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"Elite"förderung - Und wer bezahlt die Zeche?

Klaus Wallmann sen. || Datum: 16.10.2006

"Elite"förderung - Und wer bezahlt die Zeche?

Unsere Studenten waren auch schon mal kämpferischer - so ging es mir durch den Kopf, als ich dieser Tage in einer Hochschulzeitung eine Chronologie der Sommerproteste gegen Studiengebühren las.

Passend dazu kam der Auftritt von Frau Schavan, z.Z. Bundesforschungsministerin, vor zahlreichen Vertretern der bürgerlichen Medien, bei dem sie bekanntgab, daß 22 Hochschulen mit insgesamt 873 Millionen Euro für die universitäre Spitzenforschung gefördert werden. Bis 2011 sollen allein die beiden Münchner Unis sowie die in Karlsruhe - nun in den Rang von "Eliteunis" erhoben - jeweils mehr als 100 Millionen Euro erhalten.

Über die vielen überfüllten Vorlesungen für die Masse der Studierenden fällt natürlich kein Wort. Auch nicht davon, daß sich diese Situation in den nächsten Jahren noch verschlechtern wird, denn dann drängen die Kinder der geburtenstarken Jahrgänge in die Unis. Das paßt einfach nicht in den feierlichen Rahmen. In Baden-Württemberg kommen gleichzeitig die Absolventen des neunjährigen und des neu eingeführten achtjährigen Gymnasiums hinzu, weshalb dort ein Programm für 16.000 zusätzliche Studienanfänger aufgelegt wurde, das sich vor allem durch eine Konzentration auf die billigere Ausbildung an Fachhochschulen und Berufsakademien auszeichnet.

Von der Verschlechterung der Studienbedingungen für die Masse als Gegenstück zur "Elite"förderung - auch davon findet sich nur wenig in den bürgerlichen Medien. Die faseln lieber - wie z.B. die Stuttgarter Zeitung vom 14.10. - von einer "grundsätzlichen Neuordnung im deutschen Hochschulwesen". Was auch hier fehlt: die Frage nach dem Inhalt dieser "Neuordnung" und in wessen Interesse sie erfolgt.

Nur ein Beispiel. An der Mannheimer Hochschule kämpfen die Studenten derzeit gegen die Zerschlagung der Studiengänge und Fächer der Philosophie und Informatik, die wegen der "Profilierung" der Hochschule erfolgen soll. Diese "Profilierung" ist das Ergebnis des Drucks, der bewußt durch die Reduzierung der staatlichen Grundfinanzierung erzeugt wird, und der die Hochschulen zwingt, um "Drittmittel" von der Industrie zu buhlen. Doch diese werden verständlicherweise nur gewährt, wenn die Studiengänge oder Forschungsprojekte den Interessen der Monopole auch gerecht werden.

Ebenso verständlich dürfte sein, daß diese "Neuordnung" vor allem weitreichende Auswirkungen auf das hat, was erforscht und gelehrt wird. Eine weitere Folge ist die Herausbildung von Unis mit besten Studienbedingungen und Forschungseinrichtungen (und hohen Studiengebühren) auf der einen Seite, und Massenunis, deren Absolventen wesentlich schlechtere Berufsaussichten haben.

Nun warte ich auf den Tag, an dem sich Frau Schavan - oder ein anderer politischer Dienstleister des Kapitals - hinstellt, und mit verklärtem Blick und im Brustton der Überzeugung feststellt, daß es eine "Zwei-Klassen-Bildung" in Deutschland nicht gibt.
Ich warte allerdings auch auf den Tag, an dem die Masse der Studierenden erkennt, daß diese Entwicklung nicht in ihrem Interesse sein kann. Sie, wie auch ihre Eltern und Großeltern, Freunde und Bekannte, sollten die DGB-Aktionen am 21.10. nutzen, um gemeinsam mit allen fortschrittlichen Kräften gegen die insgesamt volksfeindliche Politik der schwarz-"roten" Koalition zu protestieren.

Klaus Wallmann sen.

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