rz-Logo

Shell-Studie: Über das großes Potential der Jugend

Klaus Wallmann sen. || Datum: 25.09.2006

Shell-Studie: Über das großes Potential der Jugend

Für die 15. Shell-Jugendstudie wurden 2.532 Jugendliche zwischen 12 und 25 Jahren aus allen Bundesländern befragt, davon hatten ca. ein Drittel nichtdeutsche Eltern. Shell finanziert seit 1953 diese Studie, die diesmal von Wissenschaftlern der Uni Bielefeld und des Münchner Forschungsinstituts TNS Infratest Sozialforschung unter Leitung des Bielefelder Professors für Sozial- und Gesundheitswissenschaften Dr. Klaus Hurrelmann erstellt wurde. Konzept und Fragestellung sollen natürlich in erster Linie dem Finden von Konsequenzen dienen, wie man die Jugend an das kapitalistische System binden kann. Daher auch die große Beachtung von seiten der bürgerlichen Jugendarbeit und Jugendpolitik.

Engagiert, motiviert, konstruktiv und zuversichtlich - so die Grundhaltung der Jugend. "Doch ihr Optimismus wird stark strapaziert", so Prof. Hurrelmann auf der Pressekonferenz. Über zwei Drittel (2002: 55 Prozent) empfinden Furcht vor Arbeitslosigkeit und schlechten Zukunftsaussichten. Hauptschüler schätzen ihre beruflichen Chancen mit über 80 Prozent noch niedriger ein. "Die heutige Jugend kann ihr enormes Potential nicht entfalten", meinte Hurrelmann und sprach von einer "untergründige Unruhe" die sich breitmache.

Eine der Fragen - von den bürgerlichen Medien auch breit kolportiert - versuchte zu suggerieren, daß die Schuld für die schlechten Zukunftsaussichten bei der Elterngeneration liegen. Doch die Frage, ob die Gesellschaft am "Methusalem-Syndrom" kranke, wurde mit über 80 Prozent eindeutig verneint. Die Mädchen und Jungen haben ein gutes Verhältnis zu Eltern und Großeltern und achten deren Leistungen. Unzufrieden sind die Jugendlichen dagegen mit der "Praxis der Demokratie" - womit die Studie die derzeit herrschende Politik vornehm zu umschreiben suchte. Zu deren Parteien und Institutionen empfindet die überwältigende Mehrheit eine sehr große Distanz.

Und während eine große Mehrheit den bürgerlichen Politikern Gleichgültigkeit gegenüber dem wirklichen Wählerwillen bescheinigt, bekundeten 39 Prozent ihr Interesse an Politik (2002: 34 Prozent). Dabei sieht sich die Mehrheit als "etwas links von der Mitte". Die Neofaschisten erhalten eine klare Absage. Drei Viertel der befragten Jugendlichen sind mehr oder weniger für soziale oder gesellschaftliche Ziele aktiv. Religion spielt in ihrem Leben keine große Rolle - ein Ergebnis, das die Forscher erstaunte.

Von den bürgerlichen Medien ebenfalls ausgiebig verbreitet, daß Mädchen größeren schulischen Ehrgeiz und auch Erfolg haben. 55 Prozent streben das Abitur an, von den Jungs sind es 47 Prozent. Bedeutend stiller wurde die "freie" Presse angesichts der Tatsache, daß über 80 Prozent der Jugendlichen den sozialen Status der Eltern und nicht Leistungsbereitschaft und Fleiß als entscheidend für die Bildungs- und Zukunftschancen sehen. Im Gegensatz zu bürgerlichen Politikern halten sie die Konkurrenz ausländischer Mitschüler und Mitbewerber bei den Ausbildungs- und Arbeitsplätzen nicht für ihr Hauptproblem.

Es ist erfreulich, wenn selbst ein bürgerlicher Wissenschaftler wie Prof. Hurrelmann zu der Erkenntnis kommt, daß eine Protestbewegung der Jugend wie in Frankreich "durchaus an der Tagesordnung" ist. "Es ist ein brüchiger Friede, den die junge Generation mit den gesellschaftlichen Verhältnissen geschlossen hat."

Daß in der Jugend ein großes Potential steckt, wird auch von bürgerlichen Politikern gern festgestellt. Es beinhaltet aber gleichzeitig ein großes Potential zur Rebellion gegen ein gesellschaftliches System, das mit der Jugend trotz aller Lippenbekenntnisse völlig desinteressiert umgeht und ihr die Zukunft verbaut. Darüber, und zu der dazu nötigen politischen Klarheit und Organisiertheit, schweigt die Studie. Sie ist von Shell finanziert.

Klaus Wallmann sen.

Zurück Ihre Meinung ist gefragt. Zum Anfang