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Indonesien: Seifenoper gegen Schlammlawine

Klaus Wallmann sen. || Datum: 18.12.2006

Indonesien: Seifenoper gegen Schlammlawine

Im Mai verursachte der indonesische Bergbaukonzern PT Lapindo Brantas bei einer Bohrung nach Erdgas und -öl einen Unfall, der eine unter Druck stehende Schlammblase zum Platzen brachte. Ein Teil Ost-Javas wurde unter dem heißen, giftigen Morast begraben, 12.000 Menschen wurden obdach- und heimatlos.

Wie kann man so einer giftigen Schlammlawine etwas Positives abgewinnen?

Nun, indem man z.B. eine 13-teilige Seifenoper sponsort. Die Firma Lapindo bezahlte für jede Folge der Serie "Gali Lubang, Tutup Lubang" ("Ein Loch graben und zuschütten") - eine Liebesgeschichte rund um die von der Schlammkatastrophe betroffenen obdachlosen Flüchtlinge - 3.300 Dollar. So die Information des indonesischen Fernsehsenders JTV in Surabaya. "Wir wollten eine ergreifende, wahre Geschichte bringen", so der JTV Produzent Awi Setiawan.

Am 22. November gab es die nächste Hiobsbotschaft. Nach der Explosion einer Gaspipeline brach ein Damm, der zum Schutz vor der Schlammlawine errichtet worden war. 11 Menschen fanden den Tod. Ein neues Loch, das die Firma Lapindo - ein Firmenkonglomerat im Besitz der Familie des einflußreichen Ministers für Soziales, Aburizal Bakrie - nun "zuschütten" muß. Doch dazu scheint sie wenig Lust zu haben.

In den letzten Wochen hat der Mutterkonzern PT Energi Mega Persada - in das auch ein australisches Unternehmen und der Schweizer Bankenkonzern UBS verflochten ist - versucht, Lapindo für den stolzen Preis von 2 Dollar an eine andere Bakri-Tochtergesellschaft bzw. an die Investment-Firma Freehold Group mit Sitz auf den britischen Virgin Islands zu verkaufen. Beide Versuche schlugen fehl. Der letzte auch wegen des öffentlichen Protests. Viele Indonesier befüchteten - sicherlich zu Recht - daß ein neuer Besitzer Lapindo für bankrott erklärt hätte. Und daß dann die indonesische Regierung - und damit das Volk - die geschätzten Kosten der Katastrophe, die eine Umweltgruppe bereits auf 3,6 Milliarden Dollar schätzt, bezahlen darf.

Ob Lapindo nun eine neue Seifenoper finanzieren will, ist nicht bekannt.

Klaus Wallmann sen.

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