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Der neue, alte Skandal
Zum Leitartikel "Dunkle Schatten" von Peter Bretschneider, FP 26.10.2006, S.4

Klaus Wallmann sen. || Datum: 26.10.2006

Der neue, alte Skandal
Zum Leitartikel "Dunkle Schatten" von Peter Bretschneider, FP 26.10.2006, S.4

FP-Leitartikler Bretschneider bringt es heute auf den Punkt: "... ausgerechnet in einem Moment, in dem die Bundesregierung nach zwölf Jahren wieder ein Weißbuch zur Zukunft der Bundeswehr beschlossen und dabei die Grundlagen deutscher Sicherheitspolitik neu definiert hat ...", bringen "skandalöse Fotos" die Bundeswehr "in tiefe Erklärungsnot". "Weitgehend unterbelichtet" blieb daher die Veröffentlichung des "Weißbuches". Nun, wenn Herr Brettschneider dies näher beleuchtet haben will, so kann er sich ja für die Veröffentlichung meines gestrigen Leserbriefes stark machen.

Weißbuch 2006: Der deutsche Militarismus ist nicht tot - Leserbrief zum Artikel "Sicherheitspolitischer Diskussionsstoff" von Christian Meier, FP 25.10.2006, S.4

Positiv zu bewerten ist seine Feststellung, daß "derartige negative Schlagzeilen ... so selten ... nun auch wieder nicht" sind, wobei er an die "immer wieder einmal bekannt werdenden Fälle von Quälerei, Peinigung oder Folter bei der Ausbildung von Rekruten in deutschen Kasernen" erinnert, und auf die Vorwürfe im Fall Kurnaz hinweist. Völlig richtig seine Forderung, daß es bei der Aufklärung des Eklats keine Tabus geben darf, was auch "die nachdrückliche Hinterfragung der gesamten Soldaten-Ausbildung" einschließt. Bleibt zu fragen, warum der Leitartikler das nicht selbst tut. Ihm als gelerntem Journalisten dürfte es doch nicht allzu schwer fallen, den Geist, der in deutschen Kasernen noch immer herrscht, sichtbar zu machen.

Aber geben wir ihm eine kleine Schützenhilfe.

Am 18.10.2006 veröffentlichte die Fraktion DIE LINKE im Bundestag eine Pressemitteilung, die sicher auch der "Freien Presse" zugänglich war. Die innenpolitische Sprecherin der Fraktion, Ulla Jelpke, prangerte darin die Werbung des Bundeswehrverbands für rechtsextreme Bücher an, in denen die deutsche Kriegsschuld geleugnet und die Wehrmacht als Vorbild dargestellt wird.

"Der Deutsche Bundeswehrverband wirbt in der Oktober-Ausgabe seiner Zeitschrift 'Die Bundeswehr' für zwei Bücher rechtsextremer Autoren: das von Ex-General Reinhard Günzel mitherausgegebene Buch 'Geheime Krieger. Drei deutsche Kommandoverbände im Bild. KSK – Brandenburger – GSG 9' sowie das von Heinz Magenheimer herausgegebene Buch 'Kriegsziele und Strategien der großen Mächte 1939-45.'

Reinhard Günzel war Kommandeur des Kommandos Spezialkräfte und hatte von seiner Truppe 'Disziplin wie bei der Waffen-SS' gefordert. Weil er die antisemitische 'Tätervolk'-Rede des damaligen CDU-Bundestagsabgeordneten Peter Hohmann gelobt hatte, wurde er im Jahr 2003 entlassen. Seither schreibt er für neofaschistische Blätter wie die 'Deutsche Militärzeitschrift' und 'Soldat im Volk'. In seinem Buch, das er zusammen mit zwei anderen Autoren veröffentlicht hat, fordert er, Wehrmachtseinheiten sollten der Bundeswehr als Vorbild dienen. 'Das Buch ist als erste Information über die drei Kommandoverbände gut geeignet', wirbt 'Die Bundeswehr' für das rechte Machwerk. Günzel sei ein 'kritischer Geist'.

Heinz Magenheimer ist bekannt als Anhänger 'revisionistischer' Kriegsschuldthesen und bestreitet die deutsche Alleinschuld am Zweiten Weltkrieg. 'Die Bundeswehr' macht sich seine Sicht zu eigen und schreibt, Deutschland habe vor einem 'Dilemma' gestanden: 'Im Westen wartete Großbritannien mit der Schutzmacht USA im Rücken, im Osten lauerte die unberechenbare Sowjetunion.' Beide Werke stammen aus rechtsextremen Verlagen: Günzels Buch vertreibt der 'Pour-le-Mérite'-Verlag, Magenheims Buch der Osning-Verlag.

Der Deutsche Bundeswehrverband hat über 200.000 Mitglieder und erfreut sich guter Kontakte zu Bundeswehr und Bundesregierung. Es ist unerträglich, dass der Verband eine solche Werbung für rechtsextreme Positionen zulässt. Damit widerspricht er auch den geltenden Traditionsrichtlinien. Ich erwarte, dass der Verbandsvorstand sich eindeutig von den verantwortlichen Mitarbeitern distanziert. Ansonsten muss die Bundesregierung Konsequenzen ziehen. Die Linksfraktion wird eine Kleine Anfrage in den Bundestag einbringen."

Und wenn man dann das "weitgehend unterbelichtet" gebliebene "Weißbuch" aufmerksam liest, so kann zumindest ich leicht nachvollziehen, warum dieser Geist noch immer lebendig ist und am Leben gehalten wird. Denn eine imperialistische Armee, die der Interessenvertretung internationaler Monopole dient und für deren militärische Einsätze es "keine geographischen Grenzen" mehr geben soll, ist dieser Geist unabdingbar. Daß dieser in junge, noch leicht beeinflußbare Menschen gepflanzt wird - das ist der wirkliche Skandal.

Klaus Wallmann sen.

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