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Arbeitsagentur manipuliert Lehrstellen-Statistik trotz verbessertem Erfassungssystem

rf news online || Datum: 01.11.2006

Arbeitsagentur manipuliert Lehrstellen-Statistik trotz verbessertem Erfassungssystem

Der DGB wirft der Bundesagentur für Arbeit (BA) vor, die Lehrstellenstatistik weiterhin massiv zu verfälschen. Während nach Angaben der Arbeitsagentur gegenwärtig noch 50.000 Jugendliche einen Ausbildungsplatz suchen, seien es in Wirklichkeit 150.000 Lehrstellensuchende, die meist in Qualifizierungsmaßnahmen oder Lehrgängen untergekommen sind. Dazu kommen laut einer Pressemitteilung des DGB weitere rund 250.000 Jugendliche, die in den letzten Jahren ebenfalls nach Lehrstellen gesucht haben, sich aber notgedrungen mit "Alternativen" abgefunden haben.

Im Sommer 2006 wurde bei der BA das bisherige Erfassungssystem Compas durch das neue System Verbis ersetzt. Dieses System kann problemlos Lehrstellen-Bewerber auch dann als "nicht vermittelt" führen, "solange sie noch vermittelt werden möchten", auch wenn "sie sich zwischenzeitlich in einer Maßnahme befinden oder vorübergehend eine Schule besuchen" ("Financial Times Deutschland"). Mit dem alten System waren dagegen Ausbildungsplatzbewerber, die Qualifizierungsmaßnahmen oder eine Schule besuchen, generell aus der Zahl der Lehrstellensuchenden herausgerechnet worden.

Der BA-Vorstand setzt diese Praxis offenbar aus politischen Gründen weiter fort und bereitet derzeit einen Beschluss vor, dass die differenzierten Daten der neuen Software nicht veröffentlicht werden sollen. Mit der manipulierten Statistik sollen vor allem die Bemühungen der Berliner Regierung unterstützt werden, den gescheiterten "Ausbildungspakt" noch irgendwie schönzureden. Mit dem 2003 von der Schröder/Fischer-Regierung geschlossenen Pakt wurde vor allem vom notwendigen Kampf um jeden Arbeits- und Ausbildungsplatz abgelenkt und auf eine angebliche "Selbstverpflichtung" der Unternehmen zur Schaffung neuer Ausbildungsplätze orientiert.

Die glorreiche Bilanz: Sogar nach den offiziell geführten Zahlen nahm die Zahl der unvermittelten Bewerber Jahr für Jahr zu. Selbst die für Ende Oktober offiziell gemeldeten 49.487 Jugendlichen ohne Lehrstelle sind der höchste seit 1990 für diesen Monat veröffentlichte Wert. In der aktuellen Pressemitteilung des DGB heißt es zum tatsächlichen Umfang des Problems:

"Mehr als die Hälfte der insgesamt 763.000 Bewerberinnen und Bewerber auf einen Ausbildungsplatz haben aufgrund der angespannten Situation auf dem Ausbildungsstellenmarkt keine Lehrstelle gefunden: das sind rund 400.000 Jugendliche. Davon gelten 49.500 als 'noch nicht vermittelt'. Die übrigen rund 350.000 haben sich für eine Alternative zu einem Ausbildungsplatz entschieden. Allerdings befindet sich ein großer Teil dieser Gruppe - obwohl sie offiziell als 'vermittelt' gilt - weiter auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. Eine aktuelle Untersuchung des Bundesinstituts für Berufsbildung hat ergeben, dass nur ein Drittel derjenigen, die sich eine Alternative gesucht haben, damit auch wirklich zufrieden ist. Ein weiteres Drittel hat sich mit der Alternative lediglich 'innerlich arrangiert'. Das restliche Drittel sieht sich dagegen eher in einer 'Notsituation'."

Eine schreiende Anklage an die Unfähigkeit des kapitalistischen Systems, die Interessen und Fähigkeiten der Jugend sinnvoll einzusetzen! Der gescheiterte "Ausbildungspakt" setzt in den Betrieben und Gewerkschaften die Auseinandersetzung um die notwendige Forderung nach einer 10-pozentigen Ausbildungsquote in Großbetrieben auf die Tagesordnung. Da immer mehr Jugendliche mittlerweile nach der Ausbildung entlassen statt übernommen werden, muss dies unbedingt mit dem Kampf für die unbefristete Übernahme aller Auszubildenden entsprechend ihrer Ausbildung verbunden werden.

Quelle: rf news online, 01.11.2006

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