rz-Logo

Die "Führer" der deutschen Sozialdemokratie 1914 - 1933

Klaus Wallmann sen. || Datum: 01.10.2006

Die "Führer" der deutschen Sozialdemokratie 1914 - 1933

Seit einiger Zeit beschäftige ich mich aus aktuellem Grund mit der Geschichte der deutschen Sozialdemokratie, um über dieses Thema einen Artikel für die "randzone" zu schreiben. Dies hat sich nun zum Teil erübrigt, denn ich fand einen Aufsatz von Josef Schleifstein mit dem Titel "Die 'Sozialfaschismus'-These, Zu ihrem geschichtlichen Hintergrund". Der Autor war mir bislang vollkommen unbekannt. Wer sich über ihn informieren möchte, den verweise ich auf Wikipedia (http://de.wikipedia.org/wiki/Josef_Schleifstein).

Um zu erklären, wie es innerhalb der kommunistischen Bewegung zur Einschätzung der Sozialdemokratie als "Sozialfaschisten" überhaupt kommen konnte - eine Einschätzung, die von den Kommunisten einer gründlichen Kritik unterzogen und 1935 als ernster Fehler der Kommunistischen Internationale und der KPD anerkannt wurde - gibt Schleifstein eine knappe Darstellung des historischen Gesamtzusammenhangs. "... gab es dafür [für die "Sozialfaschismus"-These] Anhaltspunkte in der politischen Wirklichkeit jener Epoche, im praktischen Verhalten sozialdemokratischer Parteien und sozialdemokratischer Führer? Dies verständlich zu machen", so Schleifstein, "ist der Sinn dieser kurzen Skizze."

Aus diesem Aufsatz zitiere ich im Folgenden, meinen o.g. Intentionen folgend, den Teil, der diese historischen Fakten darstellt. Ein Großteil dieser war mir bekannt, bei einigen anderen mußte ich während der Lektüre heftig schlucken. Den vollständigen Aufsatz findet der interessierte Leser HIER.

Betonen möchte ich, daß es in diesem Aufsatz um das Verhalten der "Führer" der deutschen Sozialdemokratie geht, nicht um die sogenannten einfachen Mitglieder der SPD. Dennoch würde ich jedem Mitglied der heutigen SPD empfehlen, diesen Aufsatz sorgfältig zu lesen. Schlußfolgerungen muß jedoch jeder selbst ziehen.

Klaus Wallmann sen.



Josef Schleifstein
Die "Sozialfaschismus"-These
Zu ihrem geschichtlichen Hintergrund"

Einleitung

[...]
Aus den linken, konsequent antiimperialistischen und marxistischen Strömungen vor und während des ersten Weltkrieges - den Bolschewiki unter Lenins Führung in Rußland, der Spartakusgruppe unter Liebknechts und Luxemburgs Führung in Deutschland, den linken Gruppen in Frankreich, England und zahlreichen anderen Ländern - bildeten sich nach der russischen Oktoberrevolution am Ende des ersten Weltkrieges die Kommunistischen Parteien, entstand die Kommunistische Internationale. Infolge ihrer prinzipiellen Position und der Leiden und Kämpfe während des Krieges waren ihre Mitglieder und Anhänger durch tiefe Gräben von den Kriegsbejahern, den rechten sozialdemokratischen Führungen getrennt. Nach dem Kriege wurde diese Kluft noch erweitert, als die Führer der Sozialdemokratischen Parteien, die während des Krieges den Arbeitermassen beteuert hatten, der Klassenkampf sei nur für die Periode des Krieges aufgegeben worden, er werde in "normalen" Zeiten selbstverständlich wieder aufgenommen werden, durch ihre Praxis der Zusammenarbeit mit der Bourgeoisie in einigen Ländern die kapitalistische Gesellschaftsordnung vor dem revolutionären Ansturm der Arbeiter und Soldaten retteten. Das war insbesondere in Deutschland und Österreich 1918-1919 der Fall.

Die sozialdemokratischen Führer sagten dem arbeitenden Volk während der Revolution, jetzt würde die sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft eingeleitet. Im ersten Regierungsprogramm des "Rates der Volksbeauftragten", der in Deutschland aus der offiziellen Sozialdemokratie und den unabhängigen Sozialdemokraten gebildet worden war. wurde dem deutschen Volk verkündet: "Die aus der Revolution hervorgegangene Regierung, deren politische Leitung rein sozialistisch ist. setzt sich die Aufgabe, das sozialistische Programm zu verwirklichen."[1] Die zunächst eingesetzte Sozialisierungskommission veröffentlichte am 11. Dezember 1918 ein Programm, in dem u. a. erklärt wurde, daß "jene Gebiete der Volkswirtschaft, in denen sich kapitali-stisch-monopolitische Herrschaftsverhältnisse herausgebildet haben, für die Sozialisierung in erster Linie in Betracht kommen. Insbesondere muß der Gesamtheit die Verfügung über die wichtigen Rohstoffe, wie Kohle und Eisen, zustehen. Es soll geprüft werden, welche anderen Zweige der Produktion und der Kraftgewinnung infolge der erweiterten Konzentration geeignet sind, in Gemeinwirtschaft übergeführt zu werden, welche Wirtschaftszweige sonst ihrer Natur nach, wie z.B, das Versicherungswesen und die Hypothekenbanken für die Sozialisierung in Betracht kommen."[2] Diese feierlichen Sozialisierungsversprechungen wurden 1919 und 1920 mehrfach wiederholt. In einem Aufruf vom 1. März 1919, in dem sich der Vorstand der Sozialdemokratischen Partei und die sozialdemokratische Fraktion der Nationalversammlung gegen den drohenden Generalstreik wandten, hieß es u. a., die Sozialisierung werde sicher kommen, die sozialdemokratische Fraktion bereite schon einen Initiativantrag für die Sozialisierung der Bergwerke vor und "andere Sozialisierungsmaßnahmen" seien ebenfalls in "intensiver Vorbereitung," dafür brauche "wirklich kein einziger Arbeiter in den Streik zu treten".[3]

Nach dem Kapp-Putsch vom März 1920, als Millionen Arbeiter und andere Werktätige, die den sozialdemokratischen und unabhängigen Führern im Vertrauen auf diese Versprechungen gefolgt waren, plötzlich das ganze Ausmaß der konterrevolutionären Gefahr erkannt hatten und daher entschiedene Maßnahmen gegen die militaristische und kapitalistische Reaktion verlangten, hieß es im Bielefelder Abkommen, das u. a. von dem sozialdemokratischen Reichskommissar Carl Severing unterzeichnet war, im Punkt 6: "Sofortige Inangriffnahme der Sozialisierung der dazu reifen Wirtschaftszweige unter Zugrundelegung der Beschlüsse der Sozialisierungskommission, zu der Vertreter der Berufsverbände hinzuzuziehen sind. Die Einberufung der Sozialisierungskommision erfolgt sofort. Übernahme des Kohlen- und des Kalisyndikats durch das Reich."[4] In demselben Bielefelder Abkommen war von der sozialdemokratischen Führung, von den Gewerkschaften und von den zur Regierung gehörenden bürgerlichen Parteien eine "gründliche Reinigung der gesamten öffentlichen Verwaltungen und Betriebsverwaltungen", die schnellste Durchführung einer Verwaltungsreform auf demokratischer Grundlage", die "Auflösung aller der Verfassung nicht treu gebliebenen konterrevolutionären militärischen Formationen" versprochen worden. Aber all das blieb Papier, die sozialdemokratischen Führer dachten gar nicht daran, die Sozialisierungsversprechen wahr zu machen. Die wirtschaftliche Macht der rheinisch-westfälischen Großindustriellen und des Bankkapitals blieb erhalten, und schon wenige Jahre später finanzierten diese Kozernhenen die Nazipartei und arbeiteten systematisch an der Zerstörung der Weimarer Republik.

Aber nicht nur, daß die sozialdemokratische Führung alle antikapitalistischen wirtschaftlichen Maßnahmen verhinderte, die allein die ökonomischen Wurzeln der Konterrevolution und der antirepublikanischen Reaktion hätte vernichten können. Sie tat auch bereits in den Revolutionstagen und unmittelbar danach alles, um die Arbeiterschaft zu entwaffnen und die politischen und militärischen Machtpositionen der junkerlich-kapitalistischen Reaktion zu erhalten und wieder aufzubauen. Zu diesem Zweck traf die Führung der SPD geheime Abkommen mit der kaiserlichen Generalität und die Gewerkschaftsführer schlossen einen Pakt der Zusammenarbeit mit den Unternehmerverbänden. Schon am 10. November 1918 konnte einer der Hauptschuldigen am Massenmorden des ersten Weltkrieges, Generalfeldmarschall von Hindenburg, in einem Telegramm an alle Heeresgruppen und Armeeoberkommandos proklamieren: "Es kann bekanntgegeben werden, daß die OHL (Oberste Heeresleitung) mit dem Reichskanzler Ebert, dem bisherigen Führer der gemäßigten sozialdemokratischen Partei, zusammengehen will, um die Ausbreitung des terroristischen Bolschewismus in Deutschland zu verhindern."[5]

In dem späteren "Dolchstoßprozeß", der im Oktober und November 1925 in München stattfand, berichtete General Groener über den Sinn dieser Vereinbarungen zwischen Hindenburg und Ebert: "Ich habe dem Feldmarschall zuerst den Rat gegeben, nicht mit der Waffe die Revolution zu bekämpfen, weil zu befürchten sei, daß bei der Verfassung der Truppen eine solche Bekämpfung scheitern würde. Ich habe ihm vorgeschlagen, die OHL möge sich mit der MSP (Mehrheitssozialdemokratische Partei, J.Sch.) verbinden, da es zur Zeit keine Partei gebe, die Einfluß genug habe im Volke, besonders bei den Massen, um eine Regierungsgewalt mit der OHL wiederherzustellen. Die Rechtsparteien waren vollkommen verschwunden, mit den äußersten Radikalen zu gehen, war ausgeschlossen. Selbstverständlich war dem alten Feldmarschall das durchaus nicht eine sympathische Lösung, aber da er immer, wo er noch auftrat, Einsicht genug hatte, um auch persönliche Stimmungen zurücktreten zu lassen, hat er sich dann bereit erklärt.

Dieses ist auch zum Ausdruck gekommen in einem Briefe, den der Feldmarschall am 8. Dezember 1918 an Herrn Ebert geschrieben hat. Das erste war, daß wir uns jeweils abends zwischen 11 und l Uhr telefonisch vom Hauptquartier mit der Reichskanzlei auf einem Geheimdraht verständigten. Zunächst handelte es sich darum, in Berlin den A- und S-Räten (Arbeiter- und Soldatenräte, J.Sch.) die Gewalt zu entreißen. Zu diesem Zwecke wurde ein Unternehmen geplant, zehn Divisionen sollten in Berlin einmarschieren. Ebert war damit einverstanden. .. . Die Unabhängigen forderten, daß die Truppen ohne Munition einrücken. Ebert hat zugestimmt, daß sie mit scharfer Munition einrücken. Wir haben ein Programm ausgearbeitet, das nach dem Einmarsch eine Säuberung Berlins und die Entwaffnung der Spartakisten vorsah. Das war auch mit Ebert besprochen, dem ich dafür ganz besonders dankbar bin wegen seiner absoluten Vaterlandsliebe und restlosen Hingabe an die Sache."[6]

So paktierte der erste "Beauftragte" der Revolution mit der Generalität des vom Volke gestürzten Regimes zum Zwecke der Niederschlagung der Revolution. Eine konterrevolutionäre, monarchistische Soldateska, aus deren Reihen zahlreiche der späteren SA- und SS-Führer hervorgegangen sind, wurde vom Wehrminister Noske bewaffnet, um die revolutionäre Arbeiterschaft blutig niederzuwerfen und ihre Führer, Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, zu ermorden. Diese konterrevolutionäre Soldateska sorgte - im Namen der republikanischen Regierung - dafür, daß die Arbeiter- und Soldatenräte überall entmachtet wurden und der alte, aus der Monarchie übernommene Staats- und Verwaltungsapparat erhalten blieb. Am Ende dieses Weges, als im historischen Ergebnis dieser Politik auch die Weimarer Republik und die Sozialdemokratische Partei zerstört waren, resümierte dann der Prager Emigrationsvorstand der SPD im Januar 1934: "Die Sozialdemokratie als einzig intakt gebliebene organisierte Macht übernahm ohne Widerstand die Staatsführung, in die sie sich von vornherein mit den bürgerlichen Parteien, mit der alten Bürokratie, ja mit dem reorganisierten militärischen Apparat teilte. Daß sie den alten Staatsapparat fast unverändert übernahm, war der schwerste historische Fehler, den die während des Krieges desorientierte deutsche Arbeiterbewegung beging. ..."[7]

Das waren einige der geschichtlichen Erfahrungen, die die radikal gestimmten sozialistischen Arbeiter in und nach der Novemberrevolution mit der Politik der sozialdemokratischen Führung und mit der gegenrevolutionären Entwicklung in der durch ihre Aktion erkämpften Republik machten: Verhinderung grundlegender gesellschaftlicher Umgestaltungen; Erhaltung der wirtschaftlichen Macht des Großkapitals und des Großgrundbesitzes; Übernahme der alten reaktionären Bürokratie, Justiz, Diplomatie; Bewaffnung der konterrevolutionären Freikorps gegen die Arbeiterschaft. Die Erkenntnis, daß dies alles nur infolge der Politik der sozialdemokratischen Führung möglich war, blieb keineswegs auf den revolutionären Flügel der Arbeiterberwegung beschränkt. Auch führende Repräsentanten der Sozialdemokratischen Parteien erkannten diese ihre eigene Rolle als Retter der kapitalistischen Gesellschaft und des bürgerlichen Staates durchaus. Otto Bauer, einer der bedeutendsten Führer und Theoretiker der österreichischen Sozialdemokratie, schrieb in seinem Buch "Die österreichische Revolution von 1918": "Es herrschte tiefe Unruhe in den Kasernen der Volksarmee. Die Armee fühlte, daß sie der Träger der Revolution war, die Avantgarde des Proletariats. . . . Die Soldaten, mit den Waffen in den Händen, hofften auf einen Sieg des Proletariats. . . . ,Diktatur des Proletariats', Alle Macht den Räten!' war das, was man in den Straßen hören konnte. . . . Keine bürgerliche Regierung hätte mit einer solchen Aufgabe fertig werden können. Sie wäre entwaffnet worden durch das Mißtrauen und die Verachtung der Massen. In einer Woche wäre sie durch einen Straßenaufstand gestürzt und von ihren eigenen Soldaten entwaffnet worden. Nur die Sozialdemokraten konnten eine so beispiellos schwierige Situation sicher meistern, weil sie das Vertrauen der arbeitenden Massen besaßen. . . . Nur die Sozialdemokraten konnten die stürmischen Demonstrationen durch Verhandlungen und Überzeugung friedlich beenden. Nur die Sozialdemokraten konnten die Volksarmee führen und die revolutionären Abenteuer der arbeitenden Massen eindämmen. . . . Die tiefe Erschütterung der bürgerlichen Gesellschaftsordnung fand ihren Ausdruck darin, daß eine bürgerliche Regierung, eine Regierung ohne Teilnahme der Sozialdemokraten, einfach undenkbar geworden war."[8]

Natürlich glaubten die sozialdemokratischen Führer mit der "Eindämmung" der revolutionären Bewegung der Arbeiter, der faktischen Abwürgung aller Sozialisierungsforderungen, der Entmachtung der Arbeiter- und Soldatenräte die Entwicklung in "geordnete" bürgerlich-republikanische Wege lenken zu können. Sie wollten den Weg "sicherer" sozialer Reformen beschreiten, auf der Grundlage der Zusammenarbeit mit den bürgerlichen Parteien das Wirtschaftsleben wieder in Gang bringen, und sie sahen in diesem "geordneten" Weg der Reformen das historische Gegenstück zur bolschewistischen Revolution in Rußland. Aber die geschichtliche Entwicklung bewies, daß die Zusammenarbeit mit dem Großkapital, die Koalition mit den bürgerlichen Parteien nicht nur die dem Kapitalismus immanenten wirtschaftlichen Krisen nicht zu überwinden vermochte, sondern daß sie die ökonomischen und politischen Grundlagen unangetastet ließ, auf denen sich die politische und militärische Reaktion erneut entfalten und schließlich zum Gegenangriff gegen die bürgerlich-demokratische Republik übergehen konnte, als ihr die monopolkapitalistische Herrschaft selbst gefährdet schien. Die sozialdemokratischen Führer, die sich so oft ihrer Verdienste in der "Abwehr des Bolschewismus" rühmten, schwiegen meist über die historisch allein zählenden Ergebnisse ihrer Politik nach vierzehn oder fünfzehn Jahren.

Natürlich war der schließliche Sieg des Faschismus weder in Deutschland noch in Österreich bereits nach dem Wege, den die sozialdemokratischen Führungen in den Revolutionen 1918 einschlugen, schicksalhaft vorgezeichnet. Noch in den letzten Jahren der Weimarer und der österreichischen Republik hätten Nazifaschismus und Heimwehrfaschismus zurückgeschlagen werden können, wenn die sozialdemokratischen Führer imstande gewesen wären, aus der Entwicklung, zu der die Klassenzusammenarbeit mit dem Kapital und mit den von Kapitalinteressen geleiteten bürgerlichen Parteien geführt hatte, zu lernen. Aber der Antikommunismus machte sie (und den republikanischen Flügel der bürgerlichen Parteien) blind gegen alle reaktionären und faschistischen Gefahren, ließ sie den allmählichen Abbau der bürgerlich-parlamentarischen Demokratie, die diktatorischen Vollmachten für Präsident und Regierung, die schleichende Faschisierung des staatlichen Lebens widerstandslos hinnehmen, ja aktiv tolerien und so das Werk der Selbstzerstörung der Republik vollenden. Diejenigen, die nach Otto Bauer 1918 allein imstande gewesen waren, eine "beispiellos schwierige Situation sicher zu meistern", standen schon fünfzehn Jahre später, da sie Schritt für Schritt vor der kapitalistischen und militaristischen Reaktion kapituliert hatten, vor den Ruinen ihres eigenen Werkes. Auch weltgeschichtlich eilt: An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen! Und die Frucht des von den rechtssozialdemokratischen Führern 1914 und 1918 beschrittenen politischen Weges war nicht die demokratische Republik, sondern ihre Vernichtung; nicht der Siegeszug sozialer Reformen, sondern die tiefste Wirtschaftskrise in der Geschichte des Kapitalismus; nicht der historische Fortschritt, sondern die faschistische Barbarei und der mörderischste Krieg der Menschheitsgeschichte. Und am Ende mußte das Land der dutzendemale totgesagten, geschmähten, verleumdeten, verbissen bekämpften "bolschewistischen Diktatur", die Sowjetunion, zwanzig Millionen Menschen opfern, um die Menschheit und auch das deutsche Volk von dieser Barbarei zu befreien. Das ist die welthistorische Bilanz der beiden gegensätzlichen Wege, die 1917 in Rußland und 1918 in Deutschland eingeschlagen wurden.

Diese großen historischen Zusammenhänge bilden den Hintergrund auf dem allein die Politik der Kommunistischen Parteien und der Kommunistischen Internationale zwischen 1918 und 1933, sowohl in ihrer fundamental richtigen antiimperialistischen und antifaschistischen Zielsetzung wie in ihren strategisch-taktischen Fehlern - einschließlich der "Sozialfaschismus"-These - verständlich werden kann. Das soll im folgenden erläutert werden.

[...]

Sozialdemokratie und Faschismus

Zum geschichtlichen Hintergrund der "Sozialfaschismus"-These gehört die Stellung der sozialdemokratischen Parteien zu faschistischen Regimes und Bewegungen in den verschiedenen Ländern. Diese Haltung bildete einen nicht unwichtigen Teil der Erfahrungen der revolutionären Strömung der Arbeiterbewegung, der Kommunistischen Parteien, mit der politischen Praxis der rechen sozialdemokratischen Führungen. Am Beginn dieser Erfahrungen stand die Tatsache, daß sich während des ersten Weltkrieges in fast allen sozialdemokratischen Parteien der kriegführenden Länder chauvinistische, den Imperialismus ihrer herrschenden Klassen feiernde und unterstützende Strömungen herausgebildet hatten.

Mussolini selbst war 1914 als Renegat des pazifistischen Sozialismus ein fanatischer Anhänger des Kriegseintritts Italiens geworden und hatte als Chauvinist die Losung "Krieg oder Republik" ausgegeben. In einem mit Ententegeld gegründeten Blatt, dem "Popolo d´ Italia", verknüpfte er die Zukunft und Größe Italiens mit dem Krieg; den Klassenkampf der Arbeiterbewegung lehnte er nunmehr wie die den Krieg bejahenden sozialdemokratischen Führungen in anderen Ländern ab, weil er "die Nation spalte und schwäche". Auch der spätere militärische Diktator Polens, Pilsudski, war aus dem rechten, nationalistischen Flügel der polnischen Sozialdemokratie hervorgegangen. Die Ideologie des sozialimperialistischen Flügels der sozialdemokratischen Parteien während des ersten Weltkrieges - etwa Lensch und Cunow in Deutschland, Herve in Frankreich, Blatchford in England - weist eine frappierende Ähnlichkeit mit der späteren Ideologie des Faschismus in den verschiedenen Ländern auf.

Hinzu kamen praktische Erfahrungen mit der Haltung sozialdemokratischer Parteien zu faschistischen oder weißgardistischen konterrevolutionären Regierungen, so in Ungarn, Bulgarien und Polen. Unter Führung des Admirals Horthy wurde in Ungarn nach Niederschlagung der Räterepublik im August 1919 eine offene Miiitärdiklatur errichtet. Mit diesem konterrevolutionären Regime schloß die rechte Führung der ungarischen Sozialdemokratischen Partei im Dezember 1921 einen Geheimvertrag ab, in dem sie sich dem Premierminister Graf Bethlen gegenüber verpflichtete, "aktive Propaganda für Ungarn" bei ihren ausländischen sozialdemokratischen Freunden zu treiben, mit dem ungarischen Außenminisierium zusammenzuarbeiten und in allererster Linie einen "magyarischen Standpunkt" einzunehmen. Zugleich gelobte sie die "Konsolidierung" des Regimes zu unterstützen, politische Streiks zu verhindern und die Kampagne für die Republik einzustellen. Sie verpflichtete sich ferner, auf die Organisierung und Werbung unter den Landarbeitern, den Eisenbahnern und Staatsangestellten zu verzichten. Wörtlich hieß es: "Die Deliegierten der ungarischen Sozialdemokratischen Partei erklären, daß sie den vorn Premierminister vorgetragenen Wünschen sowohl hinsichtlich der Außen- wie der Innenpolitik zustimmen, und daß sie versichern, diese Wünsche ihrerseits zu erfüllen. Sie ernennen einen Vertreter, der die Verbindung zum Außenministerium aufrechterhalten wird."[46] Die konterrevolutionäre Regierung garantierte unter diesen Bedingungen die Legalität der Sozialdemokratischen Partei, in einer Periode, in der der weiße Terror gegen die revolutionäre Arbeiterschaft wütete. Als der Inhalt des Geheimabkommens drei Jahre später bekannt wurde und die Zweite Internationale gezwungen war, eine Untersuchungskommission unter Leitung Karl Kautskys einzusetzen, wurde der ungarischen Sozialdemokratie bescheinigt, sie hätte "in gutem Glauben" gehandelt und ihre Versicherung wurde akzeptiert, daß der Vertrag nicht fortgesetzt werde.

Bulgarien bietet ein noch schlimmeres Beispiel. Dort war 1923 nach einem Wahlsieg der fortschrittlichen Bauernpartei unter Führung Stambuliskys (437 000 Stimmen) und der Kommunistischen Partei {219000 Stimmen) - während der Bürgerblock 219 000 und die Sozialdemokratische Partei 40 000 Stimmen erhalten halten - die Stambulisky-Regierung gebildet worden, die sich eine Agrarreform, die Aburteilung der früheren Kriegsminister und andere bei der Reaktion unbeliebte Maßnahmen zum Ziel gesetzt hatte. Daraufhin führten die reaktionären Parteien im Juni 1923 einen militärischen Staatsstreich durch, der von Armeeoffizieren organisiert war, stürzten gewaltsam die Bauernregierung und ermordeten den Premierminister Stambulisky. Ein weißes Terrorregime unter Leitung Zankoffs wurde eingesetzt, das selbst nach dem Zeugnis des Vorsitzenden der II. Internationale Emile Vandervelde binnen achtzehn Monaten 16 000 bulgarische Arbeiter und Bauern mordete. In der Zankoff-Regierung war die Sozialdemokratische Partei, die offiziell der II. Internationale angeschlossen war, durch ihren Minister Kasassoff vertreten, neben den Repräsentanten der faschistischen Offiziersliga und der bürgerlichen Parteien.[47]

Schließlich kam der polnische Militärdiktator Marschall Pilsudski vom rechten, nationalistischen Flügel der polnischen Sozialisten (PPS), die eine offizielle Sektion der II. Internationale bildeten. Als Pilsudski im Mai 1926 durch einen Staatsstreich an die Macht kam, waren zunächst Illusionen über einen möglicherweise bäuerlich-kleinbürgerlichen Charakter dieses Umsturzes in weiten Teilen der Arbeiterklasse vorherrschend, und so konnte der Eintritt eines führenden Vertreters der polnischen Sozialdemokraten, Moraczewski, in das Kabinett Pilsudkis als entschuldbarer Irrtum angesehen werden. Aber selbst als nach kurzer Zeit klar war, daß Pilsudski ein diktatorisches, halbfaschistisches Regime aufzurichten im Begriff war, blieb Moraczewski in der Regierung.[48]

In Italien traten 1926 die sozialdemokratischen Führer der Gewerkschaften (der Allgemeinen Konföderation der Arbeit) in die Dienste Mussolinis und lösten ihre Organisationen auf, ein Vorbild, dem deutsche sozialdemokratische Gewerkschaftsführer im Mai 1933 nachzueifern suchten. Auch in Ländern mit einer starken und alten bürgerlich-parlamentarischen Tradition, wie Großbritannien, kam der spätere Faschistenführer Mosley vom rechten Flügel der Labour Party. Er war 1927 in die Exekutive der Partei gewählt und 1929 zum Minister in der Labour-Regierung Ramsey Mac Donalds ernannt worden; noch 1930 gehörte er dem Exekutivkomitee der Labour Party an. Als er im Frühjahr j 1931 mit der Bildung der "New Party" den ersten Schritt zur Formierung einer faschistischen Bewegung tat, schlossen sich ihm sechs Parlamentsabgeordnete der Labour Party an.[49] Das sind nur einige der historischen Tatsachen, die eine bedeutende Rolle bei der Einschätzung des Verhältnisses von Sozialdemokratie und Faschismus durch die kommunistische Bewegung spielten. Über die deutsche Entwicklung wird gesondert die Rede sein.

Die sozialdemokratischen Parteien und die II. Internationale gelangten zu keiner klaren, den Klassencharakter des Faschismus und seine Gefahr für die gesamte Arbeiterbewegung erfassenden Definition des Faschismus. Es gab in ihren Reihen eine Unzahl verschiedener Definitionen, die den Faschismus bagatellisierten, ihn zu einer "Revolution" des Kleinbürgertums erklärten oder auf die diktatorischen Gelüste einzelner "Führer" reduzierten, unüberwindbare Gegensätze faschistischer Bewegungen und Regimes zur Bourgeoisie behaupteten, den fundamentalen Charakter des Faschismus als Werkzeug der Monopolbourgeoisie leugneten. Zugleich wurde schon seit der Errichtung der faschistischen Diktatur in Italien 1922 der Versuch deutlich, den Faschismus nicht etwa als Gegenoffensive des Kapitals gegen die Arbeiterklasse zur Aufrechterhaltung seiner ökonomischen und politischen Herrschaft, sondern als bloße "Reaktion" auf den Bolschewismus, auf revolutionäre Aktionen der Arbeiterbewegung zu deuten. So sahen Hilferding, Crispien und andere sozialdemokratische Führer als Ursache des faschistischen Sieges in Italien nicht die von den reformistischen Partei- und Gewerkschaftsführern verhinderte gemeinsame Abwehrfront der Arbeiterschaft, sondern eine "über ihre Kraft" vorgestoßene Arbeiterklasse, die ihre Rechte und Errungenschaften zu gering geachtet habe, ein Proletariat, das nicht gewußt habe, welches Gut die Freiheit ist.[50] Der Faschismus als soziale Erscheinung wurde nicht verbunden mit dem Monopolkapital und seinem Drang nach reaktionären Herrschaftsformen, nach der Beseitigung der Demokratie (eine Tendenz, die der Hilferding des "Finanzkapital" 1910 bekanntlich selbst hervorgehoben hatte), sondern mit der Rückständigkeit der Entwicklung, dem Überwiegen der Agrarbevölkerung, dem niedrigen Kulturniveau, der Psychologie eines Mittelmeervolkes. Kautsky stellte die These auf, die Bedingungen des Aufkommens des Faschismus seien auf "ein besonderes Land und auf einen bestimmten Zeitpunkt beschränkt'" und würden sich "so leicht nicht wiederholen"; in einem industriellen Land, schrieb Kautsky über die faschistische Bewegung, die er als Bewegung von Deklassierten kennzeichnete, "ist eine so große Zahl von Lumpen in den besten Mannesjahren für kapitalistische Zwecke nicht aufzutreiben". Der Vorsitzende der II. Internationale Emile Vandervelde erklärte auf ihrem 3. Kongreß 1928: "überall, wo die Pferdekraft ist, da ist die Demokratie, überall, wo das lebendige Pferd ist, dominiert Faschismus und Absolutismus."[51]

Man verstieg sich in der theoretischen Urheimat des antimarxistischen Revisionismus, den "Sozialistischen Monatsheften", zu wahren Lobgesängen auf den Mussolini-Faschismus, erklärte Mussolini zum Sozialisten, wenn auch nicht Marxscher, so doch "Blanquistischer oder Sorelscher Färbung", rühmte ihn als Vollstrecker der von den "Sozialistischen Monatsheften" seit langem propagierten Idee einer "Kammer der Arbeit" und folgerte: "Er hat gehandelt und hat manches geschaffen, während der zerfahrend, unklar dogmatische Sozialismus nur zerstörend gewirkt hat." Sogar der faschistische Terror wurde noch entschuldigt, denn es bleibe "ein gewaltiger Unterschied, ob Gewalt zu guten oder schlechten Zwecken angewandt wird".[52] Einer der späteren publizistischen Vorkämpfer der Anpassung der Gewerkschaften an die faschistische Diktatur der Nazis, Walter Pahl, nannte den Faschismus nicht nur antiliberal, sondern auch antikapitalistisch, und erklärte, er sei seinem innersten Wesen "der kapitalistischen Großindustrie entgegengesetzt".[53]

Rechtssozialdemokratische Publizisten verstiegen sich bis zu offen rassistischen Argumenten, so wenn Hermann Müller-Brandenburg in der "Neuen Zeit" schrieb, der Kampf gegen das Judentum erhalte unnötigerweise dadurch Nahrung, "daß über die Reichsgrenzen im Osten seit Jahr und Tag Massen von Ostjuden einströmten, deren wir uns erwehren sollten"; die Deutschen hätten nicht die Möglichkeit, sich selbst notdürftig zu ernähren "und haben keinen Anlaß, anderen Staaten die Volksteile abzunehmen, die sie abzustoßen versuchen".[54] Stark verbreitet war die Überschätzung des Einflusses der kleinbürgerlichen Massenbasis der Nazipartei auf deren Politik, die man als Sturm "gegen die hochkapitalistischen Elemente und Erscheinungsformen des Kapitalismus", als eine Rückkehr zu vorkapitalistischen oder doch Vorkriegsverhältnissen deutete, als zugleich "antikapitalistisch und antiproletarisch", als "mißgeleitete Rebellion" der Mittelschichten. Selbst zum linken Flügel tendierende Sozialdemokraten wie Alexander Schifrin, sahen im Faschismus weniger ein Werkzeug des monopolistischen Kapitals als vielmehr "feudal-mittelständische Reaktion" und "Stoßtrupp des Großgrundbesitzes".[55]

Sehr wichtig für das Entstehen und die Anwendung der These vom "Sozialfaschismus" in den kommunistischen Parteien waren neben der praktischen geschichtlichen Erfahrung mit der sozialdemokratischen Regierungspolitik und ihrer Reaktion, die Konterrevolution und den Faschismus nicht nur tolerierenden, sondern oft genug fördernden Haltung (z. B. die Bewaffnung der Freikorps, der militaristischen Keimzelle des Faschismus, durch Noske) auch die theoretische und publizistische Gleichsetzung von Faschismus und Bolschewismus, von faschistischer und kommunistischer "Diktatur", die bereits Mitte der zwanziger Jahre in der gesamten sozialdemokratischen Presse- besonders in Deutschland zur täglichen Übung geworden war. Einer der Führer der österreichischen Sozialdemokratie, Julius Deutsch, nannte den Faschismus einen "Bolschewismus der Tat"; Arthur Crispien erklärte in seiner Eröffnungsansprache auf dem Berliner Parteitag der SPD 1924: "Der Bolschewismus endet im Faschismus. Das sehen wir in Ungarn, in Italien und auch in Rußland, wo im Grunde nichts anderes als der Faschismus wütet."[56] Im März 1929 begründete der "Vorwärts" die sozialdemokratische Ablehnung, an dem unter dem Patronat des französischen Schriftstellers und Antimilitaristen Henri Barbusse einberufenen Internationalen Antifaschistischen Kongreß teilzunehmen, u. a. mit dem Satz: "Der Kampf gegen den Faschismus kann nicht in einer Front mit den Vätern des Faschismus geführt werden." In dem gleichen Artikel wurden die Kommunisten ideologisch als "die besten Stützen" des Faschismus bezeichnet.[57] Otto Wels sagte in seiner Eröffnungsansprache auf dem SPD-Parteitag 1931 in Leipzig; "Bolschewismus und Faschismus sind Brüder."[58]

Hinzu kam eine geradezu selbstmörderische Unterschätzung der faschistischen Gefahr, die bis in die letzten Jahre der Weimarer Republik hineinreichte. Momentane Wahlerfolge, die kapitalistische Stabilisierung in den Jahren nach 1924, vorübergehende Stimmeneinbußen der Nazis und der Deutschnationalen genügten, um von einer endgültigen Niederlage des Faschismus zu sprechen. Nicht einmal die Erfahrung des Kapp-Putsches, der Morde an Rathenau und Erzberger, der Förderung faschistischer Umtriebe durch die bayrische Landesregierung und die Reichswehr, der Hitler-Ludendorff-Putsch von 1923 vermochten es, die sozialdemokratischen Führer von ihrem leichtfertigen Optimismus abzubringen. Als nach dem Mord an Rathenau der katholische Kanzler Joseph Wirth ausrief: Der Feind steht rechts!, konnte selbst diese Warnung die sozialdemokratischen Minister und Führer nicht zu einem energischen Vorgehen gegen die faschistische, nationalistische und militaristische Reaktion veranlassen. Der frühere Sodzialdemokrat und spätere bürgerliche Republikaner Konrad Hänisch,- ein Vertrauer Eberts, schrieb nach einer längeren Unterhaltung mit ihm 1923, man müsse von der tiefen Tragik sprechen, die "Ebert, den Erwählten der Revolution, nun auch zum Präsidenten der immer stärker heraufziehenden Gegenrevolution hatte werden lassen."[59]

Charakteristisch für die kaum glaubliche Unterschätzung faschistischer Gefahren und Tendenzen ist z. B. die Stellungnahme des sozialdemokratischen Parteivorsitzenden Hermann Müller zum Ergebnis der Reichstagswahlen vom Dezember 1924: "Der Kampf um die Diktatur ist in Deutschland ausgekämpft. Die künftige Entwicklung der deutschen Republik wird sich auf dem Boden des demokratischen Parlamentarismus vollziehen. Die Völkischen, die behaupteten, eine Patentlösung für die Gesundung Deutschlands zu haben, haben eine Niederlage erlitten."[60] Selbst als Jahre später die Nazipartei bei den 1929 durchgeführten Landtags- und Kommunalwahlen in einigen Ländern starke Stimmengewinne verzeichnen konnte, sonnte sich der "Vorwärts" im Oktober 1929 in der selbstherrlichen Gewißheit, die SPD sei schon "mit ganz anderen Gegnern fertig geworden"; diese rechtsradikalen Bewegungen glichen Rinnsalen, die zu normalen Zeiten träge dahinschleichen, aber sich bei schlechtem Wetter zu reißenden Großbächen verwandeln, die allerhand Trümmer und Unrat mit sich fortschwemmen: "Dauernden Schaden haben sie niemals anzurichten vermocht."[61] In einem anderen Kommentar hieß es: "Durch das Gespenst des Faschismus darf man sich nicht einschüchtern lassen. Es sind in Deutschland Kräfte genug vorhanden, die Demokratie durchzusetzen."[62] Es blieb bei diesen Bekundungen eitler Selbstzufriedenheit. Sogar als die Gefahr bereits tödlich war, weigerte man sich noch immer, diese Kräfte ernsthaft zu mobilisieren und in den Kampf zu fuhren. Über diese Haltung in den letzten Jahren der Weimarer Republik wird gesondert zu sprechen sein.

Diese und ähnliche Einschätzungen und Deutungen hingen vor allem damit zusammen, daß die in der deutschen Sozialdemokratie dominierenden Faschismusauffassungen den fundamentalen Zusammenhang zwischen Faschismus und Monopolkapital, zwischen Faschismus und Imperialismus negierten. Die deutsche faschistische Bewegung in Gestalt der Nazipartei wurde nur von der Seite ihrer in den städtischen und agrarischen Mittelschichten wurzelnden Massenbasis gesehen, ihre soziale und antikapitalistische Demagogie wurde für bare Münze genommen. Dagegen wurden die damals ständig an Bedeutung gewinnenden Beziehungen zu einflußreichen großkapitalistischen Kreisen, ihre Finanzierung durch diese Kreise, die Tatsache, daß die Nazipartei nach dem großen Wahlerfolg vom September 1930 als chauvinistische und gegen die gesamte Arbeiterbewegung mobil machende Rechtspartei für die inneren wie äußeren Ziele und Interessen des monopolistischen Kapitals sprunghaft an Attraktivität und Gewicht gewonnen hatte, geleugnet oder bagatellisiert.

Ebenso wurde der Umstand unterschätzt, daß die Nazipartei, infolge ihres Wahlerfolgs, zum offiziellen und umworbenen Verbündeten der bis dahin wichtigsten politischen Repräsentantin der deutschen Schwerindustrie und des junkerlichen Großgrundbesitzes, der Deutschnationalen Volkspartei, geworden war. Dieses Bündnis war im Oktober 1931 in Bad Harzburg durch Bildung der "Harzburger Front" formalisiert worden. Um dieselbe Zeit hatte Reichspräsident von Hindenburg den Nazichef Hitler erstmals in offizieller Audienz empfangen. Gleichfalls Ende 1931/Anfang 1932 war das wachsende Interesse und die zunehmende Sympathie führender monopolkapitalistischer Kreise für die Nazis vor aller Öffentlichkeit demonstriert worden.

Am 9. Dezember 1931 war Hitler mit den Ruhrindustriellen Thyssen, Vogler und Stinnes zusammengetroffen. Thyssen war der Nazipartei beigetreten, Vogler war Mitglied des Keppler-Kreises (späterer Freundeskreis Reichsführer SS Himmler), der wichtigsten Verbindungsstelle zwischen der Naziführung und dem Großkapital geworden. Am 27. Januar 1932 schließlich hatte Thyssen jene Zusammenkunft mit Hitler im Düsseldorfer Industriellenclub arrangiert, an der die einflußreichsten und mächtigsten Männer des deutschen Industrie- und Bankkapitals teilnahmen. Dort hatte Hitler sich dem Kapital als der einzige Retter vor dem "asiatischen Bolschewismus" angepriesen und die "Ausrottung des Marxismus bis zur letzten Wurzel" versprochen. Dafür war er von den Konzernherren mit enthusiastischem Beifall gefeiert worden, was sich bald in hohen finanziellen Zuwendungen niederschlug.

Auch diese an Deutlichkeit nicht mehr zu überbietenden Zeichen der Entwicklung veränderten das herrschende Faschismusbild in der sozialdemokratischen Führung kaum. Der Leipziger Parteitag der SPD 1931, auf dem das Thema des Faschismus zu einem besonderen Tagesordnungspunkt gemacht worden war, brachte im Hinblick auf die Kernfrage der faschistischen Gefahr keine wesentlichen Erkenntnisfortschritte: daß nämlich die Nazipartei infolge ihrer gewaltig gewachsenen Massenbasis für die reaktionären und chauvinistischen Kräfte des Monopolkapitals nicht nur salonfähig, sondern regierungsfähig geworden war, und daß nunmehr die stärksten und einflußreichsten monopolkapitalistischen Kreise für ihre gegen die Arbeiterbewegung im Innern und auf imperialistische Großmachtziele nach außen gerichteten Bestrebungen auf die Naziführung und die Nazipartei setzten und die faschistische Diktatur aktiv vorbereiteten.

Zwar sprach Breitscheid auf dem Leipziger SPD-Parteitag davon, die Nazis suchten vorsichtig "den Anschluß an die kapitalistische Klasse", aber er leugnete ausdrücklich, daß eine nazistische Verbrüderung mit den Kapitalisten "unmittelbar bevorstehe". Einer der führenden sozialdemokratischen Publizisten des rechten Flügels, Ernst Heilmann, schrieb noch im Herbst 1932, er könne sich eine Zusammengehörigkeit von Nazis und Spätkapitalismus überhaupt nicht vorstellen.[63] Wie Fritz Tarnow auf dem Leipziger Parteitag, so sahen die meisten sozialdemokratischen Führer im Nazifaschismus eine, wenn auch mißgeleitete, Form der sozialen Rebellion der bürgerlichen Zwischenschichten.

Ein sehr wichtiges Merkmal der offiziellen sozialdemokratischen Faschismusauffassung war auch die verhängnisvolle Unterschätzung der Beziehungen zwischen Faschismus und Staatsapparat selbst noch in den letzten Jahren der Weimarer Republik. Dies war um so seltsamer und unverständlicher, als das Verhältnis großer Teile der staatlichen Exekutive und des Justizapparats zur Republik seit ihren Anfängen als äußerst zwiespältig und illoyal bekannt war. Dies galt sowohl für die Reichswehr wie für die hohe Verwaltungsbürokratie, die Diplomatie, die Justiz und bedeutende Teile der Polizei (mit teilweiser Ausnahme Preußens und Sachsens). Als bei den Wahlen vom Herbst 1930 die Wähler der bürgerlichen Rechts- und Mitteparteien in hellen Scharen zur Nazipartei überliefen, bedeutete dies, daß die Faschisten jetzt auch auf die Unterstützung eines wichtigen Teils des Staatsapparats und der Beamtenschaft zählen konnten. Die sozialdemokratische Führung war so sehr von illusionären, legalistischen Vorstellungen geblendet, daß sie auch in dieser letzten Phase der Weimarer Republik annahm, der Reichspräsident Hindenburg und die auf die Verfassung vereidigten Beamten des Staatsapparats und der Justiz würden im Ernstfalle die Republik vor dem Ansturm des Faschismus schützen.

Es fanden sich in der Sozialdemokratie auch Gruppen, die diese gefährliche Unterschlagung der faschistischen Bedrohung nicht teilten, die erkannten, daß die ständige Unterwerfung unter die kapitalistischen Interessen in der Koalitation mit den bürglichen Parteien oder durch die spätere Tolerierung der Brüningschen Notverordnungspolitik die Arbeiterklasse und die Demokratie schwächen und der Faschisierung den Weg öffnen mußte. In den Jahren 1929/1930 bildete sich eine -allerdings kleine - Linke heraus, die den Faschismus in seinen Klassenwurzeln richtiger einschätzte und daher auch einsah, daß die Arbeiterklasse ihn nur im energischen Kampf überwinden konnte. Diese Richtung, die sich um die Zeitschrift "Klassenkampf" gruppierte und später die SAP gründete, gehörten u. a. Max Seydewitz, Kurt Rosenfeld, Engelbert Graf an. Max Seydewitz wandte sich Anfang 1930 gegen die Koalitionspolitik der SPD in der Hermann-Müller-Regierung und erklärte, daß diese Politik "zum Schaden der Sozialdemokratie und der Arbeiterklasse ausschlägt und die faschistischen Tendenzen in außerordnetlicher Weise stärkt". Er forderte den Austritt der Sozialdemokratie aus der Koalition, weil nur das "der Sozialdemokratie die reale Macht und Stärke gibt, einen wirksamen Damm gegen die faschistische Gefahr aufzurichten und die proletarischen Forderungen zu verwirklichen".[64]

Nach dem Ausscheiden der SPD-Minister aus der Regierung versuchten die Linken, die SPD für eine entschiedene Haltung gegen den .Faschismus zu gewinnen. So kritisierten sie auf dem Leipziger Parteitag der SPD 1931 die offizielle Analyse des Faschismus und erklärten in einer Resolution: "Der deutsche Nationalsozialismus ist bestimmt durch den Monopolkapitalismus in einem Lande mit feudalkapitalistischer Tradition, in dem der Faschismus Kampfwaffe des herrschenden Monopolkapitals gegen die Arbeiterklasse ist." Zugleich verlangten sie, daß die Sozialdemokratische Partei ihre ganze Kraft einsetze "für die Beseitigung der ökonomischen Ursachen des Faschismus." [65] In ihrem Organ, dem "Klassenkampf", wandte sich der linke österreichische Sozialdemokrat Max Adler gegen die Illusionen über den vom Großkapital beherrschten bürgerlich-parlamentarischen Staat und schrieb: "Der Reformismus sieht nicht ein oder will es nicht zugeben, daß die politische Demokratie bisher gerade darin bestand, die Diktatur der besitzenden Klassen auf demokratischem Wege auszuüben, und daß der Faschismus heute einen solchen Anhang gewinnt, weil die antiproletarischen Klassen die Sicherheit verlieren, ihre Diktatur auch,demokratisch' zu behaupten."[66]

Aber die Linken innerhalb der SPD waren keine einheitliche Gruppierung. Sie konnten sich in ihrer Praxis auch nicht von zahlreichen antikommunistischen Vorbehalten befreien. Ihre Rolle in der SPD sahen sie als Retter der Einheit der Partei vor dem Abschwenken sich radikalisierender und enttäuschter Anhänger und Wähler zu den Kommunisten. Max Adler schrieb später in einem Aufsatz über "Die historische Funktion der linken Opposition": ". . . und wenn sich immer größere Massen in der deutschen Sozialdemokratie infolge der herrschenden Parteipolitik abgestoßen fühlten, so war es durchaus das Verdienst der linken Richtung, wenn nicht alle schon längst die Partei verlassen hatten. Je stärker die Linksrichtung innerhalb der Sozialdemokratie ist, um so mehr erhält sie gerade die revolutionär Lebendigen und vor allem die Jugend bei der Fahne der Partei."[67]

Zur Entwicklung in den letzten Jahren der Weimarer Republik

In den entscheidenden letzten Jahren der Weimarer Republik erhielt die "Sozialfaschismus"-These durch die Koalitionspolitik der sozialdemokratischen Führung und insbesondere durch die Tolerierung der Brüningschen Notverordnungsdiktatur, die dem Faschismus den Weg ebnete, neue Nahrung. Dabei spielten Erlebnisse, die tiefe emotionale Wirkungen hinterließen, wie der Blutmai 1929 in Berlin, eine große Rolle. Das befestigte immer wieder sektiererische Positionen in den Reihen der KPD. Aber obwohl an einigen fehlerhaften strategisch-taktischen Positionen festgehalten wurde, die eine Unterschätzung der faschistischen Gefahr zur Folge hatten und die Herstellung einer antifaschistischen Einheitsfront erschwerten, gingen von der KPD immer wieder und umso nachdrücklicher, je größer die faschistische Gefahr wurde, Initiativen und praktische Schritte für den gemeinsamen antifaschistischen Kampf aus.

Die KPD vertrat mit vollem Recht die Überzeugung, daß der Faschismus nur im entschiedenen Kampf, durch entschlossene Aktionen, in der Abwehr der Angriffe des Kapitals gegen die Arbeiterschaft, durch die Verteidigung der demokratischen Rechte gegen die Verbotsmaßnahmen und Verfolgungen der sich auf diktatorische Vollmachten stützenden Regierungspolitik zurückgeworfen werden konnte. Die KPD erkannte auch klar den Feind, der die Nazipartei gefördert und finanziert hatte, und der sie nun als sein terroristisches Werkzeug gegen die Arbeiterklasse und gegen jede Demokratie einsetzen wollte: die reaktionären und chauvinistischen Kreise des Monopolkapitals. So war die gesamte historische Erfahrung und alle politische Vernunft auf ihrer Seite, wenn sie davon ausging, daß nicht die Tolerierung der schleichenden Faschisierung unter Brüning, nicht der Kurs des Nachgebens und des Paktierens mit dem Kapital, sondern nur das gemeinsame Handeln der Arbeiterklasse den Nazismus besiegen und die Aufrichtung der offenen faschistischen Diktatur verhindern konnte. Das war der Weg des entschlossenen Massenkampfes, der Anwendung der außerparlamentarischen Kampfmittel, über die die Arbeiterklasse verfügt und die bereits 1920 den Kapp-Putsch der Reaktion und des Militarismus niedergeworfen hatten.

In der Praxis des politischen Kampfes, angesichts der faschistischen Bedrohung, überwand die KPD 1932 auch manche Hemmnisse sektiererischer Art, wurde ihr Kurs der antifaschistischen Einheit mit den Sozialdemokraten mehr und mehr befreit von (theoretisch und publizistisch nach wie vor vorhandenen) belastenden Formeln. Das alles förderte aber auf der anderen Seite, bei den sozialdemokratischen Führern, keineswegs die Einsicht, daß nunmehr auch die bürgerliche Demokratie von Weimar ohne die Aktionsgemeinschaft von Sozialdemokraten und Kommunisten, die ihre Wirkung auch auf die kleinbürgerlichen Schichten und bürgerlichen Demokraten nicht verfehlen konnte, nicht mehr zu retten war. Selbst das geringste Zeichen eines positiven Eingehens auf die zahlreichen kommunistischen Einheitsangebote durch die sozialdemokratische Führung hätte - wie es später in Frankreich geschah - die Atmosphäre, das Verhältnis zwischen den beiden Parteien und ihren vielen Millionen Anhängern tiefgehend verändern können. Aber ein solches Zeichen kam ernsthaft nicht einmal nach dem 30. Januar 1933. Hier liegt die Hauptursache für den Sieg des Faschismus in Deutschland.

Zum Verständnis sei die Entwicklung dieser Jahre in knappen Zügen nachgezeichnet. Es wurde schon angedeutet, daß ein Ereignis wie der 1. Mai 1929 unvermeidlich den Graben zwischen Kommunisten und offizieller sozialdemokratischer Politik vertiefen mußte. Seit vierzig Jahren hatte die deutsche Arbeiterklasse am 1. Mai demonstriert und nun hatte ein sozialdemokratischer Polizeipräsident, Zörgiebel, die kommunistische Maidemonstration für Berlin verboten. Als an die 200 000 Berliner Arbeiter diesem Verbot trotzten und aus allen Stadtbezirken versuchten, sich zur Demonstration zu sammeln, tötete die Polizei unter der Befehlsgewalt des Sozialdemokraten Zörgiebel 31 der kommunistischen Demonstranten und verletzte viele Hunderte. Ein damals unter Vorsitz Carl von Ossietzkys gebildeter parteiloser Untersuchungsausschuß kam zu dem Urteil: "Das Verbot der Straßendemonstration am 1. Mai war tatsächlich weder in dem proletarischen Brauch noch in dem Wesen der Verfassung begründet. Die Kommunistische Partei hat keine Toten gewollt und hat die Arbeiterschaft nicht bewaffnet für Zusammenstöße. Die Kommunistische Partei ist also nicht die Schuldige für die Toten am 1. Mai. Das ist unsere feste und freie Überzeugung, und deshalb müssen wir vom Untersuchungsausschuß die Schuld an diesen Unmenschlichkeiten des furchtbaren Blutmai 1929 Herrn Zörgiebel zuschieben."[68]

Es liegt auf der Hand, daß der Blutmai 1929 der "Sozialfaschismus"-These neue Nahrung geben mußte. Einen wichtigen Einschnitt in der Entwicklung, der die faschistische Gefahr mit einem Schlage in ihrer ganzen Größe sichtbar machte, bildeten die Wahlen vom September 1930, bei denen die Nazipartei ihre Stimmen sprunghaft hatte steigern können. Die Reaktion der sozialdemokratischen Führung war die der Beschwichtigung und Selbstberuhigung. Der Parteivorsitzende Hermann Müller erklärte: "In einer ähnlichen Zeit durch Not erzeugter Begriffsverwirrung, im Mai 1924, eroberten die Deutschnationalen 106 Mandate und die völkischen Gruppen 36. Am 14. September (1930) eroberten die Nazis 107 Mandate und die Deutschnationalen 41. Also fast das gleiche Volumen. Die Mannen Hitlers haben die Mannen Hugenbergs aufgefressen und sind dadurch stärker geworden."[69] Noch mehr als ein Jahr später schrieb Friedrich Stampfer im "Vorwärts": "Der Hakenkreuzbewegung steht das Schicksal bevor, das bisher noch alle Bewegungen eines durch Wirtschaftskrisen radikalisierten Mittelstandes gehabt haben: Enttäuschung und Zerfall. Gelingt es, den Damm zu halten, bis die Sturzflut abzuebben beginnt, ist alles gewonnen."[70] Fritz Tarnow erklärte auf dem Leipziger SPD-Parteitag 1931 allen Ernstes, wenn die Nebel der Wirtschaftskrise sich verzogen haben, dann werde sichtbar sein, daß auch in dieser Zeit die sozialistischen Fundamente stärker, die kapitalistischen "schwächer geworden sind."[71]

Bekanntlich begründete die sozialdemokratische Führung ihre Tolerierungspolitik gegenüber der Brüning-Regierung in den Jahren 1930 bis 1932 mit der Taktik des "kleineren Übels". Sie behauptete, die Tolerierung der Notverordnungen des Brüning-Kabinetts würde die parlamentarische Demokratie retten, die Wirtschaftskrise durch drastische Sparmaßnahmen überwinden helfen und so schließlich auch die faschistische Gefahr überwinden. Aber die reale Entwicklung bewies das genaue Gegenteil. Brüning regierte weitgehend auf dem Wege von Notverordnungen, die der Präsident - Hindenburg - kraft Artikel 48 der Weimarer Verfassung erließ. Das Parlament wurde fast völlig ausgeschaltet, demokratische Rechte und Freiheiten wurden durch Verbots- und Verfolgungsmaßnahmen gegen die kommunistische Bewegung außer Kraft gesetzt. Da sich der Sozial- und Lohnabbau der Brüning-Regierung gegen die Arbeiterklasse und die übrigen werktätigen Schichten richtete, die Wirtschaftskrise sich aber ständig vertiefte und immer drückenderes Elend hervorrief, trug die Tolerierungspolitik unvermeidlich dazu bei, die städtischen Kleinbürgermassen und die Bauern in die Arme der Nazis zu treiben.

Die Tolerierung der Brüningschen Notverordnungsmaßnahmen durch die SPD ermöglichte es der Nazipartei und den Deutschnationalen, sich als "konsequente Opposition" gegen diese Maßnahmen zu gebärden und aus der Unzufriedenheit der Werktätigen politischen Gewinn zu ziehen. Der deutschnationale Führer Hugenberg, maßgeblicher Repräsentant der Schwerindustrie und Beherrscher der größten Presse- und Filmkonzerne, enthüllte diesen Mechanismus bereits in einer Rede im März 1932, als er erklärte, durch die Wahl vom September 1930 sei die Sozialdemokratie zur Verantwortung gezwungen worden: "Sie hat jede Notverordnung genehmigt. Sie hat sich damit in ihrer ganzen abschreckenden Nacktheit, Unwahrhaftigkeit und Schuldbeladenheit vor das deutsche Volk gestellt. Durch den Auszug der Opposition (Nazis und Deutschnationale, J.Sch.) aus dem Reichstag ist nachher der ganze entstandene Tatbestand bengalisch beleuchtet worden. Die Wahl Hindenburgs durch die Sozialdemokratie vollendet das Bild. Hätte ich im Sommer die Politik Brünings unterstützt, dann wäre in den Augen der Jugend, der Frauen und aller nach der Idee suchenden und damit den Lauf der Geschichte beeinflussenden Menschen alles, was mit Bürgertum, Wirtschaft, Besitz zusammenhängt, verächtlich geworden. Ein marxistischer Reichspräsident wäre so gut wie sicher. Ebenso eine marxistische Mehrheit im Parlament."[72]

Die sozialdemokratische Führung begründete die Tolerierung der Brüningschen Notverordnungsdiktatur vor allem damit, daß nur so eine faschistische Diktatur vereitelt, daß nur auf diese Weise eine Hineinnahme der Nazipartei in die Regierung verhindert werden könne. Sie behauptete ferner, nur so werde die Republik verteidigt und das parlamentrische System gerettet. Niemand anders als Heinrich Brüning hat später in seinen Memoiren diese Behauptung in allen nur wünschenswerten Einzelheiten widerlegt und er hat obendrein bezeugt, daß die sozialdemokratischen Führer über diese gegenteiligen Tatbestände genau informiert waren. Brüning berichtet dort über seine ständigen Fühlungsnahmen mit Führern der Nazipartei und über seine Absicht, zunächst in einigen Ländern eine Koalition der Zentrumspartei mit den Nazis zu bilden, um später die Nazipartei auch in die Reichsregierung zu nehmen. So verhandelte er sowohl mit Deutschnationalen wie mit den Naziführern über eine parlamentarische Amtsverlängerung der Präsidentschaft Hindenburgs (um Präsidentenwahlen zu vermeiden). Darüber berichtet Brüning, er habe Hugenberg erklärt, daß "wenn die beiden Rechtsparteien (Deutschnationale und Nazipartei, J.Sch.) der parlamentarischen Amtsverlängerung des Reichspräsidenten zustimmen würden, eine sofortige Heranziehung dieser Rechtsparteien zur Regierung unausbleiblich sein würde."[73] Über seine gegen die Verfassung der Republik gerichteten Staatsstreichpläne zur Wiedereinführung der Monarchie - die Präsidentschaft sollte in eine Regentschaft des Hohenzollern-Kronprinzen umgewandelt werden -verhandelte Brüning auch mit der sozialdemokratischen Führung. Über ihre Reaktion hat er berichtet: "Sie ließen durchblicken, daß für sie eine legale Weiterentwicklung bis zur Monarchie kein unüberwindliches Hemmnis sein würde. Es würde ihnen gelingen, ihre Massen schrittweise an diesen Gedanken zu gewöhnen, falls die Alternative gestellt würde: Nazidiktatur oder Monarchie."[74] Offizielle Koalitionsverhandlungen zwischen dem katholischen Zentrum und der Nazipartei fanden nach den Reichstagswahlen vom 31. Juli 1932 statt. Diese Gespräche wurden nach den Wahlen vom 6. November 1932 wieder aufgenommen. Am Tage nach diesen Wahlen hatte der Parteivorsitzende des Zentrums, Prälat Kaas, in einem Aufruf die Bildung "einer starken, volksverbundenen Reichsregierung" gefordert. Darunter konnte aber in dieser Situation nur eine Koalition des Zentrums mit der Nazipartei gemeint sein. Auf der Sitzung des SPD-Parteiausschusses am 10. November 1932 erwähnt der sozialdemokratische Parteivorsitzende Otto Wels den Plan des Zentrums, "ein Notkabinett von Strasser bis Severing" zu bilden, was eine "Rechtsregierung von Nazis und Zentrum unter Duldung der Sozialdemokraten" bedeuten würde.[75]

Man muß hinzufügen, daß die sozialdemokratischen Führer, die regelmäßig mit Brüning verhandelten - Hilferding, Braun, Hermann Müller, Severing -, ihre Anhänger in gefährlichen Illusionen wiegten, obwohl es gelegentlich durchaus realistische Einschätzungen des Brüningschen Notverordnungskabinetts in der sozialdemokratischen Presse gab. So nannte beispielsweise der "Vorwärts" am 12. September 1930 die Brüning-Regierung einen "Schrittmacher des Faschismus" und kam damit der Wahrheit und der Auffassung der KPD sehr nahe. Einer der sozialdemokratischen Vorsitzenden der Gewerkschaften (ADGB), Peter Graßmann, erklärte um die gleiche Zeit, Brüning, Treviranus und andere volkskonservative Politiker träumten davon, "die halbfaschistische Herrschaft aufzubauen."[76] Aber die Führer der SPD schlugen alle derartigen Warnungen in den Wind, unterdrückten jede aktive Strömung des Widerstands gegen den Faschisierungsprozeß und suchten die Massen immer wieder mit der Beschwörungsformel zu besänftigen, die Politik des "kleineren Übels" sei das einzige Mittel, dem Faschismus den Weg zur Macht zu versperren.

Dies zeigte sich besonders drastisch an zwei Ereignissen des Jahres 1932, die den Weg zur Aufrichtung der faschistischen Diktatur wesentlich beschleunigten: das aktive Eintreten der SPD für die Kandidatur Hindenburgs zum Reichspräsidenten im Frühjahr 1932 und das kampflose Abdanken der sozialdemokratisch gerührten Preußenregierung im Zusammenhang mil dem Staatsstreich Papens am 20. Juli 1932. Es genügt, einige der sozialdemokratischen Stimmen zur Hindenburgwahl anzuführen, um die beispiellose politische Blindheit begreiflich zu machen, mit der die SPD-Führung ihren Wählermassen zu suggerieren suchte, ein Bündnis mit der "gemäßigten" Rechten könne den Faschismus verhindern, während in Wirklichkeit diese gemäßigte Rechte und ihre Symbolfigur Hindenburg längst mit Deutschnationalen und Nazis kuhhandelten, um deren Hmneinnahme in die Regierung zu ermöglichen So schrieb der "Vorwärts" am 28. Februar 1932: "Wir sind es Friedrich Ebert schuldig, zu verhindern, daß ein Adolf Hitler auf seinem Stuhl Platz nimmt. Und wenn wir das nur verhindern können, indem wir Hindenburg wählen, dann wählen wir eben Hindenburg.'"" Ernst Heilmann, einer der führenden rechtssozialdemokratischer Publizisten, der später von den Nazis ermordet wurde, feierte das Ja zur Hindenburgkandidatur als "eine der wichtigsten Zielsetzungen der Tolerierungspolitik", als Ausdruck staatsmännischer Klugheit und prophezeite: ". . . unterliegt der faschistische Kandidat dann haben die Nationalsozialisten in Deutschland ihr Spiel endgültig verloren, dann ist ihr Plan des Putsches von oben undurchführbar geworden."[78]

Kaum zehn Monate später war es dieser sozialdemokratische Präsidentschaftskandidat Hindenburg, der zum Vollstrecker eben dieses "Putsches von oben" wurde. Die sozialdemokratische Führung betrog ihre Millionen Wähler und sich selbst, wenn sie die Verfassungstreue Hindenburgs rühmte, wenn Heilmann schrieb, Hindenburg werde niemals "ein Reichspräsident des nationalsozialistischen Verfassungsbruchs und Blutregiments" sein.[79]

Selbst nach dem Staatsstreich in Preußen, als die Pläne einer extrem reaktionären Gruppierung der Schwerindustrie, des Bankkapitals und des Großgrundbesitzes, den Reichspräsidenten Hindenburg zur Berufung Hitlers als Reichskanzler zu drängen, vor aller Welt offenkundig waren, Ende Oktober 1932, wurde in der offiziellen sozialdemokratischen Parteizeitschrift "Das freie Wort" die "unbedingte subjektive Verfassungstreue" Hindenburgs als Hindernis für die Staatsstreichler angepriesen.[80]

Sie hatte es besser wissen müssen und besser wissen können. Das beweist sogar das Urteil des damaligen Reichskanzlers und rechten Zentrumspolitikers Heinrich Brüning, der aus dieser Zeit der Wahlkampagne für Hindenburg berichtet: "Keine Rede in der ganzen Zeit ist mir so schwergefallen wie diese. Die Leute, die zum Teil ohne Mäntel in entsetzlicher Armut und Not dort saßen, mußte ich für die Stimmabgabe für den Reichspräsidenten gewinnen und ihnen beibringen, daß er sie vor einem Verfassungsbruch behüten würde, während ich wußte, daß der Reichspräsident sich gleich nach seiner Wahl gegen sie wenden würde."[81]

Nach dem zweiten Wahlgang zur Präsidentschaftswahl, bei dem er knapp siegte, hatte von Hindenburg die Regierung Papen-Schleicher berufen, die von vornherein als ein Übergangskabinett zur Installierung der offenen faschistischen Diktatur angesehen werden mußte. Papen beeilte sich, die rechtmäßige Regierung des größten Landes im Deutschen Reich, die sozialdemokratisch geführte Preußenregierung, auf dem Wege des Staatsstreichs abzusetzen und einem von ihm ernannten Staatskommissar die Regierungsvollmachten zu übertragen. Das war nicht nur ein eklatanter Rechtsbruch (obgleich sich der von der SPD gewählte Hindenburg ironischerweise den sozialdemokratischen Ministern gegenüber auf den Sozialdemokraten Ebert berufen konnte, der 1923 als Reichspräsident die ebenso rechtmäßigen linkssozialdemokratisch-kommunistischen Länderregierungen in Sachsen und Thüringen durch die "Reichsexekutive" hatte auseinandertreiben lassen), es war auch die bis dahin ernsteste Warnung, daß die Reaktion entschlossen war, das parlamentarische System und die bürgerliche Demokratie vollends zu beseitigen. Der 20. Juli 1932 war somit ein entscheidender Knotenpunkt im Prozeß der Zerstörung der Weimarer Republik, an dem durchaus noch die reale Chance bestand, durch eine vereinte Aktion aller Arbeiterorganisationen und bürgerlich-republikanischer Kräfte die Aufrichtung der faschistischen Diktatur zu verhindern. Aber selbst in dieser ernsten Situation lehnte die Führung der Sozialdemokratie ebenso wie die sozialdemokratischen Führer der Gewerkschaften den dringlichen Appell des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Deutschlands zum gemeinsamen Kampf, zur Durchführung des Generalstreiks gegen den Staatsstreich und gegen die Papen-Schleicher-Regierung ab. Die sozialdemokratische Führung mahnte zu "Ruhe und Ordnung", nannte den kommunistischen Aufruf zum Generalstreik "provokatorisch", vertröstete auf die Wahlen vom 31. Juli und auf ein Urteil des Staatgerichtshofes, den die preußiche Braun-Severing-Regierung angerufen hatte. Der SPD-Parteivorstand billigte die Kapitulation der Preußenregierung und lehnte jede außerparlamentarische Massenaktion gegen den Staatsstreich und den Ausnahmezustand ab. Obwohl der "Vorwärts" noch am 17. Juli prahlerisch gewarnt hatte, wenn sich jemand einbilden sollte, "daß die Oganisationen der Eisernen Front eine Aufhebung der republikanischen Verfassung des Deutschen Reiches dulden würden, dann befände sich dieser Jemand in einem verhängnisvollen Irrtum", und obwohl er in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf den Kapp-Putsch hingewiesen hatte, war nunmehr sein einziges Wort die Vertröstung auf Staatsgerichtshof und Wahlen als die ..zuständigen" Instanzen.[82]

Die sozialdemokratischen Gewerkschaftsführer reagierten ebenso. Sie mahnten zur "Besonnenheit", erklärten, noch sei die Lage in Preußen nicht endgültig entschieden, und beschworen als Antwort die Wahlen. Den Generalstreik lehnten sie mit der Begründung ab, man lasse sich "die Stunde des Handelns" nicht "von Gegnern der Gewerkschaften" vorschreiben. Die Berliner Gewerkschaftsleitung rief zu "Disziplin" und gegen "Provokationen" auf und wandte sich gegen eine von den Kommunisten einberufene Betriebsrätekonferenz. Dabei mußte selbst der "Vorwärts" am Tage nach dem Staatsstreich Papens eingestehen: "In den Versammlungen der ,Eisernen Front', die gestern abend in allen Teilen Berlins abgehalten wurden, herrschte eine Kampfstimmung von solcher Leidenschaftlichkeit und Entschlossenheit, wie wir sie selbst in den letzten Wochen . . . noch nicht erlebt haben."[83] Man muß hinzufügen, daß in den sozialdemokratischen Versammlungen nach dem 20. Juli 1932 jede Kritik an der Kapitualtion der Preußenregierung mit stürmischen Beifall bedacht wurde und daß diejenigen, die die Haltung der Minister und des Parteivorstandes verteidigten, oft genug auf heftigen Widerspruch stießen.[84] Das historische Urteil über diese beispiellose Kapitulation wurde damals in den Spalten der reaktionären Presse vorweggenommen. So schrieb das Blatt des deutsch-nationalen Führers Alfred Hugenberg, später Minister der ersten Hitlerregierung, am 21. Juli: ,,. . . daß die Sozialdemokratie ihre Leute bremst und auf den Wahltag vertröstet, ist erfreulich" und von der "Berliner Börsen-Zeitung" kam am gleichen Tage das Eingeständnis, die "Hauptsorge war, ob Gewerkschaften und Sozialdemokraten den Generalstreik proklamieren würden oder nicht."[85] Der "Vorwärts" rühmte das Ergebnis sozialdemokratischer Kapitulationspolitik noch mit den Sätzen: "Jawohl, in Berlin ist alles ruhig geblieben, aber sie mögen sich nicht täuschen: Nur der Besonnenheit der sozialdemokratischen Führung und ihrer Kaltblütigkeit ... ist dies zu danken!"[86]

So erwiesen sich die wiederholt von der sozialdemokratischen Führung abgegebenen Verprechungen, man werde beim Versuch einer Zerstörung "der Grundlagen der Demokratie" auch die "letzten Mittel" anwenden, als Schall und Rauch. Mancher sozialdemokratische Arbeiter mag in jenen Tagen an die bombastische Erklärung von Otto Wels auf dem Magdeburger Parteitag der SPD von 1929 gedacht haben: "Gelänge es aber den Feinden der Republik, der Demokratie in Deutschland so schweren Schaden zuzufügen, daß kein anderer Ausweg bliebe als die Diktatur, dann sollen Stahlhelm, Nationalsozialisten und ihre kommunistischen Brüder von Moskau wissen: Die Sozialdemokratie und Gewerkschaften . . . würden auch sie zu handhaben wissen. Das Recht der Diktatur fiele ihnen zu und niemand anderen."[87] Nach der Katastrophe der faschistischen Diktatur und des von ihr entfesselten mörderischen Weltkrieges schrieb einer der Befürworter jener Weimarer rechtssozialdemokratischen Politik, Wilhelm Hoegner, die freie Arbeiterbewegung wäre damals "nur noch mit dem Einsatz neuer, gewagter und äußerster Mittel zu retten" gewesen.[88] Aber das waren genau die Mittel, die die Kommunistische Partei der Sozialdemokratie und den Gewerkschaften vorgeschlagen hatte.

Den Versuch der sozialdemokratischen Führung, den Papen-Staatsstreich so zu interpretieren, als wenn man der Provokation durch Papen mit einem besonders klugen Schachzug geantwortet habe, als die sozialdemokratisch geleitete Preußenregierung kampflos abdankte und kapitulierte, hat der damalige Reichstagsabgeordnete der SPD und spätere bayrische Ministerpräsident Wilhelm Hoegner rückblickend so kommentiert: "Die Vorstände der Sozialdemokratischen Partei und der freien Gewerkschaften suchten vergebens ihre Ohnmacht und Entschlußlosigkeit zu bemänteln."[89]

Die Führung der SPD zog auch aus dem Wahlergebnis vom Juli 1932 - die Nazipartei hatte in dieser Reichstagswahl die bürgerlichen Rechts- und Mitteparteien, bis auf das katholische Zentrum, fast völlig aufgesogen und die Zahl ihrer Mandate von 107 auf 230 gesteigert, die SPD war von 143 auf 133 Mandate zurückgegangen, die KPD hatte ihre Mandatszahl von 77 auf 89 erhöht - nicht die Schlußfolgerung, daß nun der Faschismus nur noch durch einen gemeinsamen Kampf mit den Kommunisten aufgehalten werden konnte. Nachdem sie jahrelang an der Spitze der Regierung gestanden und keine einzige der viele Male versprochenen Sozialisierungsmaßnahmen in die Tat umgesetzt hatte; nachdem sie dann jahrelang jeden Lohn- und Sozialabbau der Brüningschen Notverordnungsdiktatur toleriert und ihren Wählern als das "kleinere Übel" angepriesen m hatte; nachem schließlich einer ihrer profiliertesten Wirtschaftspolitiker, Fritz Tarnow, auf dem Leipziger Parteitag 1931 in einer berühmt-berüchtigten Rede begründet hatte, warum Sozialdemokratie und Gewerkschaften in der Krise "Arzt am Krankenbett des Kapitalismus" zu sein hätten, entdeckte die sozialdemokratische Führung im Sommer 1932, also am Tiefpunkt der Wirtschaftskrise, plötzlich den Sozialismus und die Notwendigkeit von Sozialisierungsmaßnahmen.

Paul Löbe sollte im September 1932 im Reichstag (durch dessen Auflösung kam es nicht dazu, das Programm wurde aber breit publiziert) eine Erklärung abgeben, in der die Sozialdemokratie "die Verstaatlichung der maßgebenden und behrrschenden Industrien sowie der Geldinstitute" forderte, "damit die deutsche Wirtschaft planmäßig zum Wohle der Allgemeinheit arbeiten kann."[90] Wilhelm Hoegner schreibt später über diese Anträge: "Die von den wissenschaftlichen Hilfsarbeitern der Reichstagsfraktion ausgearbeiteten Anträge auf Sozialisierung der Kraftquellen und Schlüsselindustrien wurden aus den Schubladen hervorgeholt und im Reichstag eingbracht. Sie wären im Jahre 1919 mit Begeisterung aufgenommen worden, jetzt aber wirkten sie wie Versteinerungen in einem Raritätenkabinett. Niemand traute der jetzt politisch ziemlich einflußlosen Sozialdemokratie den ernsten Willen zu einer Sozialisierung zu, die sie nicht einmal auf dem Gipfel ihrer Macht, im Winter 1918/19, durchgeführt hatte."[91] Einer der Urheber dieser "sozialistischen Aktion", Friedrich Stampfer, hat in seinen Memoiren ihren rein demagogischen und gegen die Kommunistische Partei gerichteten Sinn enthüllt: "Vom Standpunkt der allgemeinen Politik aus kam es mir, aufrichtig gestanden, in diesem besonderen Fall mehr auf die Fixigkeit als auf die Richtigkeit an. Besseres als die Nazis oder die Kommunisten, so dachte ich, würden unsere Sachverständigen schon zusammenbringen... Der... Plan sollte aber noch eine andere Wirkung haben. Er sollte der Sozialdemokratie gegenüber der Kommunistischen Partei die Führung in der politischen Arbeiterbewegung sichern. Gelang es, die Massen für den Plan ins Feuer zu bringen, dann blieb der KPD nur die Rolle des Mitläufers oder die des unfruchtbaren Kritikasters."[92] In Fortsetzung dieser Aktion kündigte der Parteivorsitzende Wels in der Sitzung des SPD-Parteiausschusses vom 16. Dezember 1932, also sechs Wochen vor der Aufrichtung der faschistischen Diktatur, allen Ernstes an, der für März 1933 geplante SPD-Parteitag solle als "Parteitag des sozialistischen Aufbaus" abgehalten werden.[93]

So unglaublich es klingen mag, die sozialdemokratische Führung meinte nach den Wahlen vom 6. November 1932, als die Nazipartei zwei Millionen Stimmen verlor und ihr Höhepunkt überschritten schien, ebenso wie im Zusammenhang mit der Berufung des Vertreters der Reichswehrführung General von Schleicher zum Reichskanzler, mit dem die sozialdemokratische Gewerkschaftsführung eine Kooperation anstrebte, die Aufrichtung der Hitlerkandidatur verhindern zu können. Sie stimmte bereits Jubellieder an, nun sei die nazistische Gefahr gebannt. So schrieb Rudolf Hilferding, einer der Hauptarchitekten der Tolerierungspolitik gegenüber dem Brüning-Kabinett und des kampflosen Rückzugs vor jedem reaktionären Angriff, an der Jahreswende 1932 bis 1933: "Die faschistische Bewegung ist in Deutschland aus der Staatsmacht, deren Ergreifung so unmittelbar bevorzustehen schien, ferngehalten worden dank der Taktik der Sozialdemokratie, die durch ihre Tolerierungspolitik den Zusammenschluß des Bürgertums zu einer reaktionären Masse unter faschistischer Führung vermieden und den Eintritt der Faschisten in die Regierung während des Aufstiegs verhindert hat." Der Wahn, die Nazipartei sei nunmehr "in die Legalität" gebannt, und diese "Legalität", die längst durchbrochen und ausgehöhlt war, könne nicht als Werkzeug der Errichtung einer offenen faschistischen Diktatur dienen, war so stark, daß Hilferding in dem gleichen Artikel die folgende Prognose stellte: "Die Nationalsozialisten aber sind in die Legalität gebannt, die ihnen nur die Wahl läßt, als dienendes Glied in einem Brügerblock den beginnenden Abstieg zu beschleunigen oder ihm in einer Oppostion erst recht nicht zu entgehen, die ihre ungeduldig auf Rettung wartenden Anhänger enttäuscht."[94]

Auf diese Weise wurden die Ergebnisse der Reichstagswahlen vom 6. November 1932 von der sozialdemokratischen Parteiführung in erschreckender Verkennung der faschistischen Gefahr mißdeutet. Denn der Wahlausgang, mit seinen schweren Verlusten für die Nazipartei - sie hatte zwei Millionen Stimmen und 34 Mandate verloren - mußte vielmehr für die zur Aufrichtung der faschistischen Diktatur entschlossenen Kreise des Monopolkapitals ein Warnsignal sein, ihre Anstrengungen zu vervielfachen. Er hätte ein Signal auch für die Arbeiterbewegung sein müssen, alles zu tun, um trotz der bestehenden ernsten Meinungsverschiedenheiten, ein gemeinsames Vorgehen zu erreichen.

Die sozialdemokratische Geschichtsschreibung führt zur Rechtfertigung der Tatsache, daß die sozialdemokratische Parteiführung und die sozialdemokratischen Gewerkschaftsführer alle kommunistischen Angebote zu gemeinsamer Aktion auch in der letzten Phase der Weimarer Republik ablehnte, mit Vorliebe die Haltung der KPD beim preußischen Volksentscheid im Sommer 1931 und den Berlinger Verkehrsarbeiterstreik vom November 1932 an - als Beispiel für ein angebliches Zusammengehen der Kommunisten mit den Nazis. Nun war die taktische Stellung der KPD beim preußischen Volksentscheid 1931 tatsächlich ein schwerwiegender Fehler, der durch den Einfluß der sektiererischen Gruppe um Neumann im Zentralkomitee und durch führende Vertreter der Kommunistischen Internationale (Stalin, Molotow) zustandekam. Die KPD hatte sich zunächst entschieden gegen das von Deutschnationalen und Nazis eingeleitete Volksbegehren und gegen den Volksentscheid zur Auflösung des preußischen Landtags gewandt. Paul Schwenk und andere kommunistische Abgeordnete waren im preußischen Landtag gegen das Manöver der Rechtsparteien aufgetreten. Die Exekutive der Kommunistischen Internationale setzte gegen die vom Politbüro des Zentralkomitees der KPD bereits beschlossene Ablehnung der Teilnahme am Volksentscheid die Änderung dieses Beschlusses durch. Die gesamte sozialdemokratische und bürgerliche Geschichtsschreibung verschweigt aber, und dies muß hinzugefügt werden, daß die KPD vor der Abstimmung einen Brief an die sozialdemokratisch geführte Preußenregierung richtete, in dem sie vier Forderungen zum Kampfe gegen den Faschismus und im Interesse des arbeitenden Volkes vorschlug, von deren Beantwortung sie ihre Entscheidung für oder gegen den Volksentscheid abhängig machte. Der sozialdemokratische Innenminister Carl Severing lehnte es im Namen der preußischen Regierung ab, auf "Bedingungen" auch nur einzugehen.

Ganz anders aber verhält es sich im Falle des Berliner Verkehrsarbeiter-Streiks. Der in diesem Zusammenhang erhobene Vorwurf eines "Zusammengehens" der Kommunisten mit den Nazis, der unzählige Male wiederholt wurde, kann keiner ernsthaften Prüfung der historischen Tatsachen standhalten, und er ist obendrein seit 1975, seitdem nämlich die Protokolle der Beratungen leitender Gremien der SPD 1932-1933 veröffentlicht wurden, durch die zeitgenössischen sozialdemokratischen Zeugnisse selbst ad absurdum geführt worden.

Am 2. November 1932 hatte sich durch Urabstimmung eine große Mehrheit der Berliner Verkehrsarbeiter für den Streik gegen den bereits mehrfach erfolgten Lohnabbau ausgesprochen. Um nicht jeden Einfluß unter den Arbeitern zur verlieren, schlossen sich die Nazis dem Streik aus rein demagogischen Gründen an. Die Kommunisten gingen mit vollem Recht davon aus, daß die Einbeziehung alter Verkehrsarbeiter am besten geeignet sein würde, vor den Nazianhängern die soziale Demagogie der Naziführung zu entlarven. Dem Streikkomitee gehörten auch sozialdemokratische Arbeiter an. Die Beratungen des Parteiausschusses der SPD vom 10. November 1932 beweisen, daß auch unter den Führern der SPD die Berechtigung des Streiks anerkannt, eine Beteiligung der in den sozialdemokratisch geführten Gewerkschaften organisierten Verkehrsarbeiter begrüßt, also die Haltung dieser Gewerkschaften verurteilt wurde. Auf der erwähnten Sitzung äußerten sich mehrere sozialdemokratische Führer - Litke (Berlin), Lipinski (Leipzig), Dietrich (Weimar) - in diesem Sinne. Carl Litke führte u. a. aus: "Wir sind der Meinung, daß das Berliner Wahlresultat" (in Berlin hatten bei der Wahl am 6. November die KPD - 37,7%, die SPD - 23,5%, die Nazipartei - 22,5% der Stimmen erhalten, J.Sch.) "allein beeinflußt wurde durch den Berliner Verkehrsarbeiterstreik. ... Es ist eine Urabstimmung gewesen und der Gesamtverband konnte ihr nicht Folge leisten, weil nicht die 3/4-Mehrheit vorhanden war. Der Gesamtverband wußte doch, daß von 21 000 Mann Belegschaft nur 6 000 freigewerkschaftlich organisiert waren, dann hätte er seine Mitglieder selbst zusammenberufen und sie selbständig abstimmen lassen sollen. Nachdem sich überhaupt 66% für den Streik erklärt hatten, hätten sie bestimmt für den Streik gestimmt, und dann wäre eine klare Entscheidung dagewesen.... Es wäre durch einen sozialdemokratischen Antrag die Möglichkeit vorhanden gewesen, daß der Zwei-Pfennig-Lohnabzug nicht vorgenommen wurde.... Genossen, die Pfeile getragen haben" (das Abzeichen der sozialdemokratischen ,Eisernen Front', J.Sch.) "sind als Streikbrecher angesehen worden und die Genossen, die an Bahnhöfen wohnen, haben ihre Fahnen hereingenommen. Wir haben doch die Parole in die Massen hineingetragen: Schluß mit den Lohnabzügen!"

Im gleichen Sinne äußerte sich auf derselben Beratung der thüringische Vertreter Dietrich (Weimar), der u. a. erklärte: "Lipinski möchte ich sagen, daß wir so etwas wie den Verkehrsstreik nicht mehr ertragen können. Eine Gewerkschaft muß aber in solchen Fällen einen Weg finden. Es geht nicht an, daß weil 150 Stimmen an der vorgeschriebenen Zahl fehlen" (bei der Streikurabstimmung J.Sch.) "wir uns die ganze Sache aus der Hand nehmen lassen.... Es ist notwendig zu sagen, daß wir uns damit vertraut machen müssen, daß wir auf irgendeine Weise aus der Schlichtungsmaschine heraus müssen. Wir können unseren Kollegen nicht zumuten, die Streikbrecher zu machen, das liefert unsere Partei der Vernichtung aus."[95]

Von der sozialdemokratischen Geschichtsschreibung ist geltend gemacht worden, es habe ja auch von Seiten der SPD in den letzten Monaten der Weimarer Republik Bemühungen um eine Einheitsfront gegeben. In der Tat hatte Friedrich Stampfer, der Chefredakteur des "Vorwärts" vor den Wahlen vom 6. November einen offensichtlich nur wahlpropagandistisch und rhetorisch gemeinten Versuchsballon zu diesem Thema steigen lassen. Auf einer Wahlkundgebung hatte er erklärt: "Die Einheitsfront, von der die Kommunisten sprechen, kann erst nach Jahren kommen, wir aber brauchen die Einheitsfront des Proletariats hier und heute. Ich erkläre vor aller Öffentlichkeit, daß wir uns nach dem 6. November" (dem Wahltag) "an die Kommunisten mit der Frage wenden werden: Erklärt Euch, was Ihr tun wollt, um die wahre Einheitsfront zum Schutze der sozialen und politischen Errungenschaften des Proletariats und zur Wiedereroberung verlorener Positionen zu schaffen und kämpfend zum Ziel des Sozialismus vorzumarschieren!"[94] Aber die sozialdemokratische Parteiführung hat weder nach dem 6. November noch vor oder nach dem 30. Januar 1933, als Hitler zum Reichskanzler berufen wurde, der Kommunistischen Partei irgendein offizielles Angebot gemacht, sie hat sich immer darauf beschränkt, die kommunistischen Angebote zum gemeinsamen Kampf schroff zurückzuweisen und sie als "Provokation" zu denunzieren.

In der Beratung des Parteiausschusses der SPD vom 10. November wurde Stampfer wegen seiner Äußerungen auf der Wahlversammlung von zahlreichen Rednern angegriffen, so von Hilferding, Crispien, Mathilde Wurm. Zwar mußten nicht wenige der Sitzungsteilnehmer eingestehen, daß "die Genossen im Lande draußen" den "Wunsch nach einer Einheitsfront sehr lebhaft" äußern.[97] Aber sie blieben bei der Ablehnung aller praktischen Einheitsfrontbestrebungen, und der Parteivorsitzende Wels ließ in seinem Schlußwort daran nicht den geringsten Zweifel, als er u. a. erklärte: "Die Einheitsfront wird wieder proklamiert. Ich habe in der letzten Sitzung schon geagt, die Einheitsfront von den Kommunisten ist eine Täuschung der Arbeiterklasse. . . . Wir ringen um die Seele des Arbeiters. Dazu brauchen wir nicht einen Kampf um die Einheitsfront zu proklamieren; wir sagen das, was wir immer gesagt haben."[98]

Selbst auf den Beratungen der Führungsgremien, die bereits nach Aufrichtung der faschistischen Diktatur stattfanden (am 31. Januar und Anfang Februar 1933), und auf denen einige führende sozialdemokratische Funktionäre sich, wenn auch in vorsichtiger Form, positiver zur Idee der Einheitsfront mit den Kommunisten äußerten, so die Berliner Führer Künstler und Litke, wurden solche Auffassungen strikt abgelehnt. Zu einem Vorschlag Stampfers, der KPD ein Angebot zu machen, erklärte Hilferding, man solle doch endlich "von der fixen Idee der Einheitsfront abkommen."[99]

Das Bild wäre aber nicht vollständig, wenn man nicht hinzufügen würde, daß die sozialdemokratische Führung nicht nur die Angebote der Kommunistischen Partei zu gemeinsamer Aktion ablehnte, sondern, daß sie ihrerseits, trotz vieler gegenteiliger Verprechungen und Proklamationen, jeden eigenen Aufruf zu außerparlamentarischen Aktionen an den entscheidenden Knotenpunkten der Weimarer Entwicklung unterließ. So hatte der "Vorwärts" wenige Tage vor dem Staatsstreich vom 20. Juli in einem Leitartikel verlautbart: "Damit jedermann weiß, woran er ist, möchten wir auch davor warnen, die Aufrufe der KPD zu Protest- und Gewaltstreiks von mehr oder weniger kurzer Dauer aus irgendeinem Anlaß ernst zu nehmen. Wir lassen diese letzte entscheidende Waffe des Proletariats nicht durch Pfuscher abstumpfen. Ob und wann sie einzusetzen ist, darüber entscheiden allein die verantwortlichen Organisationen. Sie werden, wenn es um die Lebens- und Grundrechte der Arbeiter geht, ohne zu zaudern mit der vollen Wucht der Organisationen zuschlagen."[100] Aber diese, in Worten so radikalen "Meister", dachten in keinem Augenblick daran, diese Mittel einzusetzen oder überhaupt zum außerparlamentarischen Widerstand in irgendeiner Form aufzurufen.

Weder nach dem 20. Juli 1932 noch nach dem 30. Januar 1933 ging vom Parteivorstand der SPD und von den sozialdemokratisch geleiteten freien Gewerkschaften auch nur die geringste Initiative in dieser Richtung aus. Wo in den Führungsgremien einzelne Stimmen laut wurden (Aufhäuser, Sender, Litke), die wenigstens die Frage aufwarfen, ob man denn in einer so ernsten Situation nicht doch zu außerparlamentarischen Mitteln greifen müsse, wurden sie von den einflußreichsten Führern - Wels, Hilferding, Leipart - zurückgewiesen oder auf eine unbestimmte Zukunft vertröstet, wobei stets die verfassungrechtlichen Illusionen und die selbstmörderische Unterschätzung der faschistischen Gefahr als Begründung dienten. In der Beratung des Parteiausschusses vom 10. November 1932 fragt die Abgeordnete Toni Sender verzweifelt: "Ihr habt doch schon so oft, auch auf dem Parteitag, von außerparlamentarischen Aktionen geredet, habt Ihr Euch denn dabei gar nichts gedacht?"[101]

Der Parteivorsitzende Wels hatte in derselben Beratung, also zweieinhalb Monate vor Aufrichtung der faschistischen Diktatur, die Antwort mit nicht mehr glaubhafter Beschwichtigung und Selbstberuhigung gegeben: "Vorderhand haben wir noch den rein verfassungsmäßigen Zustand." ... "Wir stehen nicht am Ende der Demokratie. Die Kämpfe, die die Leute fünfmal an die Wahlurne gerufen haben, sagen uns, daß wir am Anfang der Demokratie stehen." ... "Wir haben dann im Laufe der Jahre fünf Schlachten geschlagen unter dem Rufe: Schlagt Hitler! und nach der fünften war er geschlagen." Noch anderthalb Monate vor der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler, in der Beratung des SPD-Parteiausschusses vom 16. Dezember 1932 erklärt Wels: "Ich habe bereits vorhin gesagt, daß ich in bezug auf die weitere Entwicklung der Geschehnisse optimistisch bin, trotzdem ich ein Abflauen der Wirtschaftskrise nicht sehe. Ich sehe aber auch die Katastrophe nicht vor der Tür stehen."[102]

Charakteristisch für den Inhalt der aus dieser Zeit bekannt gewordenen Beratungen in den sozialdemokratischen Leitungsgremien ist nicht nur diese schon gespenstische Unterschätzung der Gefahr des Faschismus, sondern die Tatsache, daß im Bewußtsein dieser Führer - nach den Reichstagswahlen vom November 1932 - die "Gefahr", die Kommunisten könnten die Sozialdemokratie an Wählerstimmen überholen, fast eine größere Rolle spielte, als die Überlegungen, wie die faschistische Bedrohung abzuwehren sei. In der Parteiausschußsitzung vom 10. November spricht Breitscheid davon, daß das Anwachsen der kommunistischen Stimmen der SPD "den stärksten Grund zum Nachdenken" gebe und daß man alles tun müsse, "um ein weiteres Anwachsen der Kommunisten zu verhindern". Künstler, der Vorsitzende der SPD in Berlin, erklärt, in den Arbeiterbezirken ginge die SPD von Wahl zu Wahl zurück, während ein Anwachsen der KPD zu beobachten sei; das läge daran, "daß wir die bessergestellten Schichten bei uns behalten und die Arbeiterschaft, die früher unser Kraftreservoir war, abgestoßen wird." Böchel aus Chemnitz sieht sich zu der dramatischen Warnung veranlaßt: "Wir sind im Endspurt mit den Kommunisten. Wir brauchen nur noch ein Dutzend Mandate verlieren, dann sind die Kommunisten stärker als wir. Wißt Ihr, was das bedeutet? Das wäre der berühmte psychologische Moment für die kommunistische Agitation." Und der Parteivorsitzende Wels faßt diese angesichts der Situation makaber anmutenden Ängste in dem Satz zusammen: "Wir haben festgestellt, daß wir in einem riesenhaften Kampf des Vertrauens den Einzelnen wiedererobern müssen, und wir haben hierbei nur einen wirklich großen Konkurrenten: Das sind die Kommunisten. .. ."[103]

Zu einer Zeit, da bereits intensive Verhandlungen der einflußreichsten Kräfte des Monopolkapitals und Großgrundbesitzes mit Hitler im Gange waren und als der Druck dieser Kreise zur Berufung Hitlers auf Hindenburg ständig zunahm, sah die sozialdemokratische Führung eine neue Gutwetterperiode angebrochen und die Gewerkschaftsführer kooperierten mehr oder weniger offen mit General v. Schleicher. Diese vollständige Verkennung der realen Konstellation der Klassenkräfte und der wahren Absichten der reaktionärsten Kräfte des Monopolkapitals formulierte der "Vorwärts" noch in seiner Neujahrsbetrachtung 1933 in dem Satz: "Bei der Hochfinanz, bei Schwerindustrie und Großgrundbesitz hat der Hitlerismus schon seit längerer Zeit abgewirtschaftet."[104] Das waren die Tage, da in den Villen des Bankiers von Schröder und des Schwerindustriellen Kirdorf die entscheidenden letzten Vorbereitungen für die Berufung Hitlers zum Kanzler getroffen wurden. Und selbst aus der kapitalistischen Presse hätte die SPD-Führung erfahren können, was wirklich gespielt wurde, denn das Sprachrohr der Großindustrie, die "Deutsche Allgemeine Zeitung", hatte bereits am 15. Dezember 1932 geschrieben: "Der Sinn des Kabinetts Schleicher ist, der deutschen Politik eine Atempause von zwölf Wochen zu verschaffen . .., in der zwischen den Inhabern der Gewalt und Hitler verhandelt werden kann."[105]

Doch die offenkundigen Tatsachen und die hinter den Kulissen sich vollziehenden Vorgänge übten keine Wirkung auf die sozialdemokratische Führung aus. Der Gewerkschaftsführer Leipart erklärte in einem Interview, das Kabinett Schleicher solle "in seiner politischen Tätigkeit nicht durch den Widerstand der Arbeiterschaft gehemmt werden". Er rühmte Schleicher als "sozialen General", der "einen Teil unserer Forderungen zu erfüllen" versuche. [106] Daß die Schleicher-Regierung, wie Ernst Thälmann damals sagte, als bloßes,,Platzhalterkabinett" anzusehen war, als ein Kabinett zur "Vorbereitung einer Hitlerkoalition beziehungsweise Hitlerregierung", das konnten oder wollten die sozialdemokratischen Führer nicht sehen.

Daraus resultierte dann auch in logischer Konsequenz ihre Haltung, als der von ihnen als "Garant der Verfassung" gerühmte Hindenburg am 30. Januar 1933 Hitler zum Reichskanzler berief. Selbst in dieser äußersten historischen Krise, angesichts des schwersten Schlages gegen die deutsche Arbeiterbewegung seit ihrem Bestehen, war die sozialdemokratische Führung nicht bereit, ihre legalistischen, verfassungsrechtlichen Illusionen aufzugeben und das kommunistische Angebot, den Machtantritt Hitlers mit dem Generalstreik zu beantworten, zu akzeptieren. Nicht einmal der zaghafteste Versuch der Mobilisierung der Arbeitermassen und der sozialdemokratisch geführten Gewerkschaften wurde unternommen. Auch jetzt warnte die Führung der SPD vor jeder außerparlamentarischen Aktion, riet sie den Millionen ihrer Mitglieder und Wähler, stillzuhalten und abzuwarten und verspielte so die letzte Chance einer erfolgreichen Gegenwehr. Breitscheid brachte am 31. Januar auf der Sitzung des Parteiausschusses der SPD die Meinung der Parteivorstandsmehrheit zum Ausdruck, als er erklärte: "Wenn Hitler den Weg der Verfassung beschreitet, steht er an der Spitze einer Rechtsregierung, die wir bekämpfen können und müssen, mehr noch als die früheren; aber es ist dann eben eine verfassungsmäßige Rechtsregierung.... Es wäre töricht, wenn die Sozialdemokratische Partei und wenn die Arbeiterschaft überhaupt durch irgendwelche ungestümen und voreiligen Aktionen eine Entwicklung, die sich innerhalb der Regierung vollziehen muß, hindern und hemmen würde, wenn sie dazu beitrüge, diese einander widerstrebenden Kräfte zusammenzuschweißen." [107]

Die rechtssozialdemokratische Zeitschrift "Freies Wort" schrieb im gleichen Sinne: ".. . und wer gegen die Regierung Hitler-Papen zur Anwendung nicht verfassungsmäßiger Mittel riete, würde sich moralisch ins Unrecht setzen."[108] Noch einen Schritt weiter ging Friedrich Stampfer, langjähriger Chefredakteur des "Vorwärts", der nach den bereits vom blutigen Terror gegen die Kommunisten begleiteten Wahlen vom 5. März 1933 schrieb: "Sie brauchen nur eine legale Regierung zu sein, dann sind wir selbstverständlich auch eine legale Opposition. Möge sie (die Hitler-Regierung, J.Sch.) von ihrer Mehrheit beschließen lassen, was immer im Rahmen der Verfassung beschlossen werden kann, wir werden uns auf die Rolle des sachlichen Kritikers beschränken, solange, bis uns das Volk eines Tages zu einer anderen Rolle beruft."[109]

Diese Haltung kam auch auf den internen Beratungen der leitenden Parteigremien der SPD am 30. und 31. Januar 1933 zum Ausdruck. Auch jetzt noch, in dieser äußersten Krise der deutschen Arbeiterbewegung, wurde "vor ungestümen und voreiligen Aktionen" gewarnt, wurde betont, die Zeit für außerparlamentarische Aktionen sei nicht gekommen, man dürfe Hitler nicht "den Anlaß geben, die Verfassung zu brechen". Der Gewerkschaftsführer Graßmann warnte in der gemeinsamen Sitzung des SPD-Parteiausschusses mit Vertretern der Reichstagsfraktion und der Eisernen Front am 31. Januar davor, "sich jetzt zu verfrühtem unzweckmäßigem politischen oder gewerkschaftlichen Vorprellen" bereitzufinden, weil man dann "die Gewerkschaften selbst antasten und ihre Führer in Schutzhaft nehmen würde." Selbst auf der Sitzung des sozialdemokratischen Parteivorstands mit den Führern der Gewerkschaften (ADGB) am 5. Februar 1933 erklärte der Gewerkschaftsvorsitzende Leipart, man müsse abwarten "bis ein offener Verfassungsbruch vorliege." Der bereits zitierte Gewerkschaftsführer Graßmann sagte in derselben Beratung, was sich "jetzt politisch ereignet habe, sei immer noch kein Grund zum Losschlagen": "Wir dürften das nicht verfrüht tun, wir befänden uns doch jetzt in einer Situation wie etwa im Juli." (1932, zur Zeit des Papen-Staatsstreichs gegen die preußische Regierung, J.Sch.). "Wir müßten uns jetzt zunächst für die Wahl einsetzen. Das ewige Gerede, daß wir mit den Kommunisten wegen der Einheitsfront verhandeln sollten, macht unsere Leute nur irre."[110] Rudolf Breitscheid hat sich später an diese Sitzung erinnert und in einem Brief an Wilhelm Hoegner den folgenden im Protokoll nicht verzeichneten Ausspruch Graßmanns mitgeteilt: "Graßmann sprach damals das stolze Wort: ,Wir brauchen nur auf den Knopf drücken, dann steht alles still.' Ich habe diesen Satz in den nächsten Tagen noch mehrfach gehört, aber - es ist eben nicht auf den Knopf gedrückt worden."[111]

Das alles gehörte zu den Erfahrungen, die die Mitglieder und Anhänger der Kommunistischen Partei in den letzten Jahren der Weimarer Republik mit der sozialdemokratischen Politik gegenüber Reaktion und Faschismus machen mußten. Es kann die Fehler sektiererischer Art, die die KPD beging, nicht entschuldigen. Es vermag sie aber zu erklären und begreiflich zu machen, warum die "Sozialfaschismus"-These auch in diesen Jahren publizistisch noch aufrechterhalten wurde, obwohl in der politischen Praxis der Kommunistischen Partei längst die energischsten und hartnäckigsten Bemühungen dominierten, eine kämpfende Aktionsgemeinschaft aller Strömungen der Arbeiterklasse und der Arbeiterbewegung gegen die faschistische Bewegung und gegen die Errichtung der offenen faschistischen Diktatur herbeizuführen. Der heutige Leser muß dabei beachten, daß die Wirtschftskrise eine wesentliche Veränderung in der sozialen Zusammensetzung der KPD herbeigeführt hatte, weil die Kommunisten als die aktivsten und opferbereitesten Vertreter der Arbeiterinteressen zuerst von den Unternehmern entlassen worden waren, die sich damit zugleich das Wohlverhalten und Stillhalten der Belegschaften zu sichern suchten.

Eine erfolgreiche Abwehr der faschistischen Gefahr, etwa ein Generalstreik nach dem 20. Juli 1932 oder am 30. Januar 1933, hätte vor allem getragen werden müssen von den noch in Arbeit stehenden, in den großen Betrieben, Verkehrseinrichtungen, Elektrizitätswerken, Büros usw. tätigen Arbeitern und Angestellten. So hing jede Aktion entscheidend von der den sozialdemokratischen Führern folgenden Betriebsarbeiterschaft ab. Nur gemeinsam hätten Kommunisten und Sozialdemokraten (und ihnen wären Millionen parteiloser und christlicher Werktätiger gefolgt) einen politischen Massen- und Generalstrik realisieren können. Die KPD allein war dazu nicht imstande, da insbesondere ihr Einfluß in den Belegschaften vieler Großbetriebe durch die Massenarbeitslosigkeit sehr geschwächt worden war. Im Oktober 1930 war nur noch jedes dritte Mitglied der KPD im Betrieb tätig, im März 1931 nur noch jedes vierte und Ende 1932 gar nur noch jedes neunte, während 1928 noch 55 Prozent der Parteimitglieder in Betrieben gearbeitet hatten.112 Das ist der wichtigste Grund, warum für den Erfolg machtvoller antifaschistischer Aktionen buchstäblich alles von den sozialdemokratisch beeinflußten Teilen der Arbeiterklasse abhing. Deren Handeln aber wurde bestimmt durch die Haltung der Führer von SPD und Gewerkschaften. Daher war unter den konkreten geschichtlichen und soziologischen Bedingungen die Verantwortung der sozialdemokratischen Führung so groß.

Daß die KPD ihre Einheitsfrontangebote an die Sozialdemokratie zum gemeinsamen antifaschistischen Kampf ehrlich meinte, ist unwiderlegbar und wird vor allem durch zahlreiche, bisher leider viel zu wenig von der Lokalgeschichtsschreibung untersuchte, gemeinsame Aktionen insbesondere in der unmittelbaren Abwehr terroristischer Überfälle von SA und SS in Arbeitervierteln bewiesen. Ernst Thälmann sagte dazu in einer Unterredung mit sozialdemokratischen Arbeitern am 8. Juli 1932: "Täglich mordet die braune Pest unsere Genossen, schlägt unsere besten Kämpfer nieder, unternimmt provokatorische Angriffe auf unsere Parteihäuser; in den Gefängnissen schmachten Tausende unserer Genossen, die den wehrhaften Kampf gegen das faschistische Verbrechertum führten. Das Hitlersche Offiziers- und Prinzenpack hat erklärt, daß es die kommunistische Bewegung, das sind viele Millionen revolutionärer Männer und Frauen, ausrotten, hängen, köpfen und rädern will. Und angesichts dieser Tatsache, angesichts der drohenden Gefahr, daß aus Deutschland ein Land des Galgens und des Scheiterhaufens wird, sollten wir Kommunisten die antifaschistische, proletarische Einheitsfront nicht ehrlich meinen?"[113]

Seit dem April und Mai 1932, seit Bildung der "Antifaschistischen Aktion", war die KPD praktisch bestrebt, die sozialdemokratischen Werktätigen - als Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei - für den gemeinsamen Kampf zu gewinnen und auch zu einer Zusammenarbeit mit den sozialdemokratischen Organisationen zu kommen. Das fand in außerparlamentarischen Abwehraktionen, aber auch im Verhalten der kommunistischen Fraktionen in den Parlamenten seinen Ausdruck. So stimmte die KPD-Fraktion nach der Neuwahl des preußischen Landtags zusammen mit der Sozialdemokratie und den bürgerlich-demokratischen Parteien alle Anträge der Nazis und Deutschnationalen nieder. Die kommunistische Fraktion bemühte sich, die Wahl eines Nazis zum preußischen Landtagspräsidenten zu verhindern und erklärte sich bereit, für ein Präsidium aus Abgeordneten der Sozialdemokratie und des Zentrums zu stimmen und selbst auf die Beteiligung am Präsidium zu verzichten, wenn SPD und Zentrum keinen Nazi oder Deutschnationalen ins Präsidium wählen wurden. Es war das Zentrum, das die Wahl des Nazis Hanns Kerrl zum Landtagspräsidenten ermöglichte. Im Juli 1932 forderte die KPD im preußischen Landtag, das von der Reichsregierung ausgesprochene Verbot des sozialdemokratischen "Vorwärts" und des Zentrumblattes "Kölner Volkszeitung" durch die Preußenregierung nicht auszuführen. Aber SPD und Zentrum beteiligten sich nicht einmal an den Abstimmungen zum Schutze ihrer eigenen Zeitungen. [114]

Im Lagebericht des Reichsministeriums des Innern vom 16. Juli 1932 -also noch vor dem Papen-Staatsstreich gegen die Preußenregierung -besitzen wir ein unfreiwilliges Zeugnis dafür, wie ernst es die Kommunisten mit den Angeboten zu gemeinsamer Aktion gegen den Faschismus meinten, und wie von unten her auch in der sozialdemokratischen Organisationen die Stimmung für ein Zusammengehen im Kampf anwuchs. "Im ganzen Reiche", heißt es da, "gehen die praktischen Einheitsfrontaktionen weiter. SPD-Betriebsräte erscheinen als Delegierte ihrer Kameraden in kommunistischen Versammlungen; in Duisburg erörterten Funktionäre der Eisernen Front im Parteibüro der KPD Einheitsfrontmaßnahmen. Gemeinsame Sargwachen und Beteiligungen bei Beerdigungen sind schon überall die Regel, ebenso wie bei oder nach nationalsozialistischen Aufmärschen regelmäßig wirklich überparteiliche Demonstrationen veranstaltet werden. Sozialdemokraten erscheinen bei den vielerorts veranstalteten antifaschistischen Kongressen der KPD, wenn auch noch nicht in der von der KPD erhofften Zahl; Gewerkschaftsfunktionäre erklären, daß man die entgegengehaltene Bruderhand der KPD nicht zurückweisen dürfe, und äußern Kritik an der Politik von SPD und ADGB. Die Duisburger,Volksstimme', SPD-Organ, begrüßte das Zustandekommen der Einheitsfront, die spontan von unten her kommen würde. Hilferding rühmte in einer Essener Rede, daß bei der Demonstration im Berliner Lustgarten die Kommunisten in ,vorbildlicher Disziplin' mitmarschiert seinen usw. usw."[115] Die Appelle zum gemeinsamen Kampf und zum Generalstreik, die die Kommunistische Partei am 20. Juli 1932 und am 30. Januar 1933 an die Sozialdemokratische Partei und an den Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund richtete, enthielten keinerlei Bedingungen, ihre Forderungen waren rein antifaschistischer und allgemein demokratischer Natur. Dennoch wurden sie von den Führungen beider Organisationen abgelehnt, womit die Geschicke nicht nur des deutschen Volkes, sondern ganz Europas für die folgenden zwölf Jahre in die Richtung der furchtbarsten Barberei und des mörderischsten Krieges der Menschheitsgeschichte gelenkt wurden.

Bekanntlich gelang es innerhalb der KPD auch nach der Aufrichtung der faschistischen Diktatur nicht sofort, das Zusammengehen mit den sozialdemokratischen Gruppen und einzelnen Sozialdemokraten in der Illegalität dadurch zu erleichtem, daß Formeln wie die von der Sozialdemokratie als "soziale Hauptstütze der Bourgeoisie" oder selbst die "Sozialfaschismus"-These überwunden wurden. Das war ein ernster Fehler, der vom VII. Weltkongreß der Komintern und vom Brüsseler Parteitag einer rücksichtslosen Selbstkritik unterzogen wurde, wie wir bereits gesehen haben. Doch vermag auch hier der geschichtliche Hintergrund manches zu erklären. Es wurde gezeigt, mit welchen legalistischen Illusionen die Führer der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften die Aufrichtung der faschistischen Diktatur begleiteten, wie sie ihre Mitglieder und Anhänger zum Stillhalten aufriefen. Aber das war nicht alles. Nicht wenige der sozialdemokratischen Führer glaubten allen Ernstes, sich der Nazidiktatur anpassen zu können und dadurch die Existenz ihrer Organisationen zu retten. Am 20. März 1933 erklärte Leipart, der sozialdemokratische Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes, in einer an Hitler gesandten Denkschrift die grundsätzliche Bereitschaft, im faschistischen Staat mitzuarbeiten. Der Vorstand des ADGB gab eine ähnliche Erklärung ab. In einem Brief vom 29. März bot Leipart der Hitlerregierung an, die Verbindung der Gewerkschaften zur SPD aufzugeben, nicht mehr auf die Politik des Staates einwirken zu wollen und mit den Unternehmern "zwecks Lösung sozialer Fragen" zusammenzuarbeiten. In einem Aufruf vom 19. April begrüßte der sozialdemokratische Vorstand des ADGB den demagogischen Betrug der Naziregierung, den 1. Mai zum "Tag der nationalen Arbeit" zu machen und empfahl seinen Mitgliedern an den faschistischen Maifeiern teilzunehmen.[116]

Im Organ des Bundesvorstands der Gewerkschaften, der "Gewerkschaftszeitung", erschien am 29. April 1933 ein von Walter Pahl gezeichneter Artikel "Der Feiertag der Arbeit und die sozialistische Arbeiterschaft", in dem es u. a. hieß: "Vom Nationalsozialismus unterschied uns keine andere Rangordnung der Werte Nation und Sozialismus, sondern lediglich eine andere Prioritätsordnung. . . . Wir brauchen wahrhaftig nicht ,umzufallen', um zu bekennen, daß der Sieg des Nationalsozialismus, obwohl er gegen eine Partei errungen wurde, die uns als Träger der sozialistischen Idee galt, auch unser Sieg ist, insofern die sozialistische Aufgabe heute der ganzen Nation gestellt ist. Der 1. Mai 1933 findet die Besiegten aufrecht und in dem stolzen Bewußtsein, daß die Sieger den Tag, den sie bisher in proletarischer Verbannung feiern mußten, zum Tag der Nation erhoben haben."[117]

Natürlich konnten diese Bekundungen eines bis zur Selbstaufgabe getriebenen Opportunismus die Nazis nicht überzeugen. Am 2. Mai wurden die Gewerkschaftshäuser von SA-Trupps besetzt, das Eigentum beschlagnahmt, viele Gewerkschaftsfunktionäre in die Konzentrationslager geworfen, in denen bereits Hunderte Kommunisten und Sozialdemokraten ermordet und Zehntausende gefoltert worden waren. Aber selbst das hinderte einen großen Teil der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion nicht daran, sich der faschistischen Diktatur in ähnlicher Weise anzubiedern, beschämende Vorgänge, die die sozialdemokratische Geschichtsschreibung weitgehend bemüht gewesen ist, herunterzuspielen.

Am 23. März 1933 hatte der Reichstag mit den Stimmen aller bürgerlichen Parteien das Hitlersche Ermächtigungsgesetz beschlossen, das einer Außerkraftsetzung der Weimarer Verfassung gleichkam, da es der Hitlerregierung ermöglichte, ohne Zustimmung des Reichstages Gesetze zu erlassen, das Staatsbudget ohne das Parlament zu verabschieden, jederzeit selbst Gesetze verfassungsändernden Charakters zu verkünden. Die sozialdemokratische Fraktion stimmte gegen das Ermächtigungsgesetz, zweifellos eine mutige Tat. Aber zugleich bekannte sich Otto Wels als Sprecher der sozialdemokratischen Fraktion zur Hitlerschen These von der "Gleichberechtigung" Deutschlands und wandte sich gegen "Übertreibungen" der ausländischen Presse in ihrer Berichterstattung über den Naziterror, obwohl er und seine Fraktionskollegen genau wußten, daß die Forderung nach "Gleichberechtigung" im Munde Hitlers reine Demagogie war, die der Verhüllung seiner Kriegspläne diente. Wels fand auch kein Wort des Protestes gegen das verfassungswidrige Verbot der Kommunistischen Partei und gegen den gesetzwidrigen Raub der kommunistischen Reichstagsmandate, ganz zu schweigen von einem Protest gegen den nazistischen Terror, dem bereits viele Kommunisten und Sozialdemokraten zum Opfer gefallen waren.

Die Rede von Wels enthielt das offizielle Angebot einer loyalen Mitarbeit der Sozialdemokratischen Partei, ein Angebot, auf das sich später der Teil der Reichstagsfraktion unter Führung Paul Lobes zu stützen suchte, der die Anpssung und Unterwerfung noch weiter treiben wollte, weil er allen Ernstes glaubte, so die legale Existenz der Sozialdemokratie unter dem Hitlerfaschismus retten zu können. Man muß aber auch anführen, daß der Parteivorsitzende Wels selbst in einer internen Beratung des sozialdemokratischen Parteiausschusses am 14. März es für möglich hielt, die Sozialdemokratie den braunen Machthabern gegenüber als "Aktivposten jeder deutschen Regierung im Auslande" anzupreisen und hinzuzufügen: "Es fragt sich nur, ob die neue Regierung den Aktivposten für sich nutzbar machen wird."[118]

Am 10. Mai 1933 war dann auch das gesamte sozialdemokratische Parteivermögen beschlagnahmt worden, alle sozialdemokratischen Zeitungen waren verboten, die sozialdemokratischen Abgeordneten verfugten bereits über die Erfahrung der Gleichschaltung der Gewerkschaften, viele ihrer Fraktionskollegen waren verhaftet oder hatten emigrieren müssen. Obwohl sie all dies wußten, versuchte ein beträchtlicher Teil der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion, sich dem faschistischen Regime einzuordnen und ihm seine Loyalität zu bekunden. In der Reichstagssitzung am 17, Mai 1933 stimmten alle anwesenden 65 sozialdemokratischen Parlamentsabgeordneten - ebenso wie die Abgeordneten der bürgerlichen Parteien - dem von Hitler vorgetragenen außenpolitischen Programm ohne Diskussion zu, obwohl sie sich völlig darüber klar sein mußten, daß sie nur dem Ausland gegenüber als Feigenblatt dafür hatten herhalten müssen, Hitlers und Nazideutschlands "friedliche" Absichten zu bezeugen und. die längst entwickelten Pläne zur Aufrüstung und Vorbereitung eines Krieges durch die Forderung nach "Gleichberechtigung" zu tarnen.[119]

Aber selbst das war noch nicht alles. Am 19. Juni 1933 wurden auf Betreiben Paul Lobes alle jüdischen Mitglieder aus dem sozialdemokratischen Parteivorstand abgewählt. Die Gruppe um Lobe distanzierte sich von den nach Prag emigrierten Mitgliedern des SPD-Parteivorstandes. Als Friedrich Stampfer versuchte, die Empörung der internationalen Öffentlichkeit und insbesondere der ausländischen sozialdemokratischen Parteien mit dem Argument zu besänftigen, die Abstimmung der 65 sozialdemokratischen Parlamentsabgeordneten sei nur "unter dem sichtbaren und fühlbaren Nahen einer neuen Terrorwelle" erfolgt, wurde dies durch Lobe ausdrücklich zurückgewiesen. Paul Lobe versicherte im preußischen Innenministerium, "daß er als Verhandlungsleiter der Fraktionssitzung der SPD diese Veröffentlichung Stampfers nicht billige und erkläre, daß die Entschließung der sozialdemokratischen Reichstagsfraktion ohne Zwang aus sachlichen Erwägungen erfolgt sei. Ausschlaggebend sei die Erwägung gewesen, daß die Regierung der nationalen Erhebung sich für einen unbedingten Friedenswillen, für eine Gleichberechtigung Deutschlands und für eine allgemeine Abrüstung unserer Gegner eingesetzt habe. Lobe legte auch eine am 17. Mai gedruckte Erklärung des Fraktionsvorstandes der SPD vor, die damals schon die Zustimmung der Fraktion aus den gleichen Erwägungen begründete."[120]

In den Begründungen, die der emigrierte Teil des sozialdemokratischen Parteivorstands und der Reichstagsabgeordneten für die Ablehnung dieser Stellung der in Deutschland gebliebenen Abgeordneten gab, spielte der Antikommunismus nach wie vor eine hervorragende Rolle. In dem Memorandum des Prager Parteivorstands vom 3. Juni 1933 hieß es u. a.: "Wir sind der Überzeugung, daß die Partei nicht länger im Stadium des Zögerns und Stillhaltens verharren darf, wenn sie nicht der Vernichtung ihrer organisatorischen Grundlagen durch den Faschismus ihre politische Abdankung im Bewußtsein der Arbeiter und der Weltöffentlichkeit folgen und den Kampf gegen den Faschismus ausschließlich den Kommunisten überlassen will." Wenige Tage später sagte Wels in einer Besprechung mit Vertretern des Berliner Parteivorstands und der Gruppenvertrauensleute in Prag: "Jetzt sehe man in Europa nur eine kommunistische Opposition in Deutschland."[121]

Nach der Katastrophe hat der sozialdemokratische Parteivorsitzende Wels vor der Konferenz der Sozialistischen Arbeiter-Internationale in Paris im August 1933 allein die Ungunst der inneren und äußeren Bedingungen für den Sieg des Faschismus verantwortlich gemacht. Derselbe Wels, der sich bis in.die letzten Wochen vor der faschistischen Diktatur so "optimistisch" geäußert hatte, der erklärt hatte, man stehe erst "am Anfang der Demokratie", der vor wenigen Jahren triumphierend verkündet hatte, wenn es notwendig sein sollte, würde der Sozialdemokratie das "Recht auf die Diktatur" zufallen, er erklärte nun vor der Weltöffentlichkeit: "Wir waren getrieben durch den Zwang der Verhältnisse in stärkerem Maße als die Parteien irgend eines anderen Landes. Wir waren wirklich nur Objekt der Entwicklung."[122] (Hervorhebung vom Autor, J.Sch.) Es war eine der furchtbarsten Bankrotterklärungen in der Geschichte der Arbeiterbewegung. Wohlgemerkt, eine Partei, die jahrelang an der Regierung gewesen war, die Regierung geführt hatte - war "nur Objekt der Entwicklung." Unbewußt war die Antwort auf einer der Beratungen des sozialdemokratischen Parteiausschusses ein dreiviertel Jahr vorher von einem anderen führenden Sozialdemokraten - Lehmann aus Breslau -vorweggenommen worden. Auf dieser Sitzung am 10. November 1932 hatte Rudolf Hilferding erklärt: "Wenn wir wieder mal die Macht bekommen, dann muß es wirklich Macht sein." Und Lehmann hatte ihm geantwortet und damit den Kern der gesamten Weimarer Entwicklung der Sozialdemokratie getroffen: "Unsere Wähler werden sagen: Ihr habt ja doch einmal die Macht besessen, und wenn wir ihnen nun erklären würden: ,Wenn wir wieder mal an die Macht kommen, dann .. .', dann wird sofort der Einwand kommen: ,Warum habt Ihr sie nicht gebraucht, als Ihr sie hattet?'"[123]

Man muß alle diese Tatsachen kennen, um zu wissen, warum es selbst nach der Aufrichtung der faschistischen Diktatur nicht leicht war, die tief eingewurzelten Vorbehalte gegen die sozialdemokratischen Führer in den Reihen der KPD zu überwinden. Nur auf diesem Hintergrund wird die "Sozialfaschismus"-These überhaupt verständlich. Sie hat zweifellos die Herstellung einer gemeinsamen Front gegen den Faschismus erschwert. Aber sie war nicht die Ursache, sondern die Raktion auf die sozialdemokratische Politik seit dem August 1914 und seit der Novemberrevolution 1918. Sie war falsch und schädlich, weil sie die Differenzierung zwischen den Kräften des Faschismus und der bügerlichen Demokratie erschwerte, weil sie die in der Arbeiterklasse wurzelnde soziale Basis der Sozialdemokratie verkannte und weil sie es den rechten sozialdemokratischen Führern erleichtern mußte, ihre Politik der Klassenzusammenarbeit und des kampflosen Rückzugs vor Reaktion und Faschismus vor ihren eigenen Anhängern zu verschleiern und zu entschuldigen. Dieser Fehler wurde in der Praxis der KPD bereits seit der Proklamation der "Antifaschistischen Aktion" im Frühjar 1932 überwunden und gehörte seit der Zeit der Vorbereitung des VII. Weltkongresses der Kommunistischen Internationale 1934 endgültig der Vergangenheit an.

Schleifstein, Josef: Die "Sozialfaschismus"-These. Zu ihrem geschichtlichen Hintergrund, Frankfurt am Main 1980

Zum Thema sh. auch:
Hermann Duncker, Engels' Mahnruf, 1927
Wie die deutsche Sozialdemokratie Engels fälschte

Anmerkungen:

Es handelt sich hier um die erweiterte und an einigen Stellen leicht veränderte Fassung eines Aufsatzes, der im Band l des Nachdrucks der Wirtschaftsberichte von Eugen Varga in der Internationalen Pressekorrespondenz und der Rundschau (Eugen Varga, Wirtschaft und Wirtschaftspolitik, Vierteljahresbericht 1922-1933, Hrg. von Jörg Goldberg, Verlag das europäische Buch, Westberlin 1977) erschienen ist.

1 Dokumente und Materialien zur Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Reihe II - Bd. 2, Dok. 152, S. 365, Berlin/DDR 1957.
2 Ebenda, Dok. 250, S. 593/594.
3 A. a. O., Bd. VII - 1. Halbband, Dok. 12, S. 32, Berlin/DDR 1966.
4 Ebenda, Dok. 118,8.232.
5 A. a. O., Reihe II - Bd. 2, Dok. 147, S. 357.
6 Ebenda, Fußnote.
7 Geschichte der deutschen Arbeiterbewebung, Bd. 5, Berlin/DDR, Dokumente S. 458/459.
8 Zit. in: R. Palme Dutt, Fascism and Social Revolution, S. 137, London 1934 (aus dem Englischen rückübersetzt, J.Sch.).
[...]
46 R. Palme Dutt, Fascism and Social Revolution, S. 172, A History of Hungary ed. by Ervin Palm<§nyi, Budapest 1973, S. 467 f.
47 Ebenda, S. 173.
48 Ebenda.
49 Ebenda, S. 267.
50 Die Ausführungen in diesem Abschnitt stützen sich weitgehend auf die Habilitationsschrift von Helmut Arndt an der Karl-Marx-Universität Leipzig — Oktober 1970: "Zum Faschismusbild der deutschen Sozialdemokratie (1922-1939) - Eine ideengeschichtliche Abhandlung." Auch viele nachfolgende Zitate sind dieser Arbeit entnommen. Vgl. auch: Protokoll des Kieler Parteitages der SPD 1927, S. 178, 238.
51 Karl Kautsky, Die materialistische Geschichtsauffassung, Bd. 2, S. 478, Berlin 1927; 3. Kongreß der SAI, Berichte und Verhandlungen 2. Bd. (Abt. V-IX), Zürich 1928, S. VII/22.
52 Wally Zappler, Faschismus und Sozialismus in: Sozialistische Monatshefte, 29. Jg., Bd. 60, 1923/Heft 9, S. 599.
53 Walter Pahl, Der italienische Fascismus und der internationale Sozialismus, in: Sozialistische Monatshefte, 34. Jg., 66. Bd., 1928/ Heft 6, S. 490 ff.
54 H. Müller-Brandenburg, Die deutsch-völkische Bewegung, Die Neue Zeit, 42. Jg., Heft 18, 1923, S. 438.
55 Die Gesellschaft, VIII. Jg. 193 l/Heft 5, S. 407.
56 Protokoll des Berliner Parteitages der SPD 1924, S. 49.
57 Vorwärts vom 29.3.1929.
58 Protokoll des Leipziger Parteitages der SPD 1931, S. 19.
59 K. Heanisch, Friedrich Ebert, zit. in: H. Arndt, a. a. O., S. 73.
60 Vorwärts vom 8.12.1924.
61 Ebenda vom 27.10.1929.
62 Die Gesellschaft, VI. Jg., 1929/Heft 4, S. 313.
63 Protokoll des Leipziger Parteitages der SPD 1931, S. 97, 99.
64 Der Klassenkampf, 4. Jg., 1930/Heft l, S. 5; ebenda, Heft 3,
65 Der Klassenkampf, Sonderheft 1931, Das Ergebnis des Leipziger Parteitages, S, 29.
66 Der Kampf, Jg. 1932/Heft 2, S. 75.
67 Ebenda.
68 Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung Bd. 4, Dok. 61, S.510 ff.
69 Jahrbuch des deutschen Sozialdemokratie für das Jahr 1930, S. IV.
70 Vorwärts vom 3.12.1931.
71 Protokoll des Leipziger Parteitages der SPD 1931, S. 50.
72 Berliner Lokalanzeiger vom 2.3.1932.
73 Heinrich Brüning, Memoiren 191&-1934, S. 460 ff, S. 504, Stuttgart 1970.
74 Ebenda, S. 461-462.
75 Hagen Schulze, Anpassung oder Widerstand?, Bonn-Bad-Godes-berg 1975, S. 17, S. 25.
76 Vorwärts vom 20.7.1930.
77 Ebenda vom 28.2.1932.
78 Das freie Wort, Jg. 1932/Heft l, S. 3-4.
79 "Eiserne Front" vom 7.2.1932, zit. in: Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung Bd. 4, Dokument 85, S. 565 f.
80 Zit. in: Hagen Schulze, a. a. O., S. 55.
81 Heinrich Brüning, a. a. O., S. 537.
82 Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung Bd. 4, Dok. 99, S. 585 f.
83 Ebenda, S. 358-359.
84 Hagen Schulze, a. a. O., S. 18, Fußnote.
85 Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung Bd. 4, S. 358-359.
86 Ebenda.
87 Otto Wels auf dem Magdeburger Parteitag der SPD 1929, zit. in: Die Internationale, Jg. 1929/S. 354.
88 Wilhelm Hoegner, Die verratene Republik, S. 330 München 1958.
89 Wilhelm Hoegner, Flucht vor Hitler, S. 33, München 1977.
90 Hagen Schulze, a. a. O., S. 33.
91 Wilhelm Hoegner, Flucht vor Hitler, S. 39-40.
92 F. Stampfer, Die 14 Jahre der ersten deutschen Republik, Offenbach 1947, S. 259.
93 Hagen Schulze, a. a. O., S. 99.
94 R. Hilferding: Zwischen den Entscheidungen, in: Die Gesellschaft, X. Jg., 1933/Heft l, S. 8-9.
95 Hagen Schule, a. a. O., S. 67-68, S. 41-42.
96 Vorwärts vom 1.11.1932.
97 Hagen Schulze, a. a. O., S. 44.
98 Ebenda, S. 163.
99 Vorwärts vom 17.7.1932.
100 Hagen Schulze, a. a. O., S. 57.
101 Ebenda, S. 22, 28, 71, 98.
102 Ebenda, S. 45, 52, 55, 91.
103 Ebenda, S. 98 f.
104 Vorwärts vom 1.1.1933.
105 Deutsche Allgemeine Zeichtung, Berlin, 15.12.1932.
106 Schleichers Ziel und Chancen, in "Rote Revue", Monatsschrift der Sozialdemokratischen Partei der Schweiz, 12. Jg./Heft 5, Januar 1933, S. 183, zit. in: H. Arndt, a. a. O.
107 Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung, Bd. 5, S. 18.
108 Das freie Wort, Jg. 1933/Heft 2, zit. in: H. Arndt, a. a. O.
109 Hagen Schulze, a. a. O., S. 142, S. 145, S. 149, S. 162.
110 Wilhelm Hoegner, Der schwierige Außenseiter, München 1959, S. 154.
111 Internationale Information Nr. 14, 11.3.1933, S. 113.
112 Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung Bd. 4, S. 271.
113 Ebenda, S. 342-343.
114 Ebenda, S. 347.
115 Ebenda, Dok. 97, S. 584.
116 Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung Bd. 5, S. 31-32.
117 Die Gewerkschaftszeitung, Organ des Bundesvorstands des ADGB, Nr. 17, 29.4.1933.
118 Hagen Schulze, a. a. O., S. 170.
119 Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung Bd. 5, S. 34-35.
120 Frankfurter Zeitung vom 7.6.1933, zit. in: H. Arndt, a. a. O..
121 Hagen Schulze, a. a. O., S. 185, S. 189.
122 Otto Wels auf der Konferenz der SAI in Paris im August 1933, abgedruckt in: Bärbel Hebel-Kunze: SPD und Faschismus, Frankfurt/M. 1977, S. 241.
123 Hagen Schulze, a. a. O., S. 57.


Zurück Ihre Meinung ist gefragt. Zum Anfang