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Verhandlungen und psychologische Kriegsvorbereitung
Leserbrief zur Auseinandersetzung um den Iran

Klaus Wallmann sen. || Datum: 23.12.2005

Verhandlungen und psychologische Kriegsvorbereitung
Leserbrief zur Auseinandersetzung um den Iran

Im August 2005 nahm der Iran in der Atomanlage Isfahan die Umwandlung von Uran - eine Vorstufe der Urananreicherung - wieder auf. Das war der Grund, daß die Verhandlungen zwischen dem Iran und Vertretern Deutschlands, Frankreichs sowie Großbritanniens abgebrochen wurden.

Seitdem wirft man dem Iran vor, damit die Voraussetzungen zum Bau von Atombomben schaffen zu wollen, was die iranische Regierung immer bestritt. US-amerikanische und europäische Politiker wollen den Iran zwingen, sein Programm zur Anreicherung von Uran vollständig aufzugeben. Der iranische Außenminister Mottaki erklärte am 21.12.05 noch einmal, daß sein Land auf seinem Recht, im eigenen Land Uran anzureichern, bestehe. Er warnte die EU, keine "exorbitanten Forderungen" an den Iran zu stellen.

In der vorigen Woche nutzten bürgerliche Politiker weltweit die antisemitischen Äußerungen des iranischen Präsidenten Ahmadinejad, um die Stimmung gegen den Iran weiter zu schüren. Während US-Präsident Bush das Land erneut als Teil der "Achse des Bösen" und als "wirkliche Bedrohung" diffamierte, gab unser allwissender Auslands-Geheimdienstes BND bekannt, daß sich die iranische Regierung angeblich Raketen von den Nordkoreanern beschafft habe, in deren Reichweite unsere Hauptstadt Berlin liegt. (Ist schon interessant, zu beobachten, in welchen Fällen unsere Geheimdienste etwas wissen, und in welchen sie sich vollkommen ahnungslos geben.) Auch von Seiten israelischer Politiker und Militärstrategen wurde am weiteren Aufbau einer militärische Drohkulisse gegen den Iran gebastelt und schon mal mit einem Angriff auf die iranischen Nuklearanlagen gedroht.

Anfang der 70er Jahre plante der Schah den Bau von 27 Atomreaktoren im Iran. Damals hatten die US-Amerikaner kein Problem damit, im Gegenteil: die USA planten sogar, Iran zum Zentrum der Urananreicherung für die Versorgung des gesamten zukünftigen Bedarfs der Region zu machen. In diese Zeit fiel auch die Unterzeichnung des Vertrages zum Bau der Atomanlage in Buschehr durch die BRD. Frankreich begann die Forschungsanlage in Isfahan zu bauen.
Dreißig Jahre später nehmen genau die Länder der "freien Welt", die den Iran einst tatkräftig beim Bau der Atomanlagen unterstützten, das Land unter ideologischen Beschuß. Die Möglichkeit Atomwaffen zu bauen, hatte der Iran dreißig Jahre lang - daß sie heute als "Begründung" für das Verbot des iranischen Atomprogramms herhalten muß, zeigt nur, daß diese Begründung ein Vorwand ist.

Die Auseinandersetzung um die Atomanlagen sind unübersehbar Teil der Bestrebungen der Imperialisten - sowohl der amerikanischen wie der europäischen -, diese Region des Nahen Ostens mit ihren enormen Erdölreserven unter die Kontrolle der multinationalen Konzerne zu bringen. Außerdem geht es den USA und der EU darum, zu bestimmen, wer in den Besitz von Atomwaffen kommen darf und wer nicht.

Am 21.12. begannen nun wieder Gesprächen zwischen dem Iran und Vertretern Deutschlands, Frankreichs sowie Großbritanniens über die Wiederaufnahme ihrer Verhandlungen zum iranischen Atomprogramm. Die führenden EU-Länder beteuern, alle Möglichkeiten zu Verhandlungen "ausschöpfen" zu wollen. Die iranische Regierung hat inzwischen den Vorschlag unterbreitet, die von ihm angestrebte Urananreicherung künftig im eigenen Land mit internationaler Beteiligung vorzunehmen.

Egal, was bei diesen "Verhandlungen" herauskommt: Die einzige Lösung ist der gemeinsame Kampf aller fortschrittlichen Menschen für die Ächtung und Vernichtung aller ABC-Waffen. Das geht nur in einem weltweiten Kampf gegen alle imperialistischen Kräfte und alle reaktionären Regimes.

Klaus Wallmann sen.

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