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Warum greift der Verbündete Israel den Verbündeten Deutschland an?

Klaus Wallmann sen. || Datum: 31.10.2006

Warum greift der Verbündete Israel den Verbündeten Deutschland an?

Der Einsatzverband der Deutschen Marine vor der Küste des Libanon besteht nach Angaben der Marine aus der Fregatte "Mecklenburg-Vorpommern", aus der Fregatte "Karlsruhe", dem Einsatzgruppenversorger "Frankfurt am Main", dem Tender "Elbe" sowie den Schnellbooten "Nerz", "Dachs", "Ozelot" und "Hyäne". So die Information ans Volk.

Dann erfuhr das Volk, daß israelische Kampfflugzeuge über ein deutsches Schiff geflogen sind und Schüsse in die Luft abgaben. Ein Mißverständnis. Als nächstes kam eine ähnliche Meldung, nach der ein deutscher Helikopter von israelischen Kampfflugzeuge bedrängt wurde. "Wir wissen nicht, was das sollte", sagte ein Sprecher des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr dazu. Die Grünen forderten "scharfen Protest" und ihr Verteidigungspolitiker Nachtwei nannte den Zwischenfall einen Affront gegen die Bundeswehr. FDP-Chef Westerwelle sprach von einem "außerordentlich Besorgnis erregenden, schwerwiegenden Vorgang".

Wir erfuhren auch, daß der israelische "Verteidigung"sminister Perez seinem deutschen Amtskollegen versicherte, daß sein Land nicht beabsichtige, aggressiv gegen deutsche Streitkräfte vorzugehen. Doch wie soll man es nennen, wenn sechs israelische F-16-Jäger ein deutsches Marineschiff in geringer Höhe überfliegen, "Infrarot-Täuschkörper" abwerfen und aus einer der Maschinen zwei ungezielte Schüsse in die Luft abgefeuern, wenn nicht aggressiv? Und ist es nicht aggressiv, wenn Kampfflugzeuge einen deutschen Helikopter zur Umkehr und Landung auf dem von ihnen überflogenen Marineschiff zwingen?

Was in all den Nachrichten der öffentlich-rechtlichen Medien nicht auftauchte, war die Information, um welches Schiff es sich denn dabei eigentlich gehandelt hat. Nun, es war die "Alster". Und wer diesen Namen in der o.g. Liste des Einsatzverbandes der Deutschen Marine vermißt, der hat aufmerksam gelesen. Doch das hat seinen Grund darin, daß dieses "Flottendienstschiff" nicht zum internationalen Einsatzverband Unifil gehört. Ein Sprecher des "Verteidigungs"ministeriums bestätigte, daß das "Unterstützungs- und Aufklärungsschiff" von der UN nicht für die Überwachungsmission angefordert worden sei. Dem Unifil-Verband diene es als "eine Art Frühwarnsystem".

Clemens Verenkotte vom ARD-Hörfunkstudio Tel Aviv wurde konkreter,als er über die präzisierte Darstellung der israelischen Regierung berichtete. Demnach galt der Überflug israelischer Kampfflugzeuge garnicht dem Marinehubschrauber, sondern der "Alster" - "einem Hightech-Aufklärungsschiff". Dieses ist deutschen Sicherheitskreisen zufolge mit "leistungsstarken elektro-optischen Geräten" ausgerüstet. Er berichtet von einem "mit hochmodernen Ortungsgeräten ausgerüstete Schiff, das in Krisengebieten zur 'strategischen Informationsgewinnung' eingesetzt wird. (Die Hochkommata sind übrigens nicht von mir. - K.W.)

Sicher gehört die nachrichtendienstliche Sicherung der deutschen Schiffe zu den Aufgaben der "Alster", wie Verenkotte schreibt. Doch wenn er den Angriff als "Zeichen eines offenbar verinnerlichten Machtgehabes" der israelischen F16-Piloten zu deuten versucht, oder über eine "erschreckende politische Leichtfertigkeit der Regierung Olmert im Umgang mit dem wichtigsten Verbündeten Israels nach den USA" parliert, so gibt er sich dümmer als er ist. Er stellt zwar fest, daß es für die Sicherheitsdienste Israels bestimmt kein Geheimnis gewesen sein dürfte, daß die Deutsche Marine bei Kriseneinsätzen ihrer Verbände stets ein Aufklärungsschiff wie die "Alster" abordnet, doch wie Israel zu diesem "Flottendienstschiff" steht, das spricht er nicht aus. Doch man muß wohl kein Militärexperte sein um festzustellen, daß ein Schiff mit dieser Ausrüstung nur einen Zweck haben kann. Mit seiner Technik, in Verbindung mit dem Marine-Helikopter und den von Verenkotte erwähnten Satelliten, dürfte den deutschen Militärs die Überwachung und Ausspähung Israels weit über die aktuellen militärischen Notwendigkeiten möglich sein. Daß dies den israelischen "Verbündeten" nicht gefällt - wer wollte ihnen das verübeln.

Wer meine Schlußfolgerung für etwas weit hergeholt hält, der sollte sich vor Augen führen, daß Freundschaftsverträge, Allianzen, Pakte, Verträge zwischen imperialistischen Staaten immer nur auf Zeit geschlossen werden, solange sie für die Durchsetzung gemeinsamer Interessen notwendig ist. Doch auch während dieses friedlichen Zeitraums bleiben sie im Grunde Konkurrenten, die sich auch in "friedlichen" Zeiten gegenseitig ausspionieren. Schließlich muß man gewappnet sein für den Zeitpunkt, wenn der "Verbündete" nicht mehr gebraucht, wenn die Verträge obsolet werden.

Klaus Wallmann sen.

Quelle:
http://www.f-16.net/index.php?name=PNphpBB2&file=viewtopic&p=80487


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