diesem steht z.B. auch der Einfluß der deutschen RAG.

Der Sprecher der Montagsdemo erinnerte zum Schluß an die 70. Zwickauer Montagsdemo, die am 30.01 diesen Jahres an der Protestkundgebung der "Bürgerinitiative für gerechte Müllgebühren" teilnahm. Er erinnerte aus gegebenem Anlaß, denn inzwischen scheint sich das "Müllgebühren-Problem" zu einem handfesten Skandal auszuweiten. Er versprach an diesem Thema dranzubleiben und sicherte im Namen des Aktionsbünsnisses der Bürgerinitiative "Für gerechte Müllgebühren" die Unterstützung aller Montagsdemonstranten zu.

Frau Merkel und ihre Mannen setzen die Schrödersche "Reformpolitik" fort. Von der "Politik der kleinen Schritte" sind sie zur "Politik der großen Grausamkeiten" übergegangen. Betroffen werden in naher Zukunft auch viele sein, die (noch) keinen ALG-II-Antrag ausfüllen müssen. Deshalb: gehen auch Sie zur Montagsdemo! Gegen eine volksfeindliche Regierung hilft nur der Widerstand der Regierten. Hartz IV muß weg!

Klaus Wallmann sen.

Zurück Ihre Meinung ist gefragt. Zum Anfang