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Internationales Energiebündnis statt Kernkraft

Klaus Wallmann sen. || Datum: 23.12.2006

Internationales Energiebündnis statt Kernkraft

Nach RWE hat nun auch der Energiekonzern EnBW eine Laufzeitverlängerung für das zu den vier ältesten deutschen Atommeilern gehörende Neckarwestheim I beantragt. Nicht wie bisher geplant 2009, sondern erst 2017 möchte man es stillegen. "Begründet" wird der Antrag von Vorstandschef Claassen mit einer angeblich "höheren Sicherheit" der beiden Reaktorblöcke und einer dadurch möglichen "Verringerung des CO2-Ausstoßes". Und falls diese "Begründung" nicht ausreicht, um die Bundesregierung diesem Antrag auf Profitmaximierung geneigt zu stimmen, versprach man ihr eine zweistellige Millionensumme als "Gewinnbeteiligung". "Wer dem klammen Staat Millionen an Gewinnbeteiligung verspricht, um damit in die gesetzlich geregelte AKW-Laufzeit einzugreifen, betreibt nichts anderes als Bestechung", so die Meinung der Atomkraftgegner zu diesem "unmoralischen Angebot". (sh. rz-Kurznachrichten vom 19.12.2006)

Beteuerte die meck-pommsche Pastorstochter, z.Z. Bundeskanzlerin, nach dem "Energiegipfel" im Oktober noch, daß es mit ihrer Großen Koalition "keinen Ausstieg aus dem Atomausstieg" geben würde, plädiert ihre Parteifreundin und stellvertretende Unions-Fraktionschefin Katherina Reiche inzwischen für den Antrag, weil sonst - angeblich - Deutschlands Ziele zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes nicht erreicht werden könnten.

(Zur CO2-Belastung durch Atomkraftwerke sh.: RWE will AKW Biblis weiterbetreiben - Leserbrief zur Nachricht "Empörung über Stromkonzerne", FP 28.09.2006, S.5)

Tatsächlich geht es um Profitmaximierung, was der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Ulrich Kelber, auch deutlich auspricht: "Jeder Tag, den ein abgeschriebenes Atomkraftwerk länger am Netz bleibt, bringt den Betreibern Millionengewinne. Die Zeche zahlen alle anderen." Auf einen ebenso wichtigen und plausiblen Aspekt weist der parlamentarische Staatssekretär im Bundesumweltministerium, Michael Müller hin. Er geht davon aus, daß die Energiemonopole "mit allen Mitteln eine Laufzeitverlängerung über das Ende der Legislaturperiode hinweg" erreichen wollen, arbeiten sie doch schon jetzt darauf hin, daß spätestens dann der sogenannte "Atomkonsens" vollständig gekippt wird.

Daß Deutschlands Ziele zur Reduzierung des Kohlendioxid-Ausstoßes auch ohne Atomkraft erreicht und sogar übertroffen werden können, daß beweist eine Studie, die - man beachte - im Auftrag der Bundesregierung durchgeführt wurde. Diese belegt detailliert, wie Europa mit solarthermisch erzeugtem Strom seine Stromversorgung so ergänzen kann, daß die derzeitigen CO2-Emissionen bis 2050 um 70 Prozent sinken. Der Schlüssel zu dieser Revolution in der Stromversorgung ist eine Kooperation Europas mit den Ländern Nord-Afrikas und des Nahen Ostens.

In einer Presseerklärung der TREC ("Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation") heißt es dazu:
"In jedem Jahr fällt auf jeden Quadratkilometer der Wüsten eine Menge an solarer Energie, die 1,5 Millionen Barrel Öl entspricht. Multipliziert mit der Fläche aller sonnigen Wüsten weltweit (etwa 35 Millionen Quadratkilometer), entspricht dies nahezu 1.000fach dem gesamten Energiekonsum der Welt", erklärt Dr. Franz Trieb, Projektmanager der Studien "TRANS-CSP" und "MED-CSP".

"Mit der Hilfe von Spiegeln können wir das Sonnenlicht bündeln und Hitze erzeugen. Diese Hitze kann genutzt werden, um Dampf für eine konventionelle Stromturbine zu erzeugen. Diese Art der Solarthermischen Kraftwerke - die sich stark von der besser bekannten Photovoltaik unterscheiden - produzieren in Kalifornien bereits seit rund 20 Jahren Strom."

"Die Kosten für solarthermisch erzeugte Energie von der Menge eines Barrels Öl, beläuft sich schon jetzt auf etwa 50 US-Dollar (bereits weniger, als der derzeitige Ölpreis) und kann in den nächsten Jahrzehnten auf etwa 20 US-Dollar sinken."

"Es ist absolut möglich und kosteneffektiv, Solarstrom über weite Distanzen zu transportieren. Mit moderner Hochspannungs-Gleichstromübertragung (HGÜ), verliert man lediglich 3 Prozent je 1000 km. So kann in Nordafrika das Zwei- bis Dreifache der Solarenergie gewonnen werden wie mit den gleichen Anlagen in Mitteleuropa, und die Verluste betragen beim Transport lediglich 10-15 Prozent."

Eine Weiterführung der Kernkraftwerke wäre damit genauso überflüssig, wie der Ausbau von Kohlekraftwerken.

Klaus Wallmann sen.

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