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Leserbrief an rz:
Anmerkungen zur Patriotismus-Debatte

K.-H. Lux || Datum: 30.04.2006

Leserbrief an rz:
Anmerkungen zur Patriotismus-Debatte

Dossier Patriotismus-Debattesh. auch: Dossier Patriotismus-Debatte

Liest man über die Patriotismus-Debatte im Käthe-Kollwitz-Gymnasium zu Zwickau, so stellen sich Fragen.

Warum reagiert die Schulleitung so, wie sie reagiert? Warum regiert sie nicht anders? Warum diese Abschottung? Warum dann noch der Artikel einer Schülerin auf der KKG-Internetseite, genau dieser, genau mit diesem Inhalt? Was und wie denken die anderen Lehrer und Lehrerinnen dieser höheren Bildungsanstalt? Was und wie denken die anderen Schüler und Schülerinnen?

Zum Lehrpersonal: Man kann schon Bauchschmerzen bekommen, sollte das gesamte Lehrpersonal genauso denken, wie es in der Reaktion bzw. der Nicht-Reaktion der Schulleitung zum Ausdruck kommt. Auch bekommt man Bauchschmerzen, wenn man bedenkt, dass ja die Schulleitung nicht allein alle Schüler und Schülerinnen unterrichtet.

Der Artikel der Schülerin: Wie wird er vom Lehrpersonal gesehen, wie würde er als Klassenarbeit bewertet, mit welcher Zensur versehen? Ist er das erwünschte Produkt, das Lernergebnis, das sich der KKG-Pädagoge als Ergebnis seiner Lehrarbeit wünscht, das Produkt mit Aussicht auf eine "gute" Note?

Mit dem Erscheinen des Artikels der Schülerin auf den Internetseiten kann das "Argument", nichts von der Angelegenheit zu wissen, nicht mehr gelten. Wo bleiben jetzt Stimmen aus der KKG-Lehrerschaft, die andere Auffassungen vertreten? Kommen sie nicht, was kann man dann über die gesamte Lehrerschaft des KKG denken, welche Schlußfolgerungen muss man daraus logischerweise ziehen, welches Urteil über die Haltung und auch "Qualität" der Lehrerschaft des KKG wird dann folgerichtig?
Nicht zuletzt sind die Lehrerinnen und Lehrer, die die Veranstaltung anders gesehen haben - sollten sie überhaupt vorhanden sein - herausgefordert, und besonders die, die zum Thema "Patriotismus" andere Haltungen vertreten. Sollte es sie geben, sollten sie sich aber nicht zu Wort melden - was muß man über sie denken, welche Beurteilung stellen sie sich damit selbst aus?

Der bekannte Journalist Reinhard Kahl hat in der Pisa-Auseinandersetzung über das deutsche Schulwesen das Wort von der "Lernvollzugsanstalt" verwendet. Zu Unrecht?

Scheut man die öffentliche Auseinandersetzung über das, was man für richtig hält, so scheut man offensichtlich eine öffentliche Niederlage, so fühlt man sich offensichtlich schwach, traut man sich nicht.

Wenn man es unter Ausschluß von Öffentlichkeit, hinter geschlossenen Klassenzimmertüren dennoch verbreitet, es so offensichtlich zum Lernstoff wird, den es zu "beherrschen" gilt, dessen Nachplappern mit Schulnoten versehen wird, wenn dabei noch mit "pädagogischen" Mitteln agiert wird, dann erhält ein unbeteiligter Betrachter eine Lehrstunde, wie der Kern von zeitgemäß praktizierter Pädagogik an einer deutschen Bildungsanstalt aussieht. Man erkennt, warum so praktizierende Pädagogen nicht nur scheitern und versagen müssen, sondern auch, warum sie genau das Image haben, über das sie sich gerne beklagen.

Karl-Heinz Lux

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