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Leserbrief zu den offiziellen Arbeitslosenzahlen vom April

Klaus Wallmann sen. || Datum: 29.04.2006

Leserbrief zu den offiziellen Arbeitslosenzahlen vom April

Die offiziellen Arbeitslosenzahlen im April seien stärker gesunken als in den Vergleichsmonaten der vergangenen Jahre, so kolportieren das "unabhängige" Staatsfernsehen und die "freien" bürgerlichen Medien die Pressemeldungen der Agentur für Arbeit. Verschiedene Regierungspolitiker werten diese "Belebung" bereits als "Erfolg" ihrer "Reformen". Nur die "Freie Presse" trübte am 28.04. meine jäh aufkeimende Freude mit der miesmacherischen Bemerkung, daß diese erfreuliche "Belebung" an Zwickau "allerdings nahezu" vorbeiging.

In der FP hieß es auch: "Was die Politik und die Wirtschaft nicht hinkriegen, schafft der Frühling in jedem Jahr ..." "Qualitätsjournalistin" Janet Grund schrieb über die "Frühjahrsbelebung". Und die Nachricht aus Nürnberg erwähnte einen Wirtschaftsaufschwung "im Frühjahr". Die Bundesagentur (BA) selbst verweist auf die kalte Witterung im März und den Fakt, daß wetterabhängige Branchen deshalb erst ab Mitte April verstärkt Saisonarbeitskräfte eingestellt hätten.
Deutlicher können die Herren garnicht darauf hinweisen, daß die "Belebung" eben nicht irgendwelchen "Erfolgen" ihrer "Reformen" geschuldet ist, sondern ganz einfach und wie jedes Jahr - dem Frühling!
Genau deshalb mußte BA-Chef zugeben: "Trotz positiver Signale am Arbeitsmarkt zeichnet sich ein Beschäftigungsaufbau jedoch noch nicht ab."

Konstatieren kann man statt eines "Beschäftigungsaufbaus" eine erneute Vernichtung von 152.000 sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätzen gegenüber 2005. Verschleiert wird das durch die gleichzeitige Ausdehnung der Unterbeschäftigung, was in der Tatsache, daß die Zahl der ausschließlich "geringfügig Beschäftigten" gegenüber letztem Jahr um 137.000 zugenommen hat, zum Ausdruck kommt.

Und wenn FP-"Journalistin" Janet Grund und die anderen Schreiberlinge die Pressemitteilungen der BA sorgfältig und bis zum Ende lesen würden, so hätten sie bei ein wenig Denkarbeit bemerken können, daß es mit den angeblich "positiven Signalen" des ehrenwerten Herrn Weise ebenfalls nicht allzuweit her ist.
Die offiziellen Arbeitslosenzahlen im April seien stärker gesunken als in den Vergleichsmonaten der vergangenen Jahre - so die "Erfolgsmeldung". Doch in Wirklichkeit sind die offiziellen Arbeitslosenzahlen im April 2006 nicht stärker, sondern schwächer als im April 2005 zurückgegangen. 187.000 weniger gemeldete Arbeitslose im April im Vergleich zum März 2006 - so die offizielle Meldung. Der Rückgang im selben Zeitraum 2005 betrug jedoch 214.000! ???

Die abenteuerliche "Erfolgsmeldung" ist erneut den BA-Mitarbeitern zu verdanken, denen immer wieder ein neuer Statistiktrick einfällt. Diesmal entdeckten sie gerade rechtzeitig den "Zehn-Jahres-Durchschnitt" für den Rückgang von März auf April, und der liegt glücklicherweise tatsächlich "nur" bei 134.000. Was verständlich ist, denn in der Regel werden die meisten Saisonarbeitskräfte bereits im März eingestellt.

Und auch der offizielle statistische Rückgang der Arbeitslosenzahlen um 262.000 von April 2005 auf April 2006 hat mit der angeblichen "Belebung" nichts zu tun. Etwa die Hälfte der Betroffenen wurde in sogenannte "Ein-Euro-Jobs" gepreßt, während die andere Hälfte des Rückgangs im zunehmenden Druck auf die Arbeitslosen begründet ist. Mit "Sperren" belegte Erwerbslose werden für die Dauer der "Sperre" einfach aus der Arbeitslosen-Statistik gestrichen. Was natürlich nichts an der Tatsache ändert, daß die Betroffenen auch weiterhin Arbeitsplatzsuchende sind. Man sieht daran, daß sich die "intensivere Betreuung" der Arbeitsagenturen auch in der Statistikmanipulation bezahlt macht.

Daß die bürgerlichen Medien, die "freie" Presse, das "unabhängige" Staatsfernsehen - das mich von Tag zu Tag mehr an die "Aktuelle Kamera" erinnert - diese Statistiktricks seit Monaten nicht bemerken, spricht nicht gerade für sie, ihre Intelligenz und die Qualität ihrer Produkte.
Ob es Frau Merkel und Co. gelingen wird, die Massen mit solchen Statistiktricks über den volksfeindlichen Charakter ihrer gesamten Politik hinwegzutäuschen, ist ebenfalls zweifelhaft. "Beleben" könnte und sollte das jedoch die Montagsdemos, die gewerkschaftlichen Kämpfe und die länderübergreifenden Massenproteste - einen französischen Frühling eben.

Klaus Wallmann sen.

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