rz-Logo

Zur "Kohlerunde" und zur Zukunft der Kumpel

Klaus Wallmann sen. || Datum: 15.12.2006

Zur "Kohlerunde" und zur Zukunft der Kumpel

Am 14.12. traf sich Herr Glos (CSU), z.Z. Bundeswirtschaftsminister, mit den Vertretern der Länder Nordrhein-Westfalen und Saarland, des RAG-Konzerns und der Gewerkschaft IGBCE. Angeblich, um in dieser "Kohlerunde" über die "Zukunft" der Kohle zu reden, was am Vorabend bereits der Koalitionsausschuß von Union und SPD getan hatte. Bei beiden Treffen wurde die Entscheidung über ein geplantes "Ausstiegsmodell" vertagt, bei dem es einzig und allein darum geht, wann und wie sämtliche Zechen in Deutschland bis 2018 platt gemacht werden können.

Um den betroffenen Kumpels nicht gerade in der besinnlichen Vorweihnachtszeit verkünden zu müssen, daß "Schicht im Schacht" sei, brachten die Sozialdemokraten einen sogenannten "Sockelbergbau" ins Spiel. Eine blanke Verkohlerei, denn der RAG-Vorstand hat bereits eindeutig bekundet, die Kohleproduktion in Deutschland zu beenden, um im Mai 2007 allein mit Chemie, Energie und Immobilien an die Börse zu gehen. Das sozialdemokratische Argument, mit dem "Sockelbergbau" werde eine eigenständige "nationale Energiebasis" bewahrt, ist ein Scheinargument. Und ihre Bergbau-Spitzentechnologie kann die RAG ebensogut in polnischen Zechen erproben, die Voraussetzungen dazu werden im Rahmen der globalisierten Wirtschaft gerade geschaffen.

Entgegen stehen dem auch die christlich-demokratisch-sozialen Politiker, die einen noch früheren Kohleausstieg fordern. Glaubt man dem scheinsozialen Herrn Rüttgers, z.Z. NRW-Ministerpräsident, so haben sich die Verkohler bereits auf ein "Erneuerungsprogramm" für die Bergbau-Regionen geeinigt, das den Kohleausstieg "flankieren" soll. Um dessen konkrete Ausgestaltung findet nun ein heftiges Tauziehen in Berlin statt. Dies wird nicht allzu lange anhalten, denn die RAG drängt. Spätestens Ende Januar muß alles in trockenen Tüchern sein, denn sonst gerät der Zeitplan für ihren Börsengang ins Wanken. Und um an der Börse hohe Gewinne einzufahren, muß sie die Zechenstillegungen beschleunigen.

Die Diskussion um den "Sockelbergbau" dient also lediglich der Ruhigstellung der Kumpel. Gibt es für sie eine andere Alternative als den entschlossenen Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz? Ich denke nicht. Daß sie es können, das haben sie 1997 bewiesen, als sie mit der Besetzung der Autobahnen und der Belagerung der Regierung in Bonn in die Offensive gingen. Wollen sie für sich und ihre Familien eine lebenswerte Zukunft, so dürfen sie sich nicht verkohlen lassen, und müssen offensiv auch gegen dieses volksfeindliche Regierungsprogramm zusammenstehen. Keine weitere Zechenstillegung bevor nicht gleichwertige Ersatzarbeitsplätze geschaffen wurden, und die drastische Verkürzung der Arbeitszeit bei vollem Lohnausgleich - das sind die Forderungen des Tages.

Klaus Wallmann sen.

Zurück Ihre Meinung ist gefragt. Zum Anfang