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Großkoalitionäre Lohnerhöhungsdebatte

Klaus Wallmann sen. || Datum: 08.12.2006

Großkoalitionäre Lohnerhöhungsdebatte

In einer Umfrage der IG Metall Küste hat eine große Zahl von Kollegen mehr als acht Prozent mehr Lohn gefordert. Die Vertrauensleute der IGBCE der Region Hochrhein treten u.a. für eine Lohnerhöhung von 192 Euro für alle Beschäftigten ein.

Es sieht so aus, als würden die Kollegen dem alte Märchen "Lohnzurückhaltung sichert Arbeitsplätze" immer weniger Glauben schenken. Recht haben sie, denn dieses Märchen wird auch nicht dadurch wahrer, nur weil BDA-Chef Hundt es ständig wiederholt. Denn in Wirklichkeit sanken die Nettoreallöhne von 1994 bis 2005 um 4,3 Prozent, während in der gleichen Zeit die Arbeitslosigkeit um den zehnfachen Prozentsatz von 3,419 auf 4,890 Millionen stieg.

Die Massenkaufkraft ist derweil auf den Stand von vor 15 Jahren gesunken, die Löcher in den Haushaltskassen der Familien werden aufgrund ständiger Preiserhöhungen für Gas, Strom und vielem mehr immer größer.
Und das, obwohl die Kollegen in der Industrie heute mehr denn je leisten. Ihre Produktivität stieg innerhalb der letzten zehn Jahre von 99,37 Euro Umsatz je Arbeitsstunde (1995) auf 162 Euro (2005).
Bei all dem kassiert die Regierung munter Steuern ab, und erhöht zum Jahresbeginn allein die Mehrwertsteuer um weitere drei Prozent. Es brodelt also nicht ohne Grund in den Betrieben. Immer mehr Menschen erkennen, daß es da noch einige Rechnungen gibt, die offen sind.

Das erkennen auch die Politiker der Großen Koalition. Um der offensichtlich zunehmenden Kampfbereitschaft den Wind aus den Segeln zu nehmen, treten sie schon im Vorfeld der kommenden Tarifauseinandersetzungen eine Debatte um Lohnerhöhungen los. Es ist schön zu beobachten, wie Kapitalisten á la Hundt deren demogogische Phrasen von "Teilhabe" direkt konterkarieren, und mit ihrem Gefasel von "Augenmaß" und "vernünftigen Forderungen" deutlich machen, was sie von diesem Geschwätz bürgerlicher Politiker halten.
Ein typisches Beispiel ist der aufgewärmte "Investivlohn" des SPD-Mannes Beck. Die Beschäftigten sollen Einlagen kaufen, womit sie das Kapital ihres "Arbeitgebers" erhöhen. Sollte es dann einen Gewinn geben - das Betriebsergebnis läßt sich bekanntlich frisieren - und Investivlohn ausgeschüttet werden, so ist dieser selbst jedoch nichts anderes als vorher schon einbehaltener Lohn. Ein Ergebnis hat diese Form der "Teilhabe" aber immer: Die einheitliche Kampfkraft der Arbeiter und Angestellten wird gespalten.

Über all das müssen sich die Kollegen klar werden, bevor Ende Januar 2007 die meisten regionalen Tarifverträge der chemischen Industrie für etwa 550.000 Beschäftigte auslaufen, bzw. Ende März bundesweit die der Metall- und Elektroindustrie mit über drei Millionen Beschäftigten sowie der Druckindustrie und des Bauhauptgewerbes mit seinen rund 600.000 Beschäftigten. Schon jetzt gilt es, unter den Gewerkschaftsmitgliedern und Vertrauensleuten selbstbewusst und offensiv über Forderungen, Laufzeiten und auch über Kampfmaßnahmen zu diskutieren. Letztere werden nötig sein, um dem Lohnraub von Monopolen und Staat zu begegnen.

Klaus Wallmann sen.

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