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Forsmark: 18 Minuten bis zum GAU

Klaus Wallmann sen. || Datum: 21.11.2006

Forsmark: 18 Minuten bis zum GAU

Nur einem Zufall ist es zu verdanken, daß es beim Reaktorunfall im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark im Juli diesen Jahres nicht zu einer Katastrophe wie 1986 in Tschernobyl kam. Das geht aus einem internen Bericht der deutschen "Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit" hervor, den der "Spiegel" am 20.11. veröffentlichte. Demnach fehlten nur noch 18 Minuten, bis es zur Freilegung erster Teile des Reaktorkerns gekommen wäre - also bis zum GAU ("Größter anzunehmender Unfall").

AKW-Betreiber Vattenfall hat das Bestehen "einer solche Gefahr" natürlich umgehend bestritten. Und obwohl der interne Bericht u.a. auf Untersuchungen der schwedischen Atomaufsicht wie auch von Vattenfall selbst beruht, versteht Konzernsprecher Göran Lundgren nicht, "wo solche Behauptungen herkommen".

Der Bericht listet eine ganze Reihe von folgenschweren technischen und organisatorischen Pannen auf. Diese führten dazu, daß der Füllstand innerhalb des Reaktordruckbehälters auf 1,90 Meter über dem radioaktiven Kern absank, bevor er sich 15 Minuten nach dem Ausfall der ersten Systeme stabilisierte. Doch schon Anlaß genug für die Forsmark-Ingenieure beim damaligen Regierungschef Persson die Genehmigung für die Öffnung des "Wallmann-Ventils" einzuholen, um im Falle einer Kernschmelze Druck und radioaktiven Dampf aus dem Atomkraftwerk ablassen zu können.

Zwei Diesel-Generatoren bewahrten das Kernkraftwerk letztlich vor der Katastrophe. Doch warum diese im Gegensatz zu den beiden anderen doch noch ansprangen, dafür gibt es bis heute keine Erklärung. Der "Gesellschaft für Anlagen- und Reaktorsicherheit" ist dieser glückliche Umstand jedoch sehr willkommen, konnte sie doch so verkünden, daß mit den verfügbaren Einrichtungen "eine Beherrschung des Ereignisablaufs offensichtlich möglich" war. Eine haarsträubende These, wobei hinzukommt, daß der wirkliche Grund für die fatale Kettenreaktion noch immer im Unklaren liegt.

Während Forsmark erneut deutlich macht, daß aufgrund der heute nicht beherrschbaren AKW-Technik ein neues Tschernobyl jeden Tag möglich ist, baut man weltweit derzeit 28 neue Atomkraftwerke, verlängert Frau Merkel die Laufzeiten der deutschen AKW. Sie weiß genau, daß das Vattenfall AKW Brunsbüttel mit einer ganz ähnlichen Technik wie das in Forsmark betrieben wird. Und da die bürgerlichen Medien ja gern darauf hinweisen, daß unsere Kanzlerin Wissenschaftlerin ist, so weiß sie erst recht, wovor und für wen sie dabei die Augen verschließt.

Zugleich wird immer deutlicher, daß der angebliche "Atomausstieg" schlichter Betrug ist. Seit 1980(!) die Schweden in einer Volksabstimmung den Atomausstieg bis spätestens 2010 beschlossen, wird dieses Land gern als "Vorbild" hingestellt. Tatsächlich sind bisher jedoch nur zwei Blöcke des Atomkraftwerks Barsebäck abgeschaltet worden. Und auch in Deutschland sieht es eher nach dem Austieg aus dem "Ausstieg" aus.
Die sofortige Stillegung aller Atomanlagen und forcierte Nutzung erneuerbarer Energien kann nur erreicht werden, wenn die Menschen weltweit dies vor den Regierungspalästen fordern.

Klaus Wallmann sen.

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