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BenQ: "Beschäftigungssicherung" erneut gescheitert

Klaus Wallmann sen. || Datum: 29.09.2006

BenQ: "Beschäftigungssicherung" erneut gescheitert

Im vergangenen Jahr schrieb ich den Artikel: "Siemens: Beschäftigungssicherungsvertrag - eine Täuschung". Heute, nicht einmal ein Jahr nach dem Verkauf von Siemens Handy-Sparte an den taiwanesischen Telekommunikations-Konzern BenQ (eine Ausgründung des Computerkonzerns Acer), wird bekannt, daß BenQ für seine deutsche Tochterfirma die Insolvenz beantragen wird.

Wurden im Rahmen der Übernahme bereits 340 Arbeitsplätze in Kamp-Lintfort vernichtet, droht nun ca. 1.600 Beschäftigten in den Werken Kamp-Lintfort und Bocholt sowie 1.400 Angestellten in der Münchner Zentrale der tiefe Fall in die Arbeitslosigkeit.
Das Geschäft mit Mobiltelefonen will BenQ "von Asien aus fortsetzen", d.h. die bisher in Deutschland produzierten Handys werden nun in asiatischen Billiglohnwerken gefertigt und zum gleichen Preis als Siemens-Marke verkauft.

Mit Sprüchen wie "BenQ's und Siemens' Mobiltelefongeschäfte ergänzen sich hervorragend hinsichtlich Technologie und regionaler Aufstellung" erweckte man damals den Eindruck, die Arbeitsplätze seien auch nach dem Verkauf "sicher". Doch vielen bewußten Siemens-Beschäftigten schwante schon, daß es dem Konzern aus Taiwan nur um die Marktanteile von Siemens gehen könnte, und er sich daher der Beschäftigten schnellstmöglichst entledigen würde. So schrieb die Kollegenzeitung "ElektroPower" am 15.06.2005:
"Weder zu hohe Löhne und Gehälter noch 'Managementfehler' sind der Grund für Siemens, den Handy-Bereich an BenQ zu verschenken. Mit seinem neuen Programm 'Fit 4 More' zielt Siemens darauf ab, in seinen Kernbereichen die Nummer 1 der Welt zu werden: Alles andere wird abgestoßen. Im Handy-Bereich ist Siemens auf Platz 7 weit hinter Marktführer Nokia zurückgefallen - also weg damit! Der ganze Konzern wird weltweit umorganisiert."
Und dafür zahlte Siemens an BenQ auch noch mindestens 350 Millionen Euro.

Der Insolvenzantrag ist ein weiteres Lehrstück für alle Beschäftigten und vor allem für Gewerkschaftsführer, wohin es führt, wenn man sich der Erpresserpolitik von Konzernvorständen beugt. Zuletzt verzichteten die deutschen BenQ-Mitarbeiter auf ca. 28 Prozent ihres Einkomens. Dabei hätte bereits der Jubel in den bürgerlichen Medien anläßlich der Zustimmung der IG-Metall-Führung zu einem sogenannten "Ergänzungstarifvertrag", der zu erheblichen Lohneinbußen und einer Verlängerung der Arbeitszeit ohne Lohnausgleich führte, hellhörig machen müssen. Denn wie heißt es so richtig: Wenn mein Feind mich lobt, dann habe ich etwas falsch gemacht. Dieser "Ergänzungstarifvertrag" sollte eine angedrohte Verlagerung der Produktion nach Ungarn verhindern. Er enthielt auch eine "Beschäftigungssicherungs"-Klausel, die von BenQ zwar übernommen wurde, nun aber passend zum Insolvenzantrag ausläuft.

Erneut bestätigt sich, daß der Arbeitsplatzvernichtung nur im offensiven Kampf um jeden Arbeitsplatz wirkungsvoll begegnet werden kann.

Von all dem findet sich in Mario Oleschko's diesbezüglichem "Kommentar" in der heutigen "Freien Presse" kein Wort. Er begnügt sich damit, seinen moralischen Zeigefinger auf die Siemens-Chefetage zu richten und erzählt uns erneut das Märchen von den unfähigen Managern. "Qualitätsjournalismus" eben! Der Pfälzer Chef wird zufrieden sein.

Klaus Wallmann sen.

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