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Ausbildungspakt erneut gescheitert

rf news online || Datum: 15.10.2006

Ausbildungspakt erneut gescheitert

Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) ist das Verhältnis von Ausbildungsplätzen zur Anzahl der jugendlichen Lehrstellenbewerber so schlecht wie noch nie seit der Wiedervereinigung. Die Zahl der gemeldeten Lehrstellen ging im Vergleich zum Vorjahr um 12.000 auf 459.000 zurück. Gleichzeitig nahm die Zahl der Bewerber um 22.199 auf 763.100 zu. Nach Angaben des DGB bilden nur noch 23 Prozent aller Betriebe überhaupt aus; die größten Betriebe haben die niedrigste Ausbildungsquote. Am niedrigsten ist sie mit 3,6 Prozent bei den 30 größten Betrieben in Deutschland. Ende September waren offiziell 50.000 Jugendliche ohne Lehrstelle; Regina Görner vom Vorstand der IG Metall ist der Auffassung, dass die reale Zahl bei 100.000 liegen dürfte. Die sogenannte "Lehrstellenlücke" ist damit um 22 Prozent größer als im Vorjahr. Der Ausbildungspakt, so Görner, sei "endgültig gescheitert".

Unternehmerverbände und Bundesregierung hatten sich im Juni 2004 in diesem Ausbildungspakt dazu verpflichtet, "allen ausbildungswilligen und ausbildungsfähigen jungen Menschen ein Ausbildungs- und Qualifizierungsangebot zu machen."

Natürlich übernehmen weder die Merkel-Müntefering-Regierung noch die Kapitalistenverbände die Verantwortung für die desaströsen Ergebnisse ihrer Politik ... Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), Ludwig Georg Braun, spricht von 15.000 noch offenen Lehrstellen und von "40.000 Plätzen für eine Einstiegsqualifizierung". "Einstiegsqualifizierung" jedoch hat mit Berufsausbildung wenig zu tun. Jugendlichen wird ein Betriebspraktikum vermittelt, für das die BA ein Entgelt von maximal 192 Euro bezahlt, das ein Jahr dauert und laut DIHK "Ausbildungselemente" enthält. Eine selbständige Existenz ist mit diesem Entgelt unmöglich, einen Beruf hat man hinterher auch nicht. Tatsächlich wird mit diesen subventionierten Praktika ein Niedriglohnsektor für Jugendliche aufgemacht.

Der BDI-Präsident Jürgen Thumann (BDI = Bund Deutscher Industrieller) geht noch einen Schritt weiter und macht die Jugend selbst für das Scheitern des Ausbildungspakts verantwortlich. Die Wirtschaft leide unter der steigenden Zahl von Bewerbern, "die auf Grund der völlig mangelhaften schulischen Ausbildung gar nicht ausbildungsfähig sind: Die nicht richtig rechnen können, nicht richtig schreiben können, die einfach ganz große Probleme haben, die Ausbildungsfähigkeit nachzuweisen", sagt Thumann. Ein bezeichnendes Licht wirft diese Demagogie auf das verächtliche Desinteresse, mit dem die Monopole und ihr Staat mit der Jugend umgehen. Auch eine vernünftige Schulausbildung und die breite Förderung aller Begabungen muss gegen die Profitinteressen erkämpft werden. Jedoch: selbst wenn alle Jugendlichen mit lauter Einsern im Zeugnis aus der Schule entlassen würden, fehlen die Lehrstellen!

Die aktuellen Zahlen zur Lehrstellensituation unterstreichen, wie notwendig der gemeinsame Kampf von Jung und Alt für eine Ausbildungsquote von 10 Prozent in der Großindustrie und für die unbefristete Übernahme aller Azubis entsprechend der Ausbildung ist. Ein System, das der Jugend keine Zukunft bieten kann, hat selbst keine – nicht die Jugend ist unfähig, sondern Thumann, Merkel und das ganze kapitalistische System. ...

Quelle: rf news online, 14.10.2006

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