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Welternährungstag - Hunger und Profit

rf news online || Datum: 19.10.2006

Welternährungstag - Hunger und Profit

"18.000 Kinder sterben jeden Tag an Unterernährung", erklärte anlässlich des Welternährungstags am 16.10. der Exekutivdirektor des Welternährungsprogramms (WFP) der Vereinten Nationen, James Morris. Von den laut offiziellen Angaben des WFP weltweit 850 Millionen hungernden Menschen sind 400 Millionen Kinder. Auf dem Welternährungsgipfel 1996 hatten die Regierungen versprochen, die Zahl der Hungernden bis 2015 zu halbieren. Tatsächlich ist die Zahl der Hungernden weltweit seither von 840 auf 854 Millionen gestiegen. Experten zufolge würden 80 Dollar für jede Familie und Jahr reichen, um einschneidende Verbesserungen zu erreichen. Dabei liegt es nicht an einer mangelnden Spendenbereitschaft der Bevölkerung, an die jetzt wieder appelliert wird. Allein bei der Tsunami-Katastrophe im letzten Jahr spendeten die Bundesbürger 600 Millionen Euro.

Bereits heute werden weltweit soviel Lebensmittel produziert, um 12 Milliarden Menschen zu ernähren, mehr als doppelt so viele, wie heute auf der Erde leben, wie das ZDF-Morgenmagazin heute berichtete. Das Problem liegt darin, dass Weltproduktion und Welthandel in den Klauen weltweit agierender und zunehmend miteinander verschmolzener Industrie-, Agrar- und Handelsmonopole liegen. Sie lassen unter anderem - wie das Beispiel Brasilien zeigt - riesige Flächen des Regenwalds vernichten, um darauf Soja zu pflanzen. Sie tragen dazu auch wesentlich zur weltweiten Klimakatastrophe bei. Und sie vertreiben massenhaft Menschen von ihrem Land, in Brasilien waren es von 1960 bis 1980 alleine 28,4 Millionen Menschen.

Das großflächig angebaute Soja dient nicht dazu, um damit den Hungernden die Schlüssel zu füllen, sondern einzig dazu, die Monopolprofite zu steigern. So wird es zur "Veredelung" als Viehfutter nach Europa exportiert. Aus Brasilien, einem der weltweit größten Nahrungsmittelexporteure, ist dies jährlich Soja für über 40 Millionen Euro, während in Brasilien selbst Millionen Menschen hungern. Von unseren Steuerngeldern über die EU subventioniert wird mit dem Sojafutter teils Milch und dann Milchpulver produziert und von den Nahrungsmonopolen weltweit so eingesetzt, dass bäuerliche Kleinproduzenten ruiniert werden. Von den mehr als 800 Millionen Hungernden weltweit sind allein 400 Millionen Kleinbauern in den Entwicklungsländern. Mit dem in der ersten Zeit teilweise kostenlos verteilten Saatgut für Mais, der dann aber keine eigenen Samen mehr ausbildet, wird die kleinbäuerliche Landwirtschaft weiter ruiniert

Kommt es angesicht dieser menschenfeindlichen und alarmierenden Fakten nicht einer Verhöhnung gleich, wenn Bundespräsident Horst Köhler erklärt: "Bildung ist ein Schlüssel für die Überwindung von Hunger und Armut und für die Sicherung eines menschenwürdigen Daseins." Solche Worte machen weder die Hungernden satt, noch schaffen sie die fehlenden Lehrstellen für die Jugend.

"Die Schande der Armut liegt nicht bei den Armen, sondern bei denen, die die Armut verursachen", damit sprach Phylis Malope aus Südafrika den 1.700 Teilnehmerinnen des 7. F rauenpolitischen Ratschlags aus dem Herzen und rief zum weltweiten Kampf gegen die Verursacher auf. Um den Hunger aus der Geschichte der Menschheit zu vertreiben, ist es - wie Stefan Engel in seinem Buch "Götterdämmerung über der 'neuen Weltordnung'" schreibt - "notwendig, die Drangsalierung der Welt durch eine Handvoll internationaler Monopole zu beenden, das imperialistische Weltsystem zu überwinden und den Sozialismus zu erkämpfen".

Quelle: rf news online, 16.10.2006

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