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Über "Kauflaune", Preistreiber und Lohnräuber
Leserbrief

Klaus Wallmann sen. || Datum: 30.07.2006

Über "Kauflaune", Preistreiber und Lohnräuber
Leserbrief

Dreimal in Folge hat uns die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) nun bekannt gegeben, daß unsere "Kauflaune" steigt und steigt und inzwischen ein Rekordniveau erreicht hat. Mit Freude berichten darüber alle bürgerlichen Massenmedien, die "Freie Presse" nicht ausgenommen.
Verschwiegen wird auch von unserer "Heimatzeitung" das kleinlaute Eingeständnis der GfK, nach dem sich dabei ein "ambivalentes Bild" zeige. Zwar würden viele der Befragten vor der Merkel-Steuer-Erhöhung gerne noch größere Anschaffungen tätigen, die Frage ist allerdings, "ob die Kaufwünsche angesichts der schleppenden Einkommensentwicklung und der ... hohen Arbeitslosigkeit auch in Kaufentscheidungen umgesetzt" werden können. Das schreibt man offensichtlich nicht gern - die freudige, patriotische Stimmung könnte noch schneller in den Keller gehen.

Nicht nur Massenarbeitslosigkeit, allgemeiner Lohnabbau und volksfeindliche Regierungsbeschlüsse lassen die Massenkaufkraft immer weiter sinken, hinzu kommen die immer unverschämteren Preissteigerungen durch Monopole und Staat.

Die Preiserhöhung um 11 Prozent wies ein RWE-Sprecher zwar als "pure Spekulation" zurück, doch angesichts der Beteuerungen der anderen Stromkonzerne, daß sie wegen der bevorstehenden Mehrwertsteuer-Erhöhung und gestiegener Anschaffungskosten ihre Preise "erhöhen müssten", wird das wohl eine ähnliche "Halbwahrheit" sein, wie die kolportierte GfK-Meldung. Verlogen argumentieren sie mit einer angeblichen Stromknappheit und den gestiegenen Preisen an der Leipziger Energiebörse. Zum einen wird der dort eingekaufte Strom zum größten Teil von den marktbeherrschenden Mutterkonzernen selbst produziert, zum anderen verfügen ihre Versorgungstöchter über langfristige Einkaufsverträge, durch die sich kurzfristige Preisschwankungen kaum niederschlagen.

Die Mineralölkonzerne sind bekanntlich nicht weniger dreist. Terroranschläge, Liefer- oder Produktions-"Engpässe" oder gegenwärtig der Krieg im Nahen Osten - einen Grund für ihre Preiserhöhungen finden sie immer. Seit 2000 stieg der Preis für den Liter Normalbenzin in Deutschland um 35,4 Prozent. Und obwohl die Erdöl- und Gasförderung des Shell-Konzerns seit dem Vorjahr um 8 Prozent sank, stieg sein offiziell angegebener Gewinn um 36 Prozent auf insgesamt 6,3 Milliarden US-Dollar im 2. Quartal 2006.

Wenn unsere Regierung laut ihres Tourismus-Beauftragten Hinsken (CSU) die regelmäßigen Preiserhöhungen zu Beginn der Ferienzeiten "unter die Lupe nehmen" will, so will er damit nur eins: der empörten Bevölkerung Sand in die Augen streuen. Sein Zusatz, man könne "den Konzernen nicht die Preise diktieren", entlarvt sein geheucheltes Mitleid zur Genüge. "Diktieren" kann nur die herrschende Klasse, die Klasse, die die wirtschaftliche Macht hat - das ist keine neue Erkenntnis, nur wird sie von den bürgerlichen Ideologen immer wieder geleugnet. Und warum auch sollten die Hinskens die Monopole genauer "unter die Lupe nehmen" wollen, kassieren Staat und Regierung über Mineralöl-, Öko- und Mehrwertsteuer doch ebenfalls kräftig mit ab, und können mit den zusätzlichen Einnahmen erneut die Monopole in Form von Subventionen und sinkenden Unternehmensteuern im globalen Konkurrenzkampf "unterstützen".

Nun soll es ja immer noch Leute geben, die der Illusion aufsitzen, daß sie der erhöhten Merkel-Steuer wenigstens zum Teil entkommen könnten, wenn sie größere Anschaffungen noch in diesem Jahr tätigen. Sie sollten sich beeilen, wenn sie keine Enttäuschung erleben wollen. Denn nach einer anderen Umfrage (IW-Institut) erwägen 38 Prozent der Händler, ihre Preise schon jetzt heraufzusetzen. Auch wenn das die ganze Wahrheit sein sollte, ist das eine beeindruckende Zahl. Hinzu kommt, daß es sich bei den von dieser frühzeitigen Preiserhöhungen betroffenen Produkten vor allem um langlebige handelt.

Die "Freie Presse" teilte gestern mit, daß nach Aussage des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Insituts (WSI) die Tariflöhne unter Einrechnung der Inflationsrate in diesem Jahr real um 0,7 Prozent sinken. Zum "wiederholten Mal" sei Deutschland Schlußlicht bei der Lohnentwicklung in Europa. Aber unsere "Kauflaune" ist auf Rekordniveau.

Angesichts immer dreisterer Preistreiberei und Lohnräuberei durch Monopole und Staat sollte unsere "Kampflaune" auf Rekordniveau sein. Und wenn rechte Gewerkschaftsführer den entschiedenen Kampf um höhere Löhne und Gehälter scheuen, so darf man nicht vergessen, daß der notwendige Kampf auch selbständig geführt werden kann.

Klaus Wallmann sen.



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