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Leserbrief: Preistreiberei und Mehrwertsteuererhöhung

Klaus Wallmann sen. || Datum: 14.12.2006

Leserbrief: Preistreiberei und Mehrwertsteuererhöhung

Laut Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 13.12.06 stiegen die Verbraucherpreise im November gegenüber dem Vorjahr um 1,5 Prozent. Das mag harmlos klingen, doch wenn man näher hinschaut, so bemerkt man die dahinterstehende massive Preistreiberei der Handelsmonopole - gerade bei den notwendigen Massengütern. So sind Salatgurken heute um 46 Prozent teurer als vor einem Jahr, Kartoffeln um 36,7 und Kopfsalat um 30,1 - Gemüse insgesamt um 14,8 Prozent.

Das für nahezu die Hälfte aller Haushalte notwendige Erdgas stieg innerhalb Jahresfrist um 14,8 Prozent, innerhalb der letzten sieben Jahre hat sich dessen Preis fast verdreifacht.
Beim Strom zockten die Energiemonopole dieses Jahr weitere 4 Prozent ab. Seit 2000 erhöhten ENBW, E-On, Vattenfall und RWE die Preise um 78 Prozent. Mit der Parole "Konkurrenz drückt die Preise" hatte man uns genau das Gegenteil versprochen und die Privatisierung der Stromversorgung eingeleitet. Und trotz medienwirksam in Szene gesetzter Durchsuchung ihrer Geschäftsräume geht deren Preistreiberei munter weiter.

Die 19-prozentige Mehrwertsteuer wird die Preisspirale weiter beschleunigen.

Es gibt also überhaupt keinen Grund, sich bei den anstehenden Tarifrunden in Bescheidenheit zu üben. Auf die Preisgestaltung der Monopole haben die Werktätigen keinen Einfluß. Um so mehr gilt es, alle Kraft gegen den Lohnraub von Monopolen und Staat zu mobilisieren.

Der unter der Parole der "Gleichstellung von Arbeitern und Angestellten" verkaufte ERA-Tarifvertrag in der Metallindustrie, der in Wahrheit ein Lohnsenkungsprogramm mit Einbußen von bis 700 Euro pro Monat ist, muß in diesem Zusammenhang gleich mit fallen, richtet er sich doch gegen die ganze Arbeiterschaft. Lediglich 160 der ca. 1.000 Mitgliedsunternehmen von Südwestmetall haben es bis jetzt gewagt ihn einzuführen, wozu die "Stuttgarter Zeitung" meint: "Bei immer mehr namhaften Betrieben, wo Beschäftigte sich ungerecht behandelt fühlen, kommen aber Konflikte hoch."

Wenn der Chef von Südwestmetall, Roell, nun erwartet, "dass die Gewerkschaft Führungsstärke zeige und den Tarifvertrag umsetze, wie sie ihn unterschrieben habe", so sollten die Mitglieder der IG Metall ihren "Führern" genau auf die Finger schauen. Meines Wissens haben sie bisher niemanden beauftragt, durch eine Politik der Klassenzusammenarbeit zu ihrer zunehmenden Verarmung beizutragen.

Klaus Wallmann sen.



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