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EADS: Das A380-Desaster - Wer bezahlt die Zeche?

rf news online || Datum: 11.10.2006

EADS: Das A380-Desaster - Wer bezahlt die Zeche?

Der frisch gekürte Airbus-Chef Louis Gallois, zugleich einer der beiden Chefs des Mutterkonzerns EADS will den "Sanierungsplan Power 8" seines Vorgängers Christian Streiff "sofort" voll umsetzen. Neben "drastischen" Stellenkürzungen, weiterer Flexibilisierung der Arbeitszeit und Lohnabbau für die Kollegen soll auch massiv Druck auf die Zulieferer gemacht werden, was auch dort weitere Arbeitsplätze gefährdet. Bis 2010 sollen die Kosten um mindestens bis zu 5 Milliarden Euro gedrückt werden. Ausgenützt werden sollen dafür die großen Probleme beim Bau des A380, die Airbus nicht in den Griff bekommt.

Das wichtigste Projekt, der Super-Jumbo Airbus A380, wird nun zwei Jahre später fertig als ursprünglich geplant. Der operative Airbus-Gewinn wird deswegen bis 2010 um fast fünf Milliarden Euro unter Plan liegen. Fluggesellschaften auf der ganzen Welt erwägen, Bestellungen zu stornieren oder Schadenersatz zu verlangen. Geplant als prestigeträchtiger Sieg über den US-Konkurrenten Boeing, ist der A380 für EADS zu einem Desaster mutiert.

Über die Situation in Hamburg berichtet ein Korrespondenz an rf-news: "Die Belegschaft von Airbus Deutschland ist zu einem Beitrag zur Überwindung der Misere um das Großraumflugzeug A380 bereit, tönt es in den letzten Tagen aus allen Medien. Flexible Arbeitszeiten seien der erste Schritt, eine Durststrecke könne durch die Anwendung des Programmes 'Sicherheit durch Flexibilität' überbrückt werden. Dieses bisher größte, aus dem Jahre 2003 stammende Flexibilisierungsprogramm beinhaltet u.a bei geringer Auslastung weniger zu arbeiten und natürlich auch weniger zu verdienen.

200 bis 300 Leiharbeiter seien aktuell in Finkenwerder überflüssig. Das ist schon eine Anmaßung! Bisher wurden die Kolleginnen und Kollegen weder von der Konzernführung noch ihren Betriebsräten gefragt ob sie verzichten wollen. In Finkenwerder herrscht große Verunsicherung. Die Kollegen beklagen, dass sie nur aus den Medien Informationen bekommen.

Bluten sollen die Arbeiter und Angestellte an allen Standorten, sowohl die Festangestellten als auch die Leiharbeiter. Die Investmentbank Goldman Sachs hat schon einmal ausgerechnet, welche Werke Airbus platt machen solle: Stade, Nordenham, Varel und Buxtehude in Deutschland, Nantes und Meaulte in Frankreich sowie Illescas in Spanien."

Kurzinterviews vor den Toren zeigten, dass die Losung "Kämpfen wie bei Opel" einerseits auf Zustimmung stößt: "Ja richtig" oder "Dass man sich gemeinschaftlich zur Wehr setzen muss, steht außer Frage" oder "Darüber sollte man nachdenken" waren Reaktionen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Fragen unter anderem nach der Rolle des Hamburger Senats und der Bundesregierung als Dienstleiter der internationalen Monopole tiefgehend geklärt werden müssen.

Dazu und über die Vorgeschichte schreibt der Korrespondent weiter: "Obstbauern im 'Alten Land' wurden enteignet, ihr Widerstand in den Medien kriminalisiert und als rückschrittlich und arbeitsplatzgefährdend angeprangert. Durch die Zuschüttung des Mühlenberger Lochs ein nicht reparables Umweltverbrechen begangen, eine ganze Kulturlandschaft vernichtet. Millionen Euro an Steuern für die Infrastruktur von Airbus zum angeblichen Allgemeinwohl der Region durch Bundesregierung und Hamburger Senat verschenkt. Und das alles, um es dem Konzern zu erleichtern den Hauptkonkurrenten Boeing die Marktführerschaft streitig zu machen.

Aus machtpolitischen Gründen verschärft sich das Gerangel um den größten nationalen Einfluss bei dem Rüstungs-Raumfahrt und Flugzeugkonzern EADS in den verschieden imperialistischen Staaten in der EU. Einige Regierungsmitglieder denken darüber nach, wie Deutschland seine macht- und industriepolitischen Interessen machtvoller gegenüber Frankreich vertreten könnte. Im Finanzministerium wird durchgespielt, ob nicht die deutsche Staatsbank KfW die Aktien von Daimler-Chrysler übernehmen könnte. (...)

Die Unterordnung unter den Konkurrenzkampf von Airbus und die Kumpanei von Staat, Hamburger Senat und Medien hat das aktuelle Desaster nicht verhindert. Die Illusion von den sicheren Arbeitsplätzen in der sogenannten 'Zukunftsindustrie', zerplatzt gerade wie eine Seifenblase. Wenn jetzt von den Arbeitern und Angestellten Verzicht zur 'Rettung von Airbus' gefordert wird, muss das entschieden abgelehnt werden. Die Spaltung der Belegschaften in den verschieden Standorten und zwischen Festangestellten und Leiharbeiter muss überwunden werden um erfolgreich den Angriffen entgegen treten zu können."

Quelle: rf news online, 11.10.2006

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