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Das "Victory"-Zeichen des Herrn Ackermann
Leserbrief zum Leitartikel "Freikauf erster Klasse" von Christoph Ulrich, FP 30.11.2006, S.4

Klaus Wallmann sen. || Datum: 30.11.2006

Das "Victory"-Zeichen des Herrn Ackermann
Leserbrief zum Leitartikel "Freikauf erster Klasse" von Christoph Ulrich, FP 30.11.2006, S.4

Zu einem Zeitpunkt, an dem immer neue kriminelle Machenschaften aus den Vorstandsetagen multinationaler Konzerne wie Siemens und VW bekannt werden, einigen sich die Anwälte der Angeklagten im Mannesmann-Prozeß mit den Anwälten des Staates auf eine Einstellung des spektakulärsten Wirtschaftsprozesses der deutschen Nachkriegsgeschichte - gegen Geld.

Ein "ärgerlicher Vorgang", meint der FP-Leitartikler Christoph Ulrich heute, "der das Vertrauen in die deutsche Justiz nachhaltig schädigen wird". Vom "Rechtsempfinden normaler Bürger" spricht er, und macht damit ungewollt deutlich, daß Ackermann und Co. wohl keine "normalen" Bürger sind. Recht hat er. Diese Herren gehören der herrschenden Klasse an.
Die Begründung der Richter, nach denen an der Fortsetzung des Prozesses kein öffentliches Interesse mehr bestehe, bezeichnet Herr Ulrich zwar als "an den Haaren herbeigezogene juristische Spitzfindigkeit", doch ist die Mißachtung des öffentlichen Interesses der Masse der Bürger dieses Landes nicht schon längst zur gelebten Wirklichkeit der angeblichen "Diener des Staates" geworden?
Geht es nach dem Leitartikler, so haben die Richter lediglich vor den "komplexen Zusammenhängen" kapituliert. Sie hätten besser daran getan, so Ulrich nicht ganz unzweideutig, den Bürgern zu erklären, "dass es wohl aussichtslos gewesen wäre, ein gerechtes Urteil zu fällen".

Ob es ein "gerechtes Urteil" in einem Land geben kann, in dem sich das Monopolkapital den Staatsapparat und damit auch die bürgerliche Rechtsprechung vollständig untergeordnet hat, diese Frage muß sich jeder selbst beantworten. Wenn ich berücksichtige, daß mit Ackermann einer der wohl mächtigste Vertreter des deutschen Finanzkapitals vor Gericht stand, so habe ich da so meine Zweifel. Als Spitzenmanager der Deutschen Bank, die für 2008 einen offiziellen Unternehmensgewinn von 8,4 Milliarden Euro anstrebt, steht er für den aggressiven Kurs, der bei der neuen Welle weltweiter Fusionen und Firmen-Übernahmen verfolgt wird. Für diese Form der Herrschaftsausübung ist es undenkbar, daß ein Spitzenmann der deutschen Monopole wegen der dabei unumgänglichen Praktiken im Kampf um die Beherrschung des Weltmarktes strafrechtlich verurteilt wird. Der jetzige "Freikauf erster Klasse", wie Herr Ulrich das gestrige Ereignis bezeichnet, ist daher vor allem ein Persilschein für das "weiter so" der herrschenden Klasse.

Zum Prozeßauftakt im Januar 2004 sorgte Ackermann provokativ mit der Geste des "Victory"-Zeichens zu Recht für öffentliche Empörung. Mit wieviel mehr Recht wäre die öffentliche Empörung jetzt angebracht?

Klaus Wallmann sen.



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