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Indien: Über fünf Millionen im Generalstreik

rf news online || Datum: 16.12.2006

Indien: Über fünf Millionen im Generalstreik

Am 14. Dezember fand in Indien ein landesweiter 24-stündiger Generalstreik statt. 56 Gewerkschaften und Verbände hatten unter der Federführung von AITUC (Allindischer Gewerkschaftskongress) und CITU (Zentrum der indischen Gewerkschaften) dazu aufgerufen. Beide Gewerkschaften sind führend in den öffentlichen Sektoren wie Banken, Verwaltungen, Versicherungen, Bahn, Häfen, Luftverkehr, Verteidigung, Post, Erdöl, Kohle und Telekommunikation. Sie sind mit den beiden linken Parteien CPI (Kommunistische Partei Indiens) und CPI(M) (Kommunistische Partei Indiens [Marxisten]) verbunden, die zugleich in Kerala und Westbengalen die Regierung stellen. Zu dem Generalstreik hatten auch andere, an revolutionären und marxistischen-leninistischen Parteien orientierte Gewerkschaften wie die TUCI (Gewerkschaftszentrum Indiens) und die IFTU (Indische Föderation der Gewerkschaften) aufgerufen. TUCI arbeitet mit der CPI(ML) Kanu Sanyal zusammen, IFTU mit der CPI(ML) New Democracy.

In einem Bericht der CPI(ML) Kanu Sanyal vom 15. Dezember heißt es: "Der gestrige Generalstreik gegen die Privatisierung, gegen das System der Vertragsarbeit, gegen die Verschlechterung verschiedener Arbeitsgesetze unter der Maßgabe der Liberalisierung, gegen die Preissteigerung und verschiedene andere Maßnahmen der Regierung im Zuge der Globalisierung war ein überwältigender Erfolg. Staaten wie West-Bengalen, Kerala und Tripura waren vollständig lahmgelegt und das normale Leben kam zum Erliegen. Bereiche wie Banken, Versicherungen, Hafenanlagen, Bergwerke und staatliche Behörden wurden vollständig bestreikt. Erste Schätzungen ergeben, dass rund fünf Millionen Arbeiter sich landesweit an dem Streik beteiligten."

Mit dem Streik wurden Banken, Versicherungen und öffentlicher Dienst auch in wichtigen Zentren der internationalen Monopole wie Bangalore, Chennai oder Hyderabad lahmgelegt. Der Hafen von Chennai wurde bestreikt. In Andrah Pradesh wurden zahlreiche Bergwerke der SCCL und in Chattisgarh der BCCL bestreikt. In Tamil Nadu fanden Straßenblockaden in über 200 Städten statt und über 75.000 Beteiligte wurden verhaftet. In Mumbai wurde die Hauptlinie des Bahnverkehrs blockiert. In Delhi führten 800 Flughafenangestellte eine Protestversammlung gegen die Privatisierung des Flughafens durch. Aus Karnataka wird von der CITU berichtet, dass sich Industriearbeiter zu hundert Prozent und die Regierungsangestellten zu 85 Prozent beteiligten.

Der Generalstreik setzt eine Reihe einzelner Kämpfe gegen die Folgen der Neuorganisation der internationalen Produktion fort, die sich zunehmend auch direkt gegen die internationalen Monopole richten. Diese haben inzwischen Indien zum Konzentrationspunkt ihrer Direktinvestitionen gewählt, weil dort die Arbeitskosten um die Hälfte niedriger sind als in China. In den Zentren Pune/Mumbai, Bangalore, Chennai, Kolkata und Gorgaon/Delhi tummeln sich alle führenden Monopole aus Deutschland. Die Kämpfe richten sich dort gegen die gleichen Angriffe wie Flexibilisierung der Arbeitszeit, Ausgliederungen verbunden mit Lohnkürzungen und Entlassungen, Teilzeitarbeit, Leiharbeit und Tagelöhnerarbeit, die auch bei uns immer mehr zunehmen. In dem Bericht der CPI(ML) heißt es zur Bedeutung der Kämpfe:

"Die große Beteiligung an dem Streik zeigt, dass die Arbeiterklasse bereit ist, für ihre Rechte zu kämpfen und die Gelegenheit sucht, direkt gegen die Imperialisten zu kämpfen. Die Arbeiter fordern eine anhaltende Bewegung gegen die Globalisierung und ihre Folgen. Die Arbeiter suchen nach einer radikalen Veränderung des Systems, so dass der gesamten augenblicklichen gesellschaftlichen Entwicklung in eine Richtung, wo es den Arbeitern von Tag zu Tag schlechter geht, ein Ende gesetzt wird. Die Gewerkschaftsführung ruft im Moment nur zu sporadischen Aktionen wie Ein-Tages-Streiks mit langen Zwischenräumen ein paar Mal im Jahr auf. Solche Streiks erscheinen mehr wie ein Ventil für die Arbeiterklasse, um Druck abzulassen. Doch der gesamte Streik war ein großer Erfolg aufgrund der großen Beteiligung der Arbeiter, die beweist, dass sie bereit sind, für ihre Rechte zu kämpfen."

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