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Zur Lage der Montagsdemos (18.09.2006)

rf news online || Datum: 20.09.2006

Zur Lage der Montagsdemos (18.09.2006)

"Kraftvoll, leidenschaftlich, zielklar, dauerhaft mobilisierungsfähig, eindrucksvoll, klar gegen die Regierung, tolle Demonstrationskultur - ein wunderbarer Impuls, eine Initialzündung", so die Zusammenfassung der Dortmunder Montagsdemonstranten, die in Berlin teilgenommen hatten. Überall wurde begeistert vom Sternmarsch berichtet. Die Essener hoben hervor, dass es dort auf der Straße zu einem tollen Erfahrungsaustausch zwischen den verschiedenen Montagsdemonstrationen gekommen sei. Und in Gelsenkirchen wurde betont, "dass es erstmals gelungen ist, dass alle Montagsdemonstrationen zusammen demonstrieren, auch die aus Brandenburg und Sachsen-Anhalt".

Mehrere Montagsdemonstrationen riefen zu den Demonstrationen des DGB am 21. Oktober auf. "Denn ein 'heißer Herbst' ist fällig!", hieß es dazu in Dortmund. Klar ist, so wurde in Stuttgart betont, dass die Montagsdemonstrationen sich unter dem Motto "Weg mit Hartz IV" und "Gegen die Regierung" beteiligen. Der Schmusekurs der DGB-Führung unter dem Motto "Soziale Politik - das geht besser!" sei dagegen voll daneben, weil die "Reformen" samt der dafür verantwortlichen Regierung vom Tisch müssen.

Besonders begangen wurde der Berliner Erfolg auch bei den Feiern zu weiteren "Hunderter"-Montagsdemos. In Heilbronn filmte das regionale Fernsehen den Auftakt mit der Revue des Liedermachers Pit Bäuml. Alte und neue Freunde versammelten sich zur "Hundertsten" in Karlsruhe. Grußworte überbrachte unter anderem der DGB-Vorsitzende von Mittelbaden-Nordschwarzwald, Martin Spreng. Ein tolles Kulturprogramm war angesagt. Am offenen Mikrofon berichtete ein Jugend- und Auszubildendenvertreter von DaimlerChrysler Wörth, dass ihn Kollegen gefragt hätten, wo er das freie Reden gelernt habe. Seine Antwort: "Natürlich auf der Montagsdemo!" Auch auf dem belebten Marienplatz in München war zu Oktoberfestbeginn der Bär los bei der 100. Montagsdemo mit der Sambagruppe "Sole Luna", vielen kulturellen Beiträgen, Sekt und Pizza.

Besonders in Berlin setzte sich die Montagsdemonstration mit den Ergebnissen der dortigen Senatswahlen und der Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern auseinander und beglückwünschte unter großem Hallo die Mitstreiter von den Grauen Panthern für ihren Wahlerfolg von 3,8 Prozent! Die Bewertung der Stimmenverluste der PDS wurde dagegen mit der Aufforderung verbunden, nun gemeinsam den außerparlamentarischen Kampf zu stärken. In Wuppertal wurde unter großem Beifall der Erfolg der Klage eines Montagsdemonstranten gegen die NPD in Berlin hervorgehoben und betont, die faschistische Demagogie nicht zu unterschätzen, die Aufklärungsarbeit zu verstärken und weiter entschieden für das Verbot aller faschistischen Organisationen einzutreten.

Natürlich spielten wie immer die sozialen Fragen auf der ganzen Bandbreite eine Rolle. In Recklinghausen wurde der Skandal um das Altenzentrum "Grullbad" angeprangert: Die Stadt wurde aufgefordert, "nicht nur die Kündigungen zurückzunehmen, sondern vor allem die schändliche Praxis der Arbeitsplatzvernichtung auf Kosten der Bewohner des Altenzentrums unverzüglich einzustellen".

In Duisburg trugen die Stahlarbeiter ihre Tarifforderung von 7 Prozent vor und betonten die Einheit mit der Montagsdemonstration. Im Mittelpunkt der Berliner Montagsdemo stand die Solidarität mit den streikenden Kollegen bei Bosch-Siemens Hausgeräte. Der Beschluss, im Anschluss der Montagsdemonstration dorthin zu fahren, wurde sofort umgesetzt. Die Delegation mit 15 Teilnehmern wurde sehr herzlich von den Streikenden am Tor begrüßt und ein weiterer Austausch und Unterstützung vereinbart.

Quelle: rf news online, 20.09.2006

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