rz-Logo

Atomtest in Nordkorea: Wer verschärft die Kriegsgefahr?

Klaus Wallmann sen. || Datum: 10.10.2006

Atomtest in Nordkorea: Wer verschärft die Kriegsgefahr?

Seit 1996 blockieren die USA die Umsetzung des damals vereinbarten Atomteststopps, indem sie den Vertrag nicht ratifizieren. Sie halten sich nicht an bestehende Verträge zur Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen. Sie lehnen den Vertrag über ein "Verbot der Produktion von spaltbarem Material für Waffenzwecke" ab.
Die US-Regierung droht dem - durch die von ihr veranlassten internationalen Wirtschaftsboykotte - geschwächten Nordkorea offen mit Krieg. So erklärten die USA in einem Pentagon-Bericht über ihre neue Militärstrategie die souveränen Staaten Nordkorea, China, Russland, Irak, Iran, Libyen und Syrien zu potentiellen Zielen eines atomaren Angriffs. Damit bringt der US-Imperialismus seinen Anspruch auf die wirtschaftliche, politische und militärische Vorherrschaft über die Welt zum Ausdruck.

Diese Kriegsdrohung ist es vor allem, die die allgemeine Kriegsgefahr in der gesamten Region verschärft, nicht die Ankündigung oder Durchführung eines Atomtests durch Nordkorea, zumal der technische Weg von einer Atombombe, die in einem unterirdischen Stollen gezündet wird, bis zu einem atomaren Raketensprengkopf ein weiter ist.

Die weltweite Medienkampagne der Atommächte USA, Russland, China, Frankreich und Großbritannien ist deshalb vor allem ein Versuch, von ihrer eigenen atomaren Hochrüstung abzulenken. Man erzählt uns, Staaten wie Nordkorea oder Iran würden mit Atomwaffen den Weltfrieden bedrohen, oder auch Länder wie Indien und Pakistan, die ebenfalls Atomtest durchgeführt haben. Man verschweigt uns, daß es die großen Atommächte sind, die durch ihre Neubelebung der atomaren Hochrüstung die größte Gefahr darstellen. Alleine die USA verfügen über 10.500 atomare Sprengköpfe. Modernisierung und Entwicklung neuer Atomwaffen, wie z.B. sogenannte Mininukes und Bunker Busters stehen auf der Tagesordnung.
Rußland hat seine Atomwaffendoktrin denen der USA angepasst und eine Modernisierung seiner Atomstreitmacht angekündigt. Großbritannien, Frankreich und China ziehen nach.
Auch Israel verfügt über ein umfangreiches Atomwaffenpotenzial, stellt selbst das zur Nuklearwaffenproduktion benötigte Plutonium her, und verfügt seit 2003 über Trägerkapazitäten zum Nuklearwaffeneinsatz, dessen Plattform drei von Deutschland in den Jahren 1999 und 2000 gelieferte Dolphin-U-Boote bilden.

Die bisherigen 2084 Atomwaffentests in der Atmosphäre und unter der Erde durch die Atommächte USA, Russland, Frankreich, Großbritannien und China haben zu einer weltweiten Verseuchung der Erde geführt, die die Gesundheit von Generationen beeinträchtigt. Das bestätigt heute sogar die "Freie Presse" Chemnitz.

In Anbetracht all dessen ist es verständlich, wenn das nordkoreanische Regime den Test als "Maßnahme zur Selbstverteidigung" und als Reaktion auf die "Drohungen der USA mit einem Atomkrieg" bezeichnet. Zu billigen ist der Test nicht, genauso wie man die einseitige Berichterstattung der bürgerlichen Medien nicht billigen darf. Das längst überfällige sofortige Verbot und die Vernichtung aller ABC-Waffen weltweit muß gefordert werden, genauso wie ein Ende von Bush's "New War".

Eine kleine Anmerkung zum Schluß. Noch immer bezeichnen die bürgerlichen Medien Nordkorea als Staat mit "marxistisch-leninistischen Strukturen". Da dort aber ebenso wie in allen ehemals sozialistischen Ländern der Kapitalismus restauriert wurde - und dies am herrschenden System und der brutalen Unterdrückung des Volkes auch dem dümmsten Journalisten klar werden müßte - dient diese demagogische Phrase lediglich der Verunglimpfung der wirklichen sozialistischen Weltanschauung. Doch verzeihen wir den Schreiberlingen - sie dürfen halt nicht anders, und wenn sie es zehnmal besser wissen.

Klaus Wallmann sen.

Zurück Ihre Meinung ist gefragt. Zum Anfang