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Polnische Bergleute und der Maximalprofit

Klaus Wallmann sen. || Datum: 25.11.2006

Polnische Bergleute und der Maximalprofit

Die "Freie Presse" vermeldete zwar das Grubenunglück im polnischen Ruda Slaska, doch weitere Erkenntnisse fanden nicht den Weg in die Spalten unseres pfälzischen "Heimatblattes". Dort beschäftigte man sich diese Woche lieber mit der dubiosen Verhaftung von "Terrorismusverdächtigen", von denen man fünf gleich wieder auf freien Fuß setzte und den sechsten aus "anderen" Gründen in Gewahrsam behielt. Oder mit zwei "Todeslisten", von denen die Polizei die Existenz der einen nicht bestätigen "wollte", während auf die Existenz der anderen lediglich "Hinweise" vorlägen. Das ist der "Qualitätsjournalismus" der FP.

Über die Hintergründe des schwersten Grubenunglücks in Polen seit fast 30 Jahren, bei dem alle 23 verschütteten Bergleute im Alter von 21 bis 59 Jahren ums Leben gekommen sind, fand ich dagegen nichts. Ein Schelm, der Arges dabei denkt - ein Narr, der es nicht tut.

Der Schacht ist alt und gilt als explosionsgefährdet. Schon 1990 kamen in der Zeche "Halemba" 19 Bergleute bei einer Methangas-Explosion ums Leben. Im Februar diesen Jahres konnte ein verschütteter Bergmann erst nach 111 Stunden lebend geborgen werden.
Die jetzt getöteten Kumpel sollten nach Angaben der Gewerkschaft Solidarnosc wiederverwertbares Baumaterial im Wert von 17 Millionen Euro aus dem stillgelegten Schacht holen. Dabei hat sich die Bergwerksleitung nach Aussage von Kazimierz Grajcarek "für die billigste Lösung entschieden, um den Profit zu maximieren". Die Gewerkschaft prangert auch die Tatsache an, daß die Geschäftleitung für diese gefährliche Arbeit 15 Mitarbeiter einer Fremdfirma einsetzte, die keine ausgebildeten Bergleute waren. Gegen diesen Einsatz hat es mehrfach Proteste von Bergleuten gegeben.

Dieses "Sparen" zugunsten des Profits ist nach Aussage des Vorsitzenden der Bergbaugewerkschaft Solidarnosc, Dominik Kolorz, die Ursache für den Tod der Kollegen. Die Beschäftigten der Fremdfirma wurden für die gefährliche Arbeit nicht nur schlechter bezahlt, sie waren auch schlechter versichert als die in der Grube Beschäftigten. Die Folgen für deren Hinterbliebene sind entsprechend.

Die Brüder Kaczynski, z.Z. polnischer Staats- bzw. Ministerpräsident sind "tief ergriffen von dieser Tragödie, die Polen heimgesucht hat" und verkündeten eine dreitägige Staatstrauer. Doch die Scheinheiligkeit ist nicht zu übersehen. Übt doch auch die polnische Regierung Druck auf die Leitung der staatlichen Gruben aus, damit diese "Kosten spart". Geschuldet ist dieser Druck den Forderungen der EU, die auf die Stilllegung zahlreicher Zechen sowie die Vorbereitung der profitabelsten Zechen für die Privatisierung durch internationale Bergbau-Monopole abzielen. Der Beschluß der Zechenschließungen war die Eintrittskarte in die EU, und hinter diesem steht z.B. auch der Einfluß der deutschen RAG.

Bereits am 22.11. war in den Kurznachrichten dieser Website zu lesen, daß die Meßgeräte laut Aussagen des Bergwerksdirektors keine überhöhten Gaswerte im gefährdeten Bereich anzeigten, während Kumpel davon berichteten, daß die Werte manipuliert werden, indem Frischluft auf die Messgeräte geblasen wird. Das Gewerkschaftsmitglied wurde inzwischen von der Geschäftsleitung des Staatsunternehmens entlassen.

Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft, ob "Fahrlässigkeit" zu dem Unglück geführt hat. Vorsätzliche und bewußte Inkaufnahme einer solchen Katastrophe im Interesse des Maximalprofits ist natürlich von vornherein völlig ausgeschlossen.

Klaus Wallmann sen.

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