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"Verteidigungsminister" Perez: Eine "neue Realität" schaffen
Leserbrief zum Krieg im Nahen Osten

Klaus Wallmann sen. || Datum: 20.07.2006

"Verteidigungsminister" Perez: Eine "neue Realität" schaffen
Leserbrief zum Krieg im Nahen Osten

Wenn die bürgerlichen Massenmedien ihrer eigenen Logik konsequent folgen würden, so müßten sie von tausenden "entführten" Palästinensern in israelischen Gefängnissen berichten. Was sie natürlich nicht tun. "Entführte" sind nur die israelischen Soldaten, deshalb die Militäraktion gegen die Palästinenser und gegen den Libanon, die verharmlosend und demagogisch mit "Gerechter Preis" betitelt wurde.

Von Anfang an konnte man davon ausgehen, daß Israel als abhängiger Stellvertreter des US-Imperialismus in der Region einen solchen Krieg nie ohne Genehmigung Washingtons vom Zaun brechen würde. Nicht ohne Grund legte die US-Regierung im UN-Sicherheitsrat ihr Veto gegen die Verurteilung Israels ein. Die Aufrufe zur "Mäßigung" sind nichts als Scheinheiligkeit.
Und inzwischen weicht man sogar von der offiziellen Begründung für diese Aggression ab, die angeblich der Befreiung der "entführten" Soldaten dient.
Eine "neue Realität" in der Region zu schaffen, das, so der israelische "Verteidigungsministers" Amir Perez, sei jetzt das Ziel des Krieges. Wobei nur das kleine Wörtchen "jetzt" gelogen ist.

Ohne die Namen zu nennen, wurden in der "starken Botschaft" (Merkel) des G8-Gipfels (im Volksmund auch "Gipfel der 8 Gauner" genannt) Syrien und Iran als "extremistische Elemente" für die Kriegssituation in Nahen Osten verantwortlich gemacht. Das entspricht ganz Bushs "New War"-Konzept, in dem diese beiden Länder neben dem Irak und Nordkorea als "Schurkenstaaten" abgestempelt werden. Der Grund war und ist offensichtlich. Der angebliche Kampf gegen den "Terrorismus" soll den Mittleren Osten mit seinen riesigen Ölquellen unter die Botmäßigkeit der US-Multis und ihrer Regierung bringen.

Bis dahin nutzt man den Krieg schon mal, um den Benzinpreis an die "magische" 1,50-Euro-Marke zu puschen. Erdöl-Konzerne machen Extragewinne, und ihr Staat kassiert zusätzliche Millionen an Mineralölsteuer. Da spielt es keine Rolle, daß das derzeit verwendete Erdöl bereits vor Monaten gefördert wurde.

Die Gunst der Stunde nutzte auch der "Gauner-Gipfel" in St. Petersburg, als er die Vereinten Nationen zu einer "Verbesserung der Bemühungen im Kampf gegen den Terrorismus" aufrief. Im Klartext bedeutet das nichts anderes, als das die UNO ihre Rolle im Interesse der imperialistischen Mächte gefälligst noch effizienter gestalten solle.
Premierminister Tony Blair mit Generalsekretär Annan im Anhang folgten sofort, und forderten die weitere Stationierung von UN-Blauhelmen in der Region, während Italiens Regierungschef Prodi die Zahl von 10.000 Blauhelmen ins Spiel brachte. Seit dem Ende des 2. Weltkriegs benutzen die imperialistischen Mächte mit Vorliebe diese als "Friedensmissionen" getarnten Einsätze, um ihre Interessen gegen die Völker der Welt durchzusetzen und abzusichern.

In der ihnen eigenen konsequenten Logik fordern die bürgerlichen Medien natürlich sofort die Beteiligung Deutschlands. Frau Merkel, z.Z. Bundeskanzlerin und zusammen mit Blair und der tschechischen Regierung treueste Verbündete Bushs im europäischen Lager, erklärte zwar, "eine deutsche Beteiligung sei derzeit kein Thema". Doch ihre "Entschuldigung" mit dem Hinweis auf das ausgebuchte Auslands-Programm der Bundeswehr läßt zumindest vermuten, daß noch werden kann, was derzeit nicht ist. Schließlich ist Deutschland einer der größten Waffenlieferanten Israels, und daraus ergeben sich schon gewisse Verpflichtungen.

Was man der zu Recht besorgten Weltöffentlichkeit derzeit als "Sicherheitszone" im Nahen Osten verkaufen will, ist in Wirklichkeit die Besetzung des südlichen Libanon und der erneute Versuch, den palästinensischen Befreiungskampf in Blut zu ersticken. Bislang ist das keiner Besatzungsmacht gelungen.

Klaus Wallmann sen.



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