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Zur Lage der Montagsdemos (26.06.2006)

rf news online || Datum: 29.06.2006

Zur Lage der Montagsdemos (26.06.2006)

"Was wir brauchen, was wir wollen - müssen wir schon selber tun, für Arbeit, Brot, das ganze Leben - können wir nicht länger ruhn!", so schmetterten die Essener Montagsdemonstranten gemeinsam mit Fussballfans aus dem nahe gelegenen "Public Viewing" das Montagsdemolied mit dem "Duo Infernale". In Stuttgart endete die Montagsdemo mit einem Torwandschießen gegen Hartz IV und für die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich und angesichts des 1:0-Sieges für Italien mit einem italienischen Lied.

In Gelsenkirchen wurde eine "Meisterschaft im Demonstrieren" veranstaltet und dabei rote Karten gegen die unverschämte Regierungspolitik verteilt. Kam die letzten Male die Polizei, wenn überhaupt, erst zum Schluss der Demonstration, rückten diesmal wenigstens 15 Polizisten mit Kampfmontur und Knüppel an. Sie behinderten zunächst die Auftaktkundgebung auf der Bahnhofstraße und nahmen sogar der Moderatorin das Mikrofon ab. Aber die Montagsdemonstranten ließen sich ihr Demonstrationsrecht nicht einschränken! "In bester Stimmung und bewährter Disziplin", heißt es in der Korrespondenz, "führten wir die Demonstration genau so wie geplant bis zur letzten Minute durch".

Fast überall war der Allianz-Skandal Thema und Anlass, das ganze staatsmonopolistische System infrage zu stellen. "Trotz eines nie dagewesenen Gewinns von 4,6 Mrd. Euro", heißt es im Bericht aus Recklinghausen, "streicht der Konzern in Deutschland 7.500 Arbeitsplätze. Unsere Antwort darauf kann nur lauten: Wir müssen mit den Verantwortlichen endlich FRANZÖSISCH reden und zeigen, dass ohne den Arbeitnehmer in diesem Land nichts läuft."

Von verschiedenen Montagsdemonstrationen wird berichtet, dass heute von Teilnehmern und Passanten viel selbstverständlicher als noch zu Beginn der Montagsdemos das kapitalistische System in Frage gestellt, nach Orientierung und einer Alternative gesucht wird. In Herne wurde wie auch anderswo die Gesundheits"reform" als durch und durch volksfeindlich auseinander genommen. In Oldenburg wurde das mit dem Aufruf zu einer Demonstration am 9. September gegen Kinderarmut verbunden.

Die Duisburger Montagsdemo zog heute zur AWO, weil diese sich gemeinsam mit anderen Wohlfahrtsverbänden am 15. Mai für eine Kürzung bei ALG-II-Empfängern ausgesprochen hatte. 500 Euro bekommt die AWO monatlich für jeden Ein-Euro-Jobber; dieser aber nur 120 Euro. Die Duisburger AWO kniff vor der Auseinandersetzung mit den Montagsdemonstranten. Mit viel Spott sangen diese darauf zum Leierkasten ihre Ein-Euro-Moritat: "Aber die AWO lässt uns nicht verkommen."

Die enge Verbundenheit vieler Montagdemos mit der Arbeiterbewegung unterstrichen die Eisenhüttenstädter mit einer heißen Debatte am offenen Mikrofon über die Folgen der Arcelor-Mittal-Stahlfusion für die EKO-Stahl-Belegschaft und versprachen ihre Unterstützung für deren Kampf um jeden Arbeitsplatz. (...)

Auf der Hundertsten in Dortmund wurde der Montagsdemo ein Aufschwung prophezeit, und zwar gerade wegen der engen Zusammenarbeit mit kämpfenden Belegschaften. Das unterstrichen Delegationen von HSP, VDO, Opel und Miebach am offenen Mikrofon und mit der gemeinsamen Happy-Birthday-Spontankundgebung mitten auf einer belebten Kreuzung. Viel Beifall erhält dabei der Beitrag eines Opelaners, der von den verschiedenen Streiks der Opel-Belegschaften berichtet und den Bestrebungen, einen konzernweiten 24-stündigen Streik in allen GM-Werken durchzuführen. (...)

Gleichzeitig riefen die Montagsdemos zum Sternmarsch am 16. September in Berlin auf. Mit dem neuen, unter Mithilfe vieler Montagsdemos überarbeiteten Aufruf ist jetzt er Startschuss erfolgt, um ab sofort viele Erstunterzeichner zu gewinnen und Spenden für die Finanzierung zu sammeln. Aufruf und Kontaktaufnahme über www.bundesweite-montagsdemo.com.

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