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Herr Hundt und der Mut einer Leitartiklerin
Zum Leitartikel "Mehr Mut!" von Kristina Hofmann, FP 09.05.2006, S.4

Klaus Wallmann sen. || Datum: 10.05.2006

Herr Hundt und der Mut einer Leitartiklerin
Zum Leitartikel "Mehr Mut!" von Kristina Hofmann, FP 09.05.2006, S.4

"Verdammt einfach" machte es sich FP-Journalistin Kristina Hofmann mit ihrem gestrigen "Leitartikel" - ein Vorwurf, den auch sie dem Chef des Kapitalistenverbandes BDA, Hundt, machte. Dieser fordert eine Praxisgebühr von fünf Euro pro Praxisbesuch und die Erhöhung der Eigenbeteiligung auf drei Prozent.

"Der Patient als Allzweck-Waffe fürs Finanzlöcher-Stopfen", so die Schreiberin ganz empört, "... das ist schlimm." Schließlich geht es doch um die Sanierung der Krankenkassen, die nach der tollen Gesundheits"reform" schon wieder in den Schuldensumpf rutschen.
Frau Hofmann jubelt auch heute noch (wie am 22.10.04) über die Praxisgebühr, denn diese hat die Arztbesuche um 10 Prozent verringert. Schon damals stellte sie die Frage "Wer bleibt weg?" und hoffte auf diesbezügliche Untersuchungsergebnisse "vielleicht" zum Jahresende. Bis heute sind sie ausgeblieben. Damals äußerte Frau Hofmann den interessanten Gedanken, daß vor allem die den Arztbesuch scheuen könnten, die "zum Leben zu wenig, zum Sterben zuviel" haben. Heute beschränkt sie sich auf das unfruchtbare Mitleid mit denen, die "die Solidarität der Allgemeinheit am dringendsten brauchen".

Und während sie sich über den Hundt empört, über seine "simple Therapie", setzt sie sich ans Krankenbett des Kapitalismus und strickt sich ihre eigenen Therapien zurecht, die allerdings auch nur Symptome, aber nicht die Ursachen behandeln. "Mehr Mut" hat Frau Hofmann nicht, darf Frau Hofmann auch nicht haben. Sonst hätte sie sich als investigative Qualitätsjournalistin um die oben erwähnte Untersuchung bemüht. Oder wenigstens mal die Frage aufgeworfen, warum die Anzahl derjenigen, die "zum Leben zu wenig, zum Sterben zuviel" haben, ständig steigt, während die Konzerne des DAX und des M-DAX exorbitante Gewinne einfahren und sich dennoch von all dem "sozialen Klimbim" abkoppeln wollen.

Leserbrief zum Thema "Weniger Arztbesuche", Leitartikel "Grauzone", FP 22.10.2004, S.4

Und wenn Frau Hofmann denn unbedingt auf Herrn Hundt herumhacken will, warum nimmt sie sich dann nicht einfach des Unternehmers Hundt an. Dieser ist nämlich auch geschäftsführender Gesellschafter der Allgaier-Werke. Und in dieser Funktion teilte er in der vergangenen Woche dem Betriebrat mit, daß er die im faulen Tarifabschluß der Metaller vorgesehenen 310 Euro Einmahlzahlung nicht auszahlen will. Zur Begründung führt der ehrenwerte Hundt einen angeblichen Verlust von ein bis zwei Millionen im laufenden Jahr an.
Falls der Betriebsrat unvernünftigerweise auf der Zahlung bestehen sollte, droht Herr Hundt mit der "simplen Therapie" der unentgeltliche Verlängerung der Wochenarbeitszeit von 35 auf 36 Stunden und mit dem Wegfall des Weihnachtsgeldes.
In seiner unermeßlichen Güte legte er allerdings eine "Alternative" vor. Er könne auch 150 Arbeitsplätze "abbauen" - natürlich "sozialverträglich". Für die entlassenen Kollegen dürfte es aber keine Rolle spielen, ob sie nun "sozialverträglich" arbeitslos geworden sind oder nicht. Der Betriebsrat setzt nun auf neue Verhandlungen, damit das Geld später ausgezahlt wird. Zum Sankt Nimmerleinstag?

Nicht nur der Betriebrat sollte sich die Mahnung der FP-Leitartiklerin Hofmann zu Herzen nehmen: "Bitte, ein bißchen mehr Mut!"

Klaus Wallmann sen.

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