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Zur Lage der Montagsdemos (27.02.06)

rf news online || Datum: 02.03.2006

Zur Lage der Montagsdemos (27.02.06)

"Mit 66 Jahren da fängt das Leben an ..." - so tönte es an diesem Montag in Gelsenkirchen vom geschmückten Lautsprecherwagen der Montagsdemonstranten, die sich am traditionellen Rosenmontagszug beteiligten. Vor und hinter dem Wagen sah man Rentner, Patienten mit Urinbeuteln oder mit Krücken, die alle "begeistert" waren, bis 80 weiter zu arbeiten. Aus Berlin war extra Angi Merkel angereist, um den Karnevalisten die frohe Botschaft zu überbringen, dass mit der Rente ab 80, der 60-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich und 40 Jahren Praktikum für die Jugend neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Die "Begeisterung" übertrug sich wie selbstverständlich auf das Publikum.

Auch in anderen Städten nahmen die Montagsdemonstranten an Rosenmontagszügen teil, so unter anderem in Herne. Unter dem Motto "Das ist alles nur geklaut" warfen sie dort den Inhalt von drei Säcken Popkorn, jede Menge Kamelle und kleine Schoko-Tafeln in die Menge, während ihnen von Tausenden Jecken am Rande des Zuges zugejubelt wurde.

In manchen Regionen ist dies freilich gar nicht so einfach. So wird aus Heilbronn berichtet: "Wahrscheinlich ist es einfacher, einen Eishockeyclub in der Wüste Sahara zu gründen, als in Städten wie Heilbronn für Faschingsstimmung zu sorgen. Trotzdem bemühten sich an diesem Rosenmontag die Teilnehmer der 74. Heilbronner Montagsdemo mit Kalauern, Büttenreden und kleinen Anekdoten dem besonderen Anlass gerecht zu werden. Nach verhaltenem Beginn wurde die Stimmung immer besser. Wärmenden Applaus gab es für den Streik der kommunalen Beschäftigten, der in Baden-Württemberg jetzt in die vierte Woche geht. Dabei wurde kontrovers diskutiert, ob es eine sinnvolle Unterstützung des Streiks ist, wenn Bürger ihre Gebühren für Kindergärten oder Müllentsorgung einseitig kürzen, um den Druck auf die Städte zu erhöhen."

Die Solidarität mit diesen Streiks spielte auch an diesem Montag bei anderen Montagsdemonstrationen eine zentrale Rolle, meist in Verbindung mit kulturellen Beiträgen. Von Verkleidungen, über Musik und Büttenreden war Neues und Witziges geboten, wie unter anderem in Wuppertal, Duisburg, Heilbronn und Bochum. In Berlin blieb unter den zeitweise 140 Passanten beim Büttenredner kein Auge trocken. In Bochum verkündete abschließend der Büttenredner passend: "Die Kindheit wird sich wieder lohnen, bis 25 zu Hause wohnen, wer will heut schon erwachsen sein? Vater Staat hält euch schon klein, liebe Tochter, lieber Sohn, es ist Zeit für Rebellion!"

In Weißenfels wurden die Redner bei der Montagsdemo mit viel Beifall begrüßt, die als Gäste aus München, Nürnberg und Eisenach Grüße von dort überbrachten. Unter anderem in Berlin und Heilbronn wurde die letzte Gelegenheit genutzt, um Kandidaten für die Wahl zur Koordinierungsgruppe der bundesweiten Montagsdemobewegung bzw. Delegierte für die 4. bundesweite Konferenz zu wählen, die am kommenden Samstag in Hannover stattfindet. Die neuen Erfahrungen am Rosenmontag und aus der vielfältigen Überzeugungsarbeit vor Ort werden dort sicherlich zu einem lebendigen, spannenden und für alle lehrreichen Erfahrungsaustausch von Delegierten und Gästen beitragen und Impulse für die weitere Arbeit geben.

Quelle: rf news online, 02.03.2006

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