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Die vornehme Zurückhaltung des IGBCE-Vorstands

Klaus Wallmann sen. || Datum: 30.09.2006

Die vornehme Zurückhaltung des IGBCE-Vorstands

Warum hält sich der IGBCE-Vorstand bei der Mobilisierung zu den DGB-Protesten am 21. Oktober so merklich bedeckt? Warum soll oft nur einen Bus pro Schacht-Anlage bereitgestellt werden?

Am 25.09. schrieb das "Handelsblatt": "Politik läutet Ende der Steinkohle ein - Bund und Länder erzielen Grundsatzkompromiss mit der Gewerkschaft IGBCE - Letzte Zeche schließt spätestens 2018".
Der Unmut unter den Bergleuten war vorauszusehen. Die IGBCE-Führung reagierte denn auch prompt mit einem Flugblatt, in dem sie die Meldung dementierte. Es habe beim Berliner Kohlegespräch am 21. September "keine Einigung über einen Auslaufbergbau gegeben", so IGBCE-Vorsitzender Schmoldt.
Das "Handelsblatt" stellte am 26.09. klar, was von diesem Dementi zu halten ist. "Teilnehmer eines Spitzentreffens mit Vertretern der Kohle-Länder, der Bundesregierung, der RAG und der IGBCE in der vergangenen Woche hatten allerdings berichtet, die IGBCE-Führung habe erstmals ihre Bereitschaft erkennen lassen, einer Schließung der letzten Zeche in Deutschland im Jahr 2018 zuzustimmen. Bei der IGBCE hieß es gestern lediglich, wenn die Entscheidungsträger den Ausstieg wollen, müsse man das akzeptieren. 'Natürlich beugen wir uns dem Primat der Politik', sagte ein IGBCE-Sprecher."

Die IGBCE-Führung wird nun nicht müde darauf hinzuweisen, daß es ihre Zustimmung nur dann geben wird, wenn betriebsbedingte Kündigungen ausgeschlossen werden. Doch es wird immer schwieriger, die Kumpel für dumm zu verkaufen. Zu viele von ihnen durften in den letzten Monaten am eigenen Leib erfahren, wie betriebsbedingte Kündigungen im Bergbau "vermieden" werden. So wurden alle Bereiche, die per Definition nicht mehr der "direkten Kohleförderung" zugeordnet werden, von der DSK in die RAG "ausgegliedert" und stehen damit zum Verkauf.
Die Kollegen von Deilmann-Haniel können ebenfalls ein Lied davon singen. Die auch ihnen gegebene Zusage "keine betriebsbedingten Kündigungen im Bergbau" wurde einfach um den Zusatz "bei der DSK" erweitert, und schon waren sie zu "Nichtbergleuten" degradiert, die über den Umweg "Transfergesellschaft" in die Arbeitslosigkeit geschickt werden.

Um erfolgreich zu lügen, braucht man bekanntlich ein gutes Gedächtnis.
Gesamtbetriebsratsvorsitzenden Ladzinski scheint das zu fehlen, und so bestätigte er auf einer Betriebsversammlung (auf der er den "Sozialdemokraten" Müntefering zum "Ehrenbergmann" ernannte) ganz ungewollt die zusätzlichen Vernichtung von Arbeitsplätzen im Bergbau in den nächsten Jahren. Er erinnerte nämlich an die politische Vereinbarung von 2003, die eine Förderung von 16 Millionen Tonnen und 20.000 Beschäftigte im Bergbau im Jahr 2012 vorsieht.
Im o.g. Flugblatt der IGBCE-Führung heißt es nun: "Eine Schließung bis 2012, wie von Teilen der Politik gefordert, würde die Kündigung von mehr als 10.000 direkt im Bergbau Beschäftigten bedeuten." Von den 20.000 Beschäftigten des Herrn Lafzinski sind damit aber nur noch 10.000 direkt im Bergbau beschäftigt, für die betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden sollen. Die anderen 10.000 Kollegen sind dann bereits nicht mehr bei der DSK.

Das erklärt die angespannte Situation, und es beantwortet meine zu Anfang gestellte Frage. Auch den Kollegen im Bergbau wird nichts anderes übrigbleiben, als sich über die windelweichen Losungen ihrer Gewerkschafts"führer" hinwegzusetzen und darüber hinwegzugehen. Auf allen Schachtanlagen, in allen sonstigen Betrieben müssen sie den Widerstand gegen die Zerschlagung des Bergbaus, gegen die Vernichtung tausender Arbeitsplätze organisieren. Die Aktionen des DGB sollten sie genau dazu nutzen.

Klaus Wallmann sen.

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