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Wer profitiert vom Anschlag auf eine irakische Moschee?

Klaus Wallmann sen. || Datum: 26.02.2006

Wer profitiert vom Anschlag auf eine irakische Moschee?

Der Anschlag auf die 300 Jahre alte Askarijeh-Moschee in Samarra, ein bedeutendes Heiligtum der Schiiten, löste unter den einfachen Irakern große Empörung aus. Reaktionäre Kräfte riefen sofort zur "Rache an den Sunniten" auf, und auch unsere bürgerlichen Medien södern von "religiösem Haß" und der angeblichen Unfähigkeit der Nationalitäten und Religionsgruppen, friedlich zusammen zu leben. Doch diese Art von einseitiger "Ursachenforschung" stammt aus dem Mittelalter und ist reine Scholastik.

Denn bewußt wird dabei ausgeblendet, daß z.B. die Arbeiterkämpfe im Irak in den letzten Monaten deutlich zugenommen haben.
So gründeten Ende Januar sechs Gewerkschaftsverbände, darunter zwei kurdische, ein ständiges Koordinationskomitee zum Kampf gegen die "Diktate von Weltbank und IWF". Am 12.02. demonstrierten Arbeiter von Maschinenbau-Fabriken in Bagdad vor dem Industrieministerium für bessere Lebensbedingungen und die Wiedereröffnung geschlossener Fabriken. Erst am 21. Februar streikten die Erdölarbeiter in Basra für höhere Löhne und bessere Lebensbedingungen. Ausdrücklich richteten sie ihren Protest gegen die mit den US-Besatzern paktierende Regierung und das Ölministerium. Und daher ist es zumindest ein Indiz, wenn sich unter den bisher 130 bei Anschlägen und bewaffneten Auseinandersetzungen getöteten Menschen allein 47 Fabrikarbeiter befinden.

Einbeziehen muß man auch die Kriegsvorbereitungen der USA gegen Iran, denn in diesem Zusammenhang wäre ein geeintes irakisches Volk ein ernstes Hindernis für die US-amerikanischen Imperialisten. Sie sind es auch, die mit ihrer Politik gezielt die Widersprüche zwischen den Volksgruppen schüren, um genau diese Einheit zu verhindern. Auch die Spekulationen über die angeblichen iranischen Drahtzieher der aktuellen Terrorwelle, stammen aus dieser trüben Quelle.

Wie selbst die ARD-Tagesschau vom 23.02.2006 belegte, ist der Glaube an die offizielle Version der "sunnitischen Terroristen" unter den Irakern nicht weit verbreitet. "Das war ein verbrecherischer Akt, der uns auseinander bringen soll." - "Diese Aktion kann nur von außen gesteuert worden sein." - "Erst besetzen sie [die US-Besatzer - K.W.] unser Land, dann manipulieren sie unsere Regierung, bis so etwas Schreckliches passiert. Sie kümmern sich überhaupt nicht um das, was uns wichtig ist, um unsere Sicherheit."

Auch wenn religiöse Würdenträger wie Ayatolla Al Sistani als Reaktion auf den Anschlag eben nicht zum "Haß", sondern zum "Frieden mit Andersgläubigen" aufrufen, und selbst der sogenannte "radikale Schiitenführer" Muktada al-Sadr laut "Süddeutscher Zeitung" mit seiner 12.000-Mann-Widerstandsarmee jetzt sunnitische Moscheen schützt, so sollte das zu denken geben, denn dies paßt so garnicht zu dem, was sich die "freie" Presse so zusammenreimt.

Die in Dänemark lebende Exil-Irakerin Faize Pachachi, die eng mit der Widerstandsorganisation "Irakische Patriotische Front" verbunden ist, erklärte am 24.02.2006 gegenüber "rote fahne news": "Wir sind sicher, dass der Anschlag nicht von Sunniten verübt wurde. Es ist eine dritte Seite, die Krieg zwischen den verschiedenen Teilen des irakischen Volkes herbeisehnt, die diesen Krieg will. Das schafft uns große Probleme. Der Sender Al Dschasira erklärte, dass Komplizen des Innenministerium der US-hörigen Regierung den Angriff auf die Moschee mit ihrer Todesschwadron verübten. (...) Wir, die Iraker, sind vereint. Sie, die USA und ihre Helfer, versuchen uns zu spalten und einen Bürgerkrieg zu entfachen. Aber das wird ihnen nicht gelingen."

An diesem Beispiel wird wiedereinmal deutlich, daß es oft wenig nützt, nach dem "Wer" zu fragen und sich in sinnlosen Spekulationen zu ergehen, die noch dazu von bürgerlichen Medien vorgegeben werden. Die Frage "Wem nützt es?" bringt einen meist weiter, wobei sich die Frage nach dem Täter gewöhnlich en passant beantwortet. Jeder Kriminalist wird mir Recht geben.

Klaus Wallmann sen.

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