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Zur Lage der Montagsdemos (14.08.2006)

rf news online || Datum: 17.08.2006

Zur Lage der Montagsdemos (14.08.2006)

"Die Montagsdemo, die ist heiß ...", so heißt es im gestern zur Zwei-Jahresfeier in Gelsenkirchen neu vorgestellten Montagsdemo-Blues. Der Gelsenkirchener Korrespondent berichtet: "Für ihre unterschiedlichsten Leistungen bekamen Teilnehmer Urkunden: für treue Teilnahme, ständig neue ideenreiche Schilder, flammende Reden, Ordnerdienste, Kuchenstand, die hartnäckigsten Spendensammlerinnen und vieles mehr. Ein tolles Kulturprogramm mit einer Revue, Liedern, Gedichten. Selbst die anliegenden Geschäfte bekamen Urkunden für ihre Unterstützung und die Polizei für ihre allwöchentliche Begleitung, die ihnen auch Schrecken geboten hat, denn die Montagsdemonstranten sind diszipliniert und friedlich, aber nicht zahnlos."

In Dortmund waren ein besonderes Highlight die Lieder von Antonio aus Chile. Er begann und beendete seinen Auftritt mit einem Lied über Che Guevara und begeisterte damit die Teilnehmer und viele Passanten, die zeitweise an der Zwei-Jahresfeier teilnahmen. Er verstand seinen Beitrag als Dank an die Dortmunder Montagsdemo, die ihm immer wieder Mut gemacht hat, mit persönlichen Schwierigkeiten fertig zu werden. Beiträge am offenen Mikrofon zeigten die tiefe Verbundenheit, das Vertrauen und die gegenseitige Solidarität, die in den letzten zwei Jahren unter den Teilnehmern entstanden war.

Auch in anderen Städten wie Herne, Stuttgart, Greiz und München standen die gestrigen Montagsdemonstrationen im Zeichen dieses zweijährigen Jubiläums. Redebeiträge und Grußworte, Lieder und Gedichte brachten einen ungebrochenen Optimismus und den Wunsch nach einer gesellschaftlichen Alternative ohne Ausbeutung und Unterdrückung zum Ausdruck. In Stuttgart beteiligten sich 300 Menschen, darunter Gäste von vier anderen Montagsdemos. In Greiz waren unter den 40 Teilnehmern auch Mitstreiter aus Zwickau.

Das offene Mikrofon wurde wieder reichlich genutzt. In Duisburg bedankte sich ein älterer Herr ausdrücklich für die solidarische Diskussion zu seinen konträren Standpunkten und versprach wegen dieses Klimas wieder zu kommen. In Duisburg wurde die Weitergabe von persönlichen Daten von ALG-II-Beziehern durch die ARGE an private Firmen aufgedeckt. Attackiert wurden unter anderem in Bielefeld die mit dem "Optimierungsgesetz" einhergehenden Verschärfungen für Hartz-IV-Betroffene, unter anderem die faktischen "Hausarreste" für Arbeitslose (weitgehende jederzeitige telefonische Erreichbarkeit für die Arbeitsagentur).

In Herne, Oldenburg und Wuppertal wurde selbstbewusst hervorgehoben, dass die Zustimmung der Bevölkerung zur großen Koalition bereits auf einem Tiefpunkt angelangt ist und der Sternmarsch gegen die Regierung am 16.9. in Berlin genau richtig kommt. Deshalb wurde bei den gestrigen Montagsdemos weiter für die Teilnahme geworben. Flugblätter, Plakate und Buttons wurden verbreitet und mit dem Fahrkartenverkauf zur Anreise begonnen. Damit jeder, der mitfahren möchte, auch mitfahren kann, wurden in Wuppertal von Fahrkartenkäufern und Passanten 60 Euro an Spenden gesammelt.

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