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Leserbrief zu den Arbeitslosenzahlen vom Januar

Klaus Wallmann sen. || Datum: 02.02.2006

Leserbrief zu den Arbeitslosenzahlen vom Januar

Bereits Anfang Januar schrieb ich in einem Leserbrief an die "Freie Presse" (natürlich nicht für das FP-Leserforum geeignet), daß das Ausmaß der offiziellen Arbeitslosenzahlen manipuliert wurde, indem die Zahlen schon für den 20. des Monats abgerechnet wurden. Diese statistische Schönfärberei mußte sich im Januar wieder ausgleichen, und der Sprung von 408.000 Arbeitslosen mehr als im Dezember beweist dies zur Genüge.

Leserbrief zu den Arbeitslosenzahlen vom Dezember

Zugleich entlarvt der erneute Sprung über die 5-Millionen-Marke das Gesödere von der "Trendwende" und der "Besserung" auf dem Arbeitsmarkt unter einer Kanzlerin Merkel als Lüge.

Bundesagentur-Chef Weise versucht den bestellten Optimismus dennoch aufrechtzuerhalten. Die Situation habe sich leider nur wesentlich ungünstiger entwickelt als erwartet und sei für diese Jahreszeit nicht üblich. Nun ist es völlig üblich, daß es im Winter kalt werden kann und daß die Baubranche dann pausiert. Für Herrn Weise ist dies in diesem Jahr etwas ganz Besonderes. Wenn er feststellt, daß sich die Auswirkungen des Kälteeinbruchs in den Januar hinein verlagert haben, so entsteht der Eindruck, daß die Bundesagentur diesen Kälteeinbruch wohl für den November oder Dezember vorgesehen hatte, also in den Monaten, wo die statistische Berechnung umgestellt wurde. Doch der Weise denkt und Gott lenkt.
Darüberhinaus ist die Kälte nicht die Hauptursache für die Arbeitslosigkeit am Bau. Da das Orwellsche Wahrheitsministerium noch nicht existiert, konnte man sogar in der "Freie Presse" lesen, daß die Baubranche 2006 weitere 20.000 Arbeitsplätze vernichten will. Damit hat sich dann die Zahl der am Bau Beschäftigten innerhalb von zehn Jahren auf 717.000 halbiert.

Der andere Sonderfaktor, so Optimist Weise, sei die Tatsache, daß sich überdurchschnittlich viele Ältere arbeitslos gemeldet haben, weil ab Februar die Bezugsdauer beim Arbeitslosengeld I für die über 45jährigen von 32 auf 12 Monate verkürzt werden soll. Alle bürgerlichen Medien benutzen bei der Schilderung dieses Fakts demagogische Wendungen wie: "damit sie noch von der alten Regelung profitieren" oder: "damit sie noch in den Genuß der alten Regelung kommen". Während es bei Herrn Weise so klingt, als ob diese Älteren freiwillig in die Arbeitslosigkeit gehen, nur um zwanzig Monate länger das Arbeitlosengeld I zu erhalten, suggerieren die bürgerlichen Medien, daß dies auch noch ein Genuß wäre und den Arbeitslosen Profit brächte. Doch den Profit haben ganz andere.

"Ein deutsches Jobwunder steht definitiv nicht bevor", sagte selbst Volkswirt Andreas Rees von der HypoVereinsbank in München, und BA-Vize Alt geht davon aus, daß die Erwerbslosenzahl im Februar noch einmal ansteigen werde. BA-Chef Weise kann seine zweckoptimistischen Prognosen also in den Mülleimer treten.

Die täglichen Meldungen über die massenhafte Vernichtung von Arbeitsplätzen vor allem in den Großkonzernen bleiben den Menschen nicht verborgen, woher sollen also neue Arbeitsplätze kommen? Hauptursache für die Zunahme der Massenarbeitslosigkeit ist nicht die Kälte oder die Hitze, und auch nicht die Genußsüchtigkeit und Profitgier der sich freiwillig in die Arbeitslosigkeit Begebenden, sondern die gerade stattfindende Ausbeutungsoffensive der Kapitalisten in den Betrieben. Vor allem die von den Monopolen verlangten Arbeitszeitverlängerungen tragen zur Steigerung der Arbeitslosigkeit bei. Unter diesem Aspekt gewinnt die Tarifauseinandersetzung im Öffentlichen Dienst und die Streikvorbereitung der Gewerkschaft ver.di höchste Bedeutung und verdient unsere volle Unterstützung, auch wenn das manchmal zu Problemchen führt, von denen man persönlich betroffen ist.

Die AEG-Kollegen in Nürnberg streiken seit dem 20.01. um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Diese Zielsetzung ist die einzig richtige, und deshalb muß der Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz sowie für die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich auf die politische Tagesordnung. Denn das ist das beste Arbeitsplatzbeschaffungsprogramm.

Klaus Wallmann sen.

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