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Polizeiprovokation gegen Montagsdemo Haldensleben: "Wenn sie Dich mitnehmen wollen, müssen sie uns alle mitnehmen!"

rf news online || Datum: 13.07.2006

Polizeiprovokation gegen Montagsdemo Haldensleben: "Wenn sie Dich mitnehmen wollen, müssen sie uns alle mitnehmen!"

Haldensleben (Korrespondenz), 11.07.06:
Seit mehreren Wochen gibt es wieder eine Montagsdemo in Haldensleben. Die Faschisten kommen jedes Mal mit einem geschlossenen Aufmarsch von 20 bis 30 Leuten. Fast alle in schwarzen Klamotten, mit Basecap und mit Sonnenbrille. Gesteuert wird das von der Jugendorganisation der NPD. Die Organisatoren der Montagsdemo haben ihre Teilnahme immer abgelehnt. In der letzten Woche hat das Ordnungsamt in einem offiziellen Gespräch mit den Organisatoren Druck ausgeübt, sie müssten die Faschisten teilnehmen lassen. Das Ordnungsamt hat angedroht, sonst die Montagsdemo nicht mehr zu genehmigen.

Die Montagsdemo hat sich diesmal bewusst am Denkmal für die Opfer des Faschismus versammelt. Ein Gast aus Magdeburg sprach über den Skandal um den Ex-Innenminister von Sachsen-Anhalt, Klaus Jeziorsky (CDU), und die Verbrennung des Tagebuchs von Anne Frank in Pretzien. Sie forderte das Verbot aller faschistischen Organisationen. Es gab viel Applaus. Danach gab es noch weitere Beiträge und eine Teilnehmerin trug den Aufruf zum Sternmarsch in Berlin vor.

Darauf hin meldete sich ein Polizist in Zivil. Auf Nachfrage stellte er sich als Herrn Scheel von der Kripo Haldensleben vor. Er verlangte die Herausgabe des Aufrufs zum Sternmarsch. Er wäre "verfassungsfeindlich", denn der Satz "Kämpfen wie in Frankreich" wäre eine "Aufforderung zur Gewalt". Den Beitrag aus Magdeburg wollte er ebenfalls haben, auch hier meinte er, etwas "verfassungsfeindliches" gehört zu haben. Der Redebeitrag hatte aber auch die Demonstranten interessiert und war nicht mehr auffindbar. Der Zivile drohte der Teilnehmerin, die den Beitrag gehalten hatte, entweder er erhält den Redebeitrag, oder er "nimmt sie mit". Auf ihre Antwort, dass sie den Beitrag nicht mehr hätte, meinte er: "Wir werden auf das Tonband zurückgreifen." Die Demonstranten ließen sich nicht einschüchtern, sie brachten erst die Kundgebung zu Ende.

Im Schlusswort sagte die Teilnehmerin aus Magdeburg noch einmal laut, dass die Polizei sie mitnehmen will. Die Reaktion war eindeutig: "Wenn sie Dich mitnehmen wollen, müssen sie uns alle mitnehmen!" Und man wollte sie auch nicht alleine laufen lassen. Auf einmal war die Montagsdemo geschlossen unterwegs zu ihrem Auto. Jedenfalls kam der Gast aus Magdeburg gut nach Hause.

Allerdings kam es noch zu einem Zwischenfall: Die Faschisten griffen eine Demonstrantin an, warfen sie auf den Boden und zerstörten ihre Kamera. Die Polizei stand daneben, griff aber trotz Aufforderung nicht ein. Der Kripobeamte Scheel lachte nur. Eine der Organisatoren der Montagsdemo erhielt ohne jeden Grund einen Platzverweis für die komplette Innenstadt.

Es war eine ganz große Solidarität untereinander. Die Jugendlichen aus Haldensleben sind den Faschisten mutig entgegen getreten und haben die Demonstranten geschützt. Die komplette Montagsdemo hat zusammen gehalten. Aus Magdeburg und Schönebeck war schon zum zweiten Mal eine Delegation dort, um die Montagsdemo Haldensleben zu unterstützen. Über Handy wurde aktuell die Montagsdemo in Magdeburg informiert und dort diese Vorfälle am offenen Mikrofon bekannt gemacht. Seitdem gibt es ständig Nachfragen und viel Empörung, wie hier vorgegangen wird: "Wo ist das hier noch Demokratie?" "Die wollen uns einschüchtern. Das wird Ihnen nicht gelingen."

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