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Leserbrief an rz:
Warum die Rente ab 67 im Kern "gerecht" ist

Karl-Heinz Lux || Datum: 09.03.2006

Leserbrief an rz:
Warum die Rente ab 67 im Kern "gerecht" ist

Als "höchst ungerecht" bezeichnete der SPD - "Renten - und Gesundheitsexperte" Lauterbach das Rentensystem, da Geringverdiener kaum einen Nutzen daraus hätten. Seinen Angaben zufolge sterben 40 Prozent der Menschen mit einem Jahreseinkommen unter 30.000 Euro vor dem 65. Lebensjahr, haben zwar in ihrem Arbeitsleben fleißig Rentenbeiträge abgeführt, beziehen aber nie Rente. Wer hingegen mehr als 60.000 Euro - also 5.000 Euro im Monat - verdient habe, könne im Durchschnitt 20 Jahre Rente beziehen.

Die "Zeit" kommentiert die Heraufsetzung des Renteneintrittsalter auf 67: "Besserverdienende leben länger, sie werden seltener krank und seltener arbeitslos als Geringverdiener. Deshalb bekämen Qualifizierte einen Rentenmalus, aber dafür einen Gesundheitsbonus".
Die "Zeit" beschreibt: "Es wird mehr 70-Jährige geben, die dank guter Ernährung, Bildung und medizinischer Versorgung wie 50 aussehen". Und sie stellt weiter fest, dass "doppelt so viele Geringverdiener als Gutverdiener das Rentenalter gar nicht erreichen, weil sie vorher sterben."

Folglich die neue "Gerechtigkeits"-Logik:
Wer schon als "Besserverdienender" länger lebt und gesünder ist, und mit 70 noch aussieht wie 50, soll auch erst mit 67 Jahren in Rente gehen dürfen. Den "Geringverdienern" sollte logischerweise die Erhöhung des Renteneintrittsalter schnuppe sein: 40 Prozent der "Geringverdiener" sterben sowieso vor dem 65. Lebensjahr ...

Und wir dürfen nicht vergessen:
Die Regierenden mit ihrer unermüdlichen Ulla Schmidt sind schon seit Jahren kontinuierlich und flankierend im Bereich "Gesundheit" Stück für Stück mühsam in harter Reformarbeit dabei, durch die Verteuerungen, Verringerungen und Einschränkungen der Leistungen die Gesundheit der "Geringverdiener" so zu steuern, dass immer größere Anteile als die bislang 40 Prozent von ihnen das neue Rentenalter mit 67 erst gar nicht erreichen, also "gerechterweise" nicht mehr davon betroffen werden.

Und die deutsche "Wirtschaft" sorgt erfolgreich, falls die Statistiken in diesem Fall stimmen, für zusätzliche "Gerechtigkeit", indem sie den Druck auf die "Geringverdiener" so erhöht, dass sie sich auch bei Krankheit zur Arbeit schleppen, die "Krankenquote minimieren" und so ihre Lebenserwartung verkürzen, damit sie von der Heraufsetzung des Rentenalters auf 67 nicht mehr betroffen werden.

Deshalb will "Glück auf"-Müntefering jetzt erst gar nicht über Sonderregelungen zum vorzeitigen Rentenbezug nachdenken und fordert Disziplin in seinem Partei- und Fraktionsladen: Man muss endlich mal "unbeirrt", "besonnen" und "gelassen" abwarten, wie alles wirkt. Ständiges Zweifeln und Diskutieren verwirrt nur, verunsichert die Bürger und schafft kein Vertrauen ...

Karl-Heinz Lux

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