rz-Logo

Hunderte Tote bei Pipeline-Explosion in Nigeria – verantwortlich sind die internationalen Ölmonopole!

rf news online || Datum: 28.12.2006

Hunderte Tote bei Pipeline-Explosion in Nigeria – verantwortlich sind die internationalen Ölmonopole!

Schon wieder hat eine verheerende Pipeline-Explosion in der nigerianischen Millionenstadt Lagos mehrere Hundert Menschen das Leben gekostet. Viele waren bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Der Unglücksort in Abule Egba, einem dicht besiedelten Armenviertel von Lagos, bot einen entsetzlichen Anblick. Ausgelöst wurde die Explosion durch Benzindiebe, die die Leitung um Öl für den Eigengebrauch oder den Verkauf auf dem Schwarzmarkt angezapft hatten. Vom Erlös eines Kanisters kann eine Familie zwei Wochen leben. Nigeria ist zwar der größte Ölproduzent Afrikas und der drittgrößte Ölproduzent der OPEC (Organisation der erdölexportierenden Länder). Dennoch lebt ein Großteil der 130 Millionen Einwohner in bitterer Armut. Zwei Drittel der nigerianischen Bevölkerung haben weniger als einen US-Dollar zum Leben am Tag.

Die internationalen Erdölkonzerne, allen voran Shell, plündern das Land aus. Shell fördert rund die Hälfte des nigerianischen Öls. Die staatlichen OPEC-Gesellschaften sind fest an der Kandare der Öl-Monopole durch Lizenzverträge, die zwischen 50 und 75 Prozent Anteile am Bau der Förderanlagen und der Förderung sichern. Vom Bohrloch bis zur Zapfsäule haben Monopole wie Shell mit Tausenden von Tankstellen in über hundert Ländern die Hand auf dem Öl und vor allem auf dem Preis. In Zusammenarbeit mit der korrupten Regierung steigert Shell in Nigeria die Benzinpreise jährlich um jeweils 20 bis 50 Prozent, während u.a. die Löhne der Arbeiter auf den Förderfeldern ständig gesenkt werden. Eine künstliche Verknappung führt immer wieder zu Versorgungsengpässen im Land. Erst in den vergangenen Tagen stellten sich die Menschen erneut stundenlang vor Tankstellen an. Im ölreichen Nigeria herrscht seit Wochen Benzinmangel. "Wie kann es sein, dass die Menschen so arm sind, dass sie ihr Leben für eine Kleinigkeit riskieren?", fragt der Hochschullehrer Bode Kuforiji nach einem Bericht des "Hamburger Abendblatt", "aber nach Amerika fahren jeden Tag Schiffe voller Öl."

Dabei geht es durchaus auch anders: dafür steht Venezuela, ein an Erdöl und anderen Rohstoffen ähnlich reiches Land wie Nigeria. Dort können die internationalen Ölmonopole nicht einfach schalten und walten wie sie wollen. Die Regierung unter dem Präsidenten Hugo Chavez macht eine Politik gegen den US-Imperialismus und kann die reichen Rohstoffvorkommen für eine fortschrittliche Sozialpolitik nutzen.

Die Öl-Konzerne scheuen in ihrem Kampf um die Vorherrschaft auf dem Weltmarkt kein Umweltverbrechen. Weil die bisher bekannten, leicht auszubeutenden Vorkommen ihren Höhepunkt überschritten haben, rücken sie mit der zerstörerischen Ölförderung und ihren Pipelines in immer empfindlichere Zonen vor, wie den Regenwald und den Meeresboden, aber auch in Gebiete unmittelbar in der Nähe von Großstädten wie Lagos. In Nigeria kommt es seit Jahren zu Massenstreiks und Volksaufständen gegen die Ausplünderung durch die Öl-Konzerne und die von ihnen abhängige Regierung. Millionen streikten in den letzten fünf Jahren gegen die Benzinpreiserhöhungen. Im Nigerdelta in Nigeria kämpft die Bewegung "Movement for the Emancipation of the Niger Delta" (Mend) für bessere Lebensverhältnisse. Angriffe auf die Erdölanlagen führten in den letzten Monaten zu Einbrüchen in der Ölproduktion von 20 Prozent. Mend fordert von Shell 1,5 Mrd. Dollar Schadenersatz für die Umweltzerstörung im Niger-Delta.

Die Trauer über die Opfer dieser Katastrophe und die Wut über die Ausplünderung Nigerias durch die internationalen Öl-Konzerne werden diesen Widerstand verstärken und den weiteren Zusammenschluss der antiimperialistischen Kämpfe überall auf der Welt fördern.

Quelle: rf news online, 27.12.2006

Zurück Ihre Meinung ist gefragt. Zum Anfang