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Mohammed Junus erhält Friedensnobelpreis
Erfolgskonzept zur "Bekämpfung der Armut"?

rf news online || Datum: 11.12.2006

Mohammed Junus erhält Friedensnobelpreis
Erfolgskonzept zur "Bekämpfung der Armut"?

In Oslo wurde am 10.12.06 der Friedensnobelpreis zu gleichen Teilen an die Grameen-Bank ("Bank auf dem Land") in Bangladesch und ihren Direktor Mohammed Junus vergeben. Junus, der sich gerne als "Banker der Armen" bezeichnen lässt, erhält den Preis für sein Konzept der Vergabe von Mikrokrediten (Kleinstkrediten) vorwiegend an Frauen der ländlichen Bevölkerung.

Die Vergabe des diesjährigen Friedensnobelpreises erfüllt viele Menschen in Bangladesch mit Stolz. Nicht nur weil dieser Preis zum ersten Mal an einen Vertreter ihres Landes geht, sondern auch deshalb, weil sie als eine Würdigung der armen Bevölkerung und ihres entbehrungsreichen Kampfs zur Überwindung der Armut empfunden wird. Junus´ Geschaftsidee funktioniert nur, weil sie auf den proletarischen Ehrgeiz der arbeitenden Menschen setzt, die Kredite mit größtem Arbeitseinsatz und der Mobilisierung ihrer ganzen Schöpferkraft wieder zurück zu zahlen.

Für die Vergabe der Kredite in Höhe von umgerechnet 20 bis 40 Euro wird zur Bedingung gemacht, dass mindestens fünf Frauen eine Gruppe bilden. Zwei von ihnen erhalten den ersten Kredit in Höhe von 20 bis 40 Euro. Werden von ihnen wöchentlich zwei Prozent der Kreditsumme zurückgezahlt, erhalten sechs Woche später nach und nach die nächsten aus der Gruppe ihren Kredit. Eine weitere Bedingung besteht darin, dass das Geld nicht für den Kauf von Gebrauchsartikeln wie Radio oder Fernseher benutzt werden darf. Nicht wenige Menschen konnten sich durch die Anschaffung von Vieh, den Kauf von Bewässerungspumpen bzw. Transportmitteln oder die Aufnahme von Kleinhandel zumindest zeitweilig eine bescheidene Existenz aufbauen.

Heute besitzt die Grameen-Bank 2.259 Filialen mit 18.795 Beschäftigten, die 6,7 Millionen Kreditnehmer in 72.833 Dörfern verwalten. Das Mikrokreditkonzept wird von über 1.000 NGO's (Nichtregierungs-Organisationen) in Bangladesch nachgeahmt und findet in über 60 Ländern der Erde Anwendung.

Nüchtern betrachtet wurde dadurch jedoch weder die wachsende Armut beseitigt noch hat sich Geschäftsidee als so uneigennützig erwiesen, wie sie ihr Initiator gerne darstellt. Mohammed Junus, der 1976 die ersten Kredite aus seinem Privatvermögen vergeben hatte, ist heute Manager von 22 Großunternehmen in Bangladesch, unter anderem von Grameen-Phone als größtem Telekommunikationsanbieter des Landes. Im Jahr 2005 wies die Grameen-Bank einen offiziellen Gewinn von 15 Millionen Dollar aus.

Dazu werden teilweise auch skrupellose Methoden eingesetzt, indem Wucherzinsen von nominal bis zu 20 Prozent und real 22 bis 28 Prozent aus den armen Kreditnehmern herausgepresst werden. Millionen stürzten in die Verschuldungsfalle mit Umschuldungen und immer höheren Zinssätzen, wenn das Vieh starb, Missernten oder Überschwemmungen eintraten oder sie durch die Konkurrenz der größeren Händler ruiniert wurden. Junus' Anspruch, mit den Mikrokrediten die "Armut ins Museum" der Geschichte zu verbannen, hat sich als Illusion erwiesen.

Um die "Armut ins Museum" der Geschichte zu verdammen, muss das System der auf Maximalprofit ausgerichteten kapitalistischen Produktionsweise abgeschafft und eine sozialistische Gesellschaft erkämpft werden. Einen Grundstein dafür legen die knapp zwei Millionen Arbeiterinnen in den Textilfabriken Bangladeschs, die mit Massenstreiks und Aufständen um ihre Zukunft kämpfen.

Quelle: rf news online, 10.12.2006

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