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Afghanistan: Besatzungstruppen in der Defensive

Klaus Wallmann sen. || Datum: 07.09.2006

Afghanistan: Besatzungstruppen in der Defensive

Während die Merkel/Müntefering-Regierung derzeit nahezu krampfhaft bemüht ist, deutsche Soldaten auch vor die Küste Libanons zu schicken, spitzt sich die Lage in Afghanistan, wo ebenfalls Bundeswehr-Einheiten stationiert sind, weiter zu. Seit dem NATO-Überfall im Oktober 2001 kamen über 400 Besatzungssoldaten um. Hinzu kamen vom 01. - 05. September weitere 20 "Gefallene". Der NATO-Oberkommandierende, US-General Jones, räumte inzwischen ein, daß die seit der Ausweitung des ISAF-Einsatzes nach Südafghanistan auf knapp 19.000 Mann verdoppelten Truppen in den ersten 30 Tagen auf "erhebliche Herausforderungen" gestoßen seien.

Und während sich Herr Struck (SPD) gestern im Bundestag darüber ausließ, daß es der "internationalen Staatengemeinschaft" zu verdanken sei, daß Frauen in Afghanistan studieren und die Mädchen in die Schule gehen können, sprach der deutsche UNO-Sonderbeauftragte Koenigs von einem richtigen "Aufstand", mit dem sich die Besatzungstruppen konfrontiert sehen. Afghanische Armee und Polizei seien "hoffnungslos überfordert", das Reservoir der "Aufständischen" dagegen "unerschöpflich".

Die Provinz Kandahar wurde in den vergangenen Monaten von den Taliban-Milizen zurückerobert - die NATO kontrolliert nur noch die gleichnamige Provinzhauptstadt. Aufgrund der Tatsache, daß in den letzten vier Monaten in Afghanistan siebenmal soviele britische Soldaten umkamen wie im Irak, halten britische Militärexperten Afghanistan derzeit für die "weltweit gefährlichste Region für den Einsatz britischer Soldaten". Doch das trifft nicht nur auf britische Soldaten zu.

Der wachsende Widerstand dürfte auch darauf zurückzuführen sein, daß bisher kein einziges der Probleme gelöst wurde, die die Besatzungsmächte bei ihrem Einmarsch zu lösen versprachen. Weder wurde "die humanitäre Situation in Afghanistan wesentlich verbessert", noch wurden "die Grundlagen für eine Demokratisierung" des Landes geschaffen. Trotz allem Gesödere des Herrn Struck und ähnlicher bürgerlicher "Politiker" hat sich die Lage der Bevölkerung weiter verschlechtert. Die versprochenen "Wiederaufbauprojekte" blieben zum großen Teil Versprechen. Drogenbarone und Warlords üben weiter ihre Macht aus, und das Karsai-Regime "kooperiert" ebenso mit ihnen, wie die imperialistischen Besatzungsmächte. Permanente Razzien und Überfälle durch die ausländischen Truppen terrorisieren die Bevölkerung.

Auch im Fall Afghanistan wird immer deutlicher, wer vom Terrorismus profitiert. Auch in diesem Fall wurde der Terroranschlag auf das World Trade Center und die angebliche Verstrickung des islamisch-fundamentalistischen Taliban-Regimes - von den USA einst als Marionette gegen den imperialistischen Konkurrenten Sowjetunion unterstützt - als willkommener Vorwand genutzt, um die Übernahme der direkten Kontrolle über das strategisch wichtige Land in unmittelbarer Nähe zu den rohstoffreichen Regionen Naher Osten und Zentralasien zu "begründen".
Die Ankündigung des NATO-Oberkommandierenden, "auch weiterhin jede nötige Gewalt" einzusetzen, "um die Aufständischen zu schlagen", zeigt ebenso wie die Forderung des deutschen UNO-Sonderbeauftragte Koenigs nach Ausdehnung des Bundeswehr-Einsatzes auf den Süden Afghanistans, daß es eben nicht darum geht, der Bevölkerung Afghanistans zu helfen. Genauso wenig wie sie im Libanon an einem wirklichen Frieden im Interesse der Völker interessiert sind.

Klaus Wallmann sen.



Leserzuschrift, 08.09.2006
Das mehr als dümmliche Geschwätz eines Herrn Struck bringt mich regelrecht auf die Palme. Am liebsten wäre es mir, wenn dieser - und andere -"Freiheitsapostel" selbst in die Welt zögen, um aktiv diese ihre vielbeschworene Freiheit, gegen den Weltterrorismus zu verteidigen. Meines Wissens haben afghanische Frauen und Mädchen schon einmal - sogar unverschleiert - Schulbänke drücken und studieren dürfen, bevor mit mehr als nur bescheidener Hilfe der Kapitalisten dieser Welt, dieser Zustand durch die Taliban gewaltsam beendet wurde. Aber das war ja etwas ganz anderes. Schade, dass dieser Einwand, auch durch die linke Opposition, nicht erhoben wurde. Allein der Gedanke, dass ich heute wieder Überstunden schieben werde und ich damit auch den "Lebensunterhalt" eines Herrn Struck und Konsorten finanziere, macht mich krank.
Juergen Mueller

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