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Mit "Kyoto" weiter in die Umweltkatastrophe?

Klaus Wallmann sen. || Datum: 07.11.2006

Mit "Kyoto" weiter in die Umweltkatastrophe?

In Kenias Hauptstadt Nairobi wurde am 06.11.06 die 12. UN-Klimakonferenz eröffnet. U.a. wird über eine Verlängerung des sogenannten "Kyoto-Protokolls" über das Jahr 2012 hinaus sowie über "Anpassungsmaßnahmen" an die Klimaveränderungen verhandelt. Im Vorfeld des Gipfels wurden neue alarmierende Fakten bekannt, die belegen, daß der Übergang zu einer globalen Klimakatastrophe immer rascher voranschreitet und verheerende Folgen zu erwarten sind.

Auch die "Freie Presse" notiert heute auf der Titelseite dieses Ereignis, doch statt mit kritischem und informierendem "Qualitätsjournalismus" aufzuklären, lenkt sie mit dem Artikel auf Seite 3 über "abstruse" Ideen eher vom Thema ab. Die Gründe dafür dürften klar sein.

Die im "Kyoto-Protokoll" 1997 getroffene Verpflichtung der Industrieländer, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2012 um 5,2 Prozent unter das Niveau von 1990 zu senken, war schon damals völlig unzureichend. Mehrere Staaten wie die USA - mit 23,1 Prozent Anteil weltgrößter CO2-Produzent - unterschrieben nicht einmal diese minimalen Verpfichtungen.

Nach einem Rückgang des CO2-Ausstoßes in den 1990er Jahren um 5,6 Prozent - zurückzuführen auf die massenhaften Stilllegung veralteter Industrieanlagen in den ehemaligen Ostblockländern - ist zwischen 2000 und 2004 der Ausstoß wieder um 2,4 Prozent gestiegen. Er liegt inzwischen um 27 Prozent über dem Wert des Jahres 1990. Auch in Deutschland hat sich der Trend im Jahr 2004 umgekehrt.

Das Scheitern des "Kyoto-Protokolls" und der Politik des imperialistischen Ökologismus ist offensichtlich. Erfolgreich war nur die damit auch bezweckte Zersetzung und Desorientierung der Umweltbewegung. Im Interesse des Profits erschlossen sich die internationalen Monopole mit dem "Kyoto-Protokoll" sogar eine neue Profitquelle: den Handel mit "Verschmutzungsrechten". So ist es blanker Zynismus, wenn das Ziel der zweiwöchigen Verhandlungen in Nairobi ausgerechnet die Verlängerung des gescheiterten "Kyoto-Protokoll" sein soll.

Allen Ernstes orientiert man schon jetzt auf eine "Anpassungsstrategie", d.h. die Umweltkatastrophe soll nicht mehr bekämpft, sondern nur noch als gegeben hingenommen und "gemanagt" werden. In einem geplanten "Fünfjahresplan für Anpassung" wird dann wahrscheinlich eiskalt abgeschätzt, ob sich z.B. die Investitionen in höhere Deiche überhaupt noch lohnen, wenn sie innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte ohnehin nicht mehr ausreichen.

Was von Umweltminister Gabriels Ankündigungen zur über das "Kyoto-Protokoll" hinausgehenden "freiwilligen" Schadstoffreduzierung zu halten ist, das haben die letzten Jahre in ausreichendem Maße gezeigt.
Tatsächlich ist eine wesentlich drastischere Reduzierung der Luftschadstoffe nötig, um die weitere Entwicklung zu einer globalen Umweltkatastrophe zu stoppen. Das geht objektiv nur auf Kosten der Profite, mit einem Sofortprogramm zum Ausbau erneuerbarer Energien und zur Durchsetzung einer Kreislaufwirtschaft, und nicht mit einer Verlängerung des Kyoto-Betrugs. Wenn in London gestern 20.000 Menschen für eine schnellere Reduzierung der Treibhausgase demonstrierten, und auch in Nairobi Proteste geplant sind, so ist das ein begrüßenswerter Anfang, der letztlich aber in einer weltweiten Widerstandsfront münden muß.

Klaus Wallmann sen.

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