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VW-Kollegen in Brüssel streiken gegen die Vernichtung von 4000 Arbeitsplätzen

rf news online || Datum: 22.11.2006

VW-Kollegen in Brüssel streiken gegen die Vernichtung von 4000 Arbeitsplätzen

Seit letzten Freitag streiken die VW-Kollegen in Brüssel um den Erhalt ihrer Arbeitsplätze. Bis Mittwoch ist der Streik angesetzt. Der Vorsitzende der belgischen Gewerkschaft ACV-Metall, Tony Jannssen, erklärte, dass über eine Fortsetzung des Streiks noch nicht entschieden sei. Er erwartet "eine heftige Reaktion der Arbeiter". Wenn es nach den Plänen der Konzernleitung geht, sollen von den derzeit rund 5.400 Arbeitsplätzen gerade mal 1.500 bleiben, fast 4.000 hingegen vernichtet werden. Gewerkschafter gehen von weiteren 8.000 bis 9.000 bedrohten Arbeitsplätzen bei den Zulieferern aus. Als konkreter Hintergrund soll die Konzentration der Produktion des Golf in Wolfsburg und Mosel herhalten. Weitere Senkung der Kosten in "dreistelliger Millionenhöhe", so ein VW-Sprecher und eine entsprechende Steigerung der Gewinne ist dabei das Ziel. "Das Unternehmen muss nicht einmal zusätzliches Geld investieren, um die Kosten zu senken", erklärte dazu VW-Vorstand Jung. Und weiter erklärt der Vorstand, der Automobilmarkt in Westeuropa sei "weitgehend gesättigt".

In der Tat haben die Auto-Giganten wie VW in ihrem Kampf um die Führung auf dem Weltmarkt riesige Überkapazitäten aufgebaut, die angesichts der durch Arbeitslosigkeit und Lohnabbau eingeschränkten Massenkaufkraft immer schwerer abzusetzen sind. Die Produktivität wurde ungeheuer gesteigert, als Ergebnis einer immer schärferen Ausbeutungsoffensive und Arbeitshetze. Dies unterstreicht, wie falsch und verhängnisvoll es auch war, dass sich die rechte Gewerkschaftsführung erst vor Wochen entgegen der erklärten Kampfbereitschaft der Kollegen der Erpressung des Managements beugte und einer Arbeitszeitverlängerung in den deutschen Werken zustimmte. Wenn der Präsident des Europäischen Konzernbetriebsrats von VW, Bernd Osterloh, nun erklärt, "es sei nie die Absicht gewesen - und dies sei auch mit dem Vorstand besprochen - zu Lasten anderer Standorte die Arbeitszeit an den westdeutschen Standorten zu erhöhen", so ist dies schon mehr als nur naiv.

Die Ankündigung eines weiteren massenhaften europaweiten Stellenabbaus bei VW in Belgien, Spanien und Portugal wie in Deutschland, wo 20.000 der 100.000 Arbeitsplätze auf dem Prüfstand stehen, erfordert es, einen gemeinsamen konzernweiten Kampf vorzubereiten, im Kampf um jeden Arbeitsplatz und weiter für die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich. Denn wenn der Vorstand nun als Begründung für seinen Kahlschlag anführt, "trotz gestiegener Marktanteile" seien "die westdeutschen Werke nicht ausgelastet", liefert er selbst den Beweis für die drastische Steigerung der Produktivität der VW-Kollegen. Eine Arbeitszeitverkürzung bei vollem Lohnausgleich wurde von ihnen dadurch längst erarbeitet. Sie kann nicht nur wirkungsvoll der Arbeitsvernichtung entgegen wirken, sondern ist auch wegen der ständig wachsenden Arbeitshetze geboten. Jetzt geht es darum, die Solidarität mit den VW-Kollegen in Brüssel zu organisieren.

Der 5. Internationale Automobilarbeiterratschlag vom 18. bis 20. Mai 2007 in Stuttgart bietet für die Automobilarbeiter und ihre Familien ein geeignetes Forum, über ihre Erfahrungen und neue Herausforderungen zu beraten. Weitere Informationen gibt es hier: http://www.automobilarbeiterratschlag.com/

Adressen für Solidaritätserklärungen:

CSC-Fédération de Bruxelles
Rue Plétinckx 19 - 1000 Bruxelles
Tel 02/508.87.11
Fax 02/508.89.99
Email: bruxelles@acv-csc.be

FGTB Bruxelles
Keizerslaan 34
Bd. de l'Empereur 34
1000 Brussel - Bruxelles
Tel 02/552.03.45
Fax 02/552.03.47
Email: philippe.vanmuylder@fgtb.be

Quelle: rf news online, 21.11.2006

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