rz-Logo

Kinderarmut: Die rührende Sorge einer Bundeskanzlerin

Klaus Wallmann sen. || Datum: 04.09.2006

Kinderarmut: Die rührende Sorge einer Bundeskanzlerin

Frau Merkel - z.Z. Bundeskanzlerin und vom bürgerlichen Blatt "Forbes" inzwischen zur "mächtigsten Frau der Welt" gekürt - gerät aufgrund ihrer volksfeindlichen Politik immer mehr unter Beschuß und stürzt in den Wählerumfragen auf immer neue Tiefpunkte. Vielleicht resultierte daraus ihre überraschend schnelle Reaktion auf dem "Forum für Kinderarmut" am vergangenen Dienstag in Berlin. Weniger überraschend - dafür um so bezeichnender - was ihr da so einfiel.

Ausgerechnet aus ihrem Mund kam die Feststellung, daß für die Bekämpfung der Kinderarmut die "Entwicklung der Beschäftigung" eine "Schlüsselfrage" sei. Hat diese Dame völlig verdrängt, daß gerade sie es ist, die führend für die systematische Ausweitung von Niedriglöhnen verantwortlich ist und damit genau dafür, daß immer mehr Menschen trotz "Beschäftigung" in Armut leben?
Hartz IV, so behauptete die "christliche" Politikerin dann, habe die Lage der Kinder "nicht verschlechtert". Ein Brüller, doch Frau Merkel kann noch besser. Nicht nur die materielle Armut bereite ihr Sorgen, sondern ebenso die "emotionale Armut". Mangelnde "Zuwendung und Erziehungskraft" durch die Eltern in "allen Schichten" stellte sie fest, und damit glaubt sie fein raus zu sein, hat sie doch wiedereinmal die Verantwortung für die wachsende Not von Kindern den Eltern zugeschoben.

Wenden wir uns nach all dem Gesödere der "mächtigsten Frau der Welt" den Fakten zu.
In völligem Gegensatz zu Frau Merkel kommt das Bremer Institut für Arbeitsmarktforschung und Jugendberufshilfe zu der Feststellung, daß inzwischen bundesweit 16,2 Prozent aller Kinder unter 15 Jahren von Sozialgeld leben. Da Sozialgeld alle nicht erwerbsfähigen Angehörigen einer sogenannten "Bedarfsgemeinschaft" erhalten, beweist das, daß sich das Ausmaß der Kinderarmut vor allem durch Hartz IV ausgeweitet hat.

Daß die meisten davon betroffenen Kinder im Osten der Bundesrepublik leben - Görlitz, Hoyerswerda, Berlin - dürfte niemanden verwundern. In 61 von insgesamt 420 Kreisen leben 30 Prozent und mehr aller Kinder in Familien, die von Hartz IV betroffen sind, was das Bremer Institut dazu verleitet, von einem "zunehmenden Problem" zu sprechen.

Von Unicef oder dem Deutschen Kinderschutzbund bekommt Frau Merkel auch keinen Flankenschutz. Nach deren Angaben hat sich die Zahl der in Armut lebenden Kinder in Deutschland seit 2004 auf 2,5 Millionen verdoppelt. Vor allem betroffen sind Kinder von Alleinerziehenden, von denen fast 40 Prozent relativ arm sind. Verzicht auf Taschengeld, Freizeit- und Sportangebote sind bei diesen Kindern alltäglich, hinzu kommt eine mangelhafte Ernährung und ein daraus resultierender schlechter Gesundheitszustand.

An all dem kam wohl letztendlich auch "unsere" Kanzlerin nicht vorbei, und so fügte sie ihren demagogischen Sprüchen noch folgende Unverbindlichkeit hinzu: "Ich gehe davon aus, dass wir kostenlose Kindergärten haben werden." Doch selbst diese unverbindliche Aussage schränkte sie mit ihrem nächsten Satz gleich wieder ein. Man solle "zunächst mit einem kostenfreien dritten Kindergartenjahr beginnen". Was wohl wiederum davon abhängen wird, ob im nächsten Haushaltsplan das dafür nötige Geld "übrig" sein wird.

Damit die berechtigten Forderungen der Kinderschutzverbände durchgesetzt werden können - Festlegung und Gewährleistung eines angemessenen Existenzminimums für Kinder, gebührenfreie Kindergärten, den Ausbau von Ganztagsschulen sowie die gezielte Förderung für Kinder aus Migrantenfamilien ab dem Kindergarten - auch dafür ist der breite Protest entscheidend.

Klaus Wallmann sen.

Kinderarmut in Deutschland



Lesermeinung, 06.10.06:
Das interessiert in Deutschland keinen. Dazu ist das Land zu korrupt geworden. Wir haben 1998 versucht die Kindesrechte in Form des Kindschaftsreformgesetzes und den Kinderrechtskonventionen durchzusetzen. Damals schalteten sich die Vereinten Nationen und der amerikanische Präsident ein. Schnellstens wurde das BGB geändert. Nur es hält sich kein Richter daran.
Auch die ganzen EU-verträge sind überflüssig. Dazu gab es vom EU-Gerichtshof schon etwas auf die Nase. Unsere Justiz erkannte die Urteile aber nicht an. Egal wer da in Berlin an der Regierung ist, hat keinen Einfluss auf die zweite Gewalt im Staat (Justiz). Das BGB ist nur ein Schutz der Landeskasse und dient zusätzlich zum Geldverdienen durch mutwillige Prozessführung. Auch das Grundgesetz wird materiellrechtlich ausgelegt.
Es gibt also keine Hoffnung die Kinderarmut zu begrenzen.
Es wird sich alles wiederholen. Wir haben das doch schon dreimal durch.
Die Entwicklung sieht man doch schon in Sachsen-Anhalt. Jeder in seiner Existenz bedrohter Bürger ist eine Stimme für RECHTS.
Volker Weigt

Lesermeinungen müssen nicht mit der Meinung des Eigentümers dieser Website übereinstimmen.



Zurück Ihre Meinung ist gefragt. Zum Anfang