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Welt-Klimakonferenz endet wie "Hornberger Schießen"

Klaus Wallmann sen. || Datum: 20.11.2006

Welt-Klimakonferenz endet wie "Hornberger Schießen"

"Von vornherein" war den FP-Schreibern Marc Engelhardt und Stephan Lorenz "klar", daß die Erwartungen in Nairobi "gering" waren (FP, 18.11.2006, S.4). Wahrscheinlich kam die "Freie Presse" am 07.11. deshalb nicht über die Ankündigung des "Gipfels" hinaus und beschäftigte sich an diesem Tag lieber mit mit "abstrusen" Ideen, statt uns mit kritischem und informierendem "Qualitätsjournalismus" über die Hintergründe zu informieren.

Mit "Kyoto" weiter in die Umweltkatastrophe?

Am 17.11. ging die "Weltklima-Konferenz" zuende, und das Fragezeichen, das ich am 07.11. noch mit vorsichtiger Hoffnung setzte, kann man nun als obsolet ansehen. Der "Gipfel" endete mit einem katastophalen Ergebnis. Kein einziger konkreter Beschluß zur Verminderung des Ausstoßes der Treibhausgase wurde gefaßt, und so ist der kenianischen Umweltministerin Looremetta nur zuzustimmen, wenn sie die Konferenz zurecht als völlig erfolglos im Sinne des Klimaschutzes bewertet.

Mit der Einigung darauf, daß im Jahr 2008 die Umsetzung des "Klimaschutzprotokolls" von Kyoto "überprüft" werden soll, breitet man den Mantel des Schweigens - auch in der "freien" Presse - über die Tatsache, daß das Kyoto-Abkommen längst gescheitert ist. Statt der Senkung des CO2-Ausstoßes um 5,2 Prozent bis 2006 auf das Niveau von 1990, kam es zu einer Steigerung um 25 Prozent. Was soll es da 2008 zu "überprüfen" geben?
Und obwohl es schon im Vorfeld auch von UN-Vertretern scharfe Kritiken an der vollständig gescheiterten imperialistischen Klimapolitik gab, konnte man nicht mal über ein Kyoto-Nachfolgeabkommen eine Einigung erzielen. Dabei geht es längst nicht mehr um irgendwelche Prognosen, sondern um Realitäten. Sehenden Auges werden ganze Landstriche der Überflutung preisgegeben, wird das Aussterben von Tieren und Pflanzen, die Ausbreitung von Wüsten und Dürrezonen in Kauf genommen.

Die o.g. FP-Schreiber lenken vom Thema ab, wenn sie versuchen den "ärmeren Nationen" den schwarzen Peter zuzuschieben, denn deren "Argwohn" gegenüber den für die Umweltkatastrophe verantwortlichen "reichen Industrieländer" dürfte verständlich sein. Was Herr Lorenz mit "ihre Pfründe in der Weltwirtschaft" verschleiern möchte, ist im Klartext der Kampf um die Profite. Deshalb sind neben den großen imperialistischen Ländern auch China und Indien kaum zu Zugeständnissen bereit, stehen sie doch in heftigstem Kunkurrenzkampf gegeneinander.

Umweltschützer Nr. 1, als den sich der deutsche Bundesumweltminister Gabriel ansehen mag, jammert zwar zu Recht über die lumpigen 300 Millionen, die in einen Fond für die Opfer der Erderwärmung fließen sollen, doch er scheint bewußt zu vergessen, daß er der Minister eines Staates ist, der mit einem blühenden Handel mit "Emissionszertifikaten" pure Augenwischerei betreibt.

Yvo de Boer, Chef des Klimasekretariats der UNO, sprach von bedeutenden Fortschritten für die Entwicklungsländer, doch dabei war wohl der Wunsch der Vater des Gedanken. Die einzig konkrete Einigung besteht darin, daß ein Fond zur Förderung von alternativen Energien erweitert wurde sowie Gelder für die "Anpassung der afrikanischen Infrastruktur an die veränderten Umweltbedingungen" zur Verfügung gestellt werden. Wobei auch dies kein wirklicher Erfolg ist. Denn statt energisch Maßnahmen zur Rettung der Lebensgrundlagen der Menschheit zu ergreifen, bemüht man sich um "Anpassung" an die Katastrophe. Was nichts anderes bedeutet, als daß die Herrschenden den weiteren sprunghaften Umschlag in die globale Umweltkatastrophe hinzunehmen gedenken.

Wer zu Beginn des "Gipfels" noch einen winzigen Funken Hoffnung hegte, steht nach Nairobi vor einem Scherbenhaufen und muß erkennen, daß die imperialistischen Regierungen nicht Willens und nicht in der Lage sind, unsere Umwelt vor der Profitgier der Monopole zu retten. Die Schlußfolgerung ergibt sich von allein. Wir sind die Betroffenen dieser menschenfeindlichen Politik, wir müssen uns dagegen zur Wehr setzen. Und da ich gerade Rosa Luxemburg lese, ein kurzes Statement dieser kleinen großen Frau: Entweder Sozialismus oder Untergang der Menschheit in der Barbarei. Dieser Satz hat nichts an Wahrheit eingebüßt.

Es gibt wissenschaftliche Entwicklungen, die einen schnellen Übergang zu regenerativen Energien ermöglichen. Im Freiburger Fraunhofer-Institut für Solartechnologie wurden jetzt noch effektivere Solarzellen entwickelt, die aus unreinem Silizium billig und in unbegrenzter Menge hergestellt werden können. Es gibt neue Errungenschaften in der Materialtechnik wie die Entwicklung biologisch abbaubarer Kunststoffe. Für die Durchsetzung solcher Technologien und die bundesweite Förderung einer totalen Kreislaufwirtschaft setzt sich die Unterschriftensammlung der Bürgerbewegung für Kryorecycling und Kreislaufwirtschaft ein (www.total-recycling.org).

Klaus Wallmann sen.

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