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Chemnitz: Betroffene demonstrieren und O2 kneift

Bürgerinitiative "Kein Handymast im Wohngebiet" Chemnitz || Datum: 05.12.2006

Chemnitz: Betroffene demonstrieren und O2 kneift

Fast 60 Teilnehmer fanden sich zur ersten Demonstration in Chemnitz gegen die rücksichtslose Errichtung von Handymasten ein. Aufgerufen hatte eine frisch gegründete Bürgerinitiative. Junge Mütter mit ihren Kindern, besorgte Familienväter, Nachbarn, Mitstreiter aus anderen Bürgerinitiativen sogar aus Radebeul und dem Odenwald waren gekommen.

"Wo ist denn der Mast?"

Vor dem Haus Wartburgstr. 21 mussten bei der Auftaktkundgebung die 2 Handymasten erstmal gezeigt werden. Sie sind mittlerweile als zwei hohe schieferfarbenen Schornsteine getarnt, um damit angeblich dem Denkmalschutz Genüge zu tun. Dabei sind wir von Handymasten schon regelrecht umzingelt, der nächste steht kaum 200m entfernt. Jeder Betreiber baut sein Netz auf Kosten unserer Gesundheit aus. Dabei bleiben sämtliche Sicherheitsabstände zu Wohnungen, Schulen und Kindertagestätten auf der Strecke.

Auf dem Demonstrationsweg wurden die Anwohner immer wieder informiert und aufgefordert mitzumachen. "Sie denken vielleicht ich bin nicht betroffen? Das kann sich schnell ändern. Wir kamen aus dem Urlaub und das Ding stand auf dem Dach." Alle 300 Meter soll ein UMTS-Mast aufgestellt werden. Dadurch wird die bisher punktuelle Belastung der Bevölkerung flächendeckend ausgedehnt. Die UMTS-Lizenzen wurden von den Mobilfunkfirmen mit 50 Mrd. Euro teuer gekauft und spülten diesen Betrag in die Staatskasse. Sind deshalb die Grenzwerte des Bundesministeriums so ausgelegt, dass sie das Vorgehen der Mobilfunkfirmen schützen und nicht die Gesundheit der Bevölkerung? Wurde deshalb das Zustimmungsrecht des Stadtrats, das es 2003 noch gab, abgeschafft? Vodafone, T-mobile, E-plus und O2 wollen jetzt Kasse machen.

Die Mitstreiter aus Radebeul hatten ihr Messgerät mitgebracht und zeigten die Strahlung von Anlagen, an denen der Demonstrationszug auf dem Weg in die Innenstadt vorbeikam. "Haben sie unerklärliche Kopfschmerzen, Schwindel, Herzrhythmusstörungen? Vielleicht ist in ihrer Nähe ein Handymast in Betrieb gegangen und das ist die Ursache."
Es gibt ernste Hinweise auf Spätfolgen wie Tumore, Leukämie, Krebs. Aber die Mobilfunkkonzerne und die zuständigen Behörden erkennen diese wissenschaftlichen Arbeiten nicht an. Der Bevölkerung wird eine angebliche Ungefährlichkeit vorgetäuscht.

Vertreter der Stadtverwaltung - Fehlanzeige

Bei strahlendem Sonnenschein erreichten wir den Johannisplatz und waren gespannt, ob sich O2 wie zugesagt und Vertreter der Stadt unseren Argumenten stellen würden. Wir verlasen nochmals unsere Protestbriefe und forderten auf zum Mikrofon zu kommen. Es rührte sich niemand. Ein Teilnehmer zeigt eine Zeitungsnotiz, dass die Oberbürgermeisterin nur wenig entfernt medienwirksam einen Auftritt auf dem Weihnachtsmarkt an der Drehorgel angekündigt hat. Für die Sorgen der Bevölkerung war sie nicht da. Mitglieder der BI sind entsetzt: "Selbst bei 500 Unterschriften kommt niemand zu uns, das hätte ich nicht gedacht."

O2 verschlägt es die Sprache

Wir schickten eine Delegation zur O2-Verkaufsstelle und bekamen zur Antwort "Es müsste jemand da sein". Schließlich traute sich Herr Eidam von O2 aus der Deckung. "Ich spreche aber kein Wort am Mikrofon, ich übernehme nur Ihren Brief und die Unterschriften", wehrte er das hingehaltene Mikrofon ab.
Na sowas! Hat es O2 die Sprache verschlagen, sind die Argumente ausgegangen? Auch das ist eine Antwort: Die Bedenken der Bevölkerung erweisen sich als hieb- und stichfest.
Die Konsequenz kann nur sein: Der Handymast in der Wartburgstraße darf nicht in Betrieb gehen. Masten die ebenso gefährdend aufgestellt wurden, gehören wieder abgebaut. Die Grenzwerte müssen zum Schutz der Bevölkerung drastisch gesenkt werden.
Wir beendeten diesen gelungen Auftakt unseres Protests mit dem Beschluss, der Stadt Chemnitz bei geeigneter Gelegenheit die Unterschriften zu überreichen. Wir werden nicht locker lassen.

Bürgerinitiative "Kein Handymast im Wohngebiet" Chemnitz
c/o M. Tobisch, Bernsdorferstr. 91, 09126 Chemnitz

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