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VW Deutschland - VW Brasilien

rf news online || Datum: 05.09.2006

VW Deutschland - VW Brasilien

Wenn VW-Konzernchef Pischetsrieder davon ausgeht, daß "das Jahr 2006 das beste der Firmengeschichte beim Absatzwachstum sei", das sich so schnell nicht wiederhole, und er dennoch "die von ihm angepeilte Gewinnsteigerung auf 5,1 Milliarden Euro ... im Jahr 2008" nicht nur einmalig, sondern dauerhaft machen will, so dürfte jedem klar sein, daß diese Profitmaximierung nur zu Lasten der VW-Kollegen gehen kann. "Senkung der Arbeitskosten" - sprich: die Vernichtung von 20.000 Arbeitsplätzen in den "nicht profitablen" westdeutschen Werken - sind seiner Meinung nach ein "Meilenstein" auf diesem Weg. Wenn er von "Verlusten" spricht, die damit "ausgeglichen" werden sollen, so meint er vor allem seine Profitverluste. (Zitate aus: Freie Presse, 05.09.2006, S.5)
Diese arbeiterfeindliche Politik betreibt Herr Pischetsrieder nicht nur in Deutschland, wie folgender Bericht von rf news online über VW Brasilien belegt.

Klaus Wallmann sen.



Unbefristeter Streik im brasilianischen VW-Werk Sao Bernardo: "Das wird ein harter Kampf!"

Auf einer Vollversammlung stimmte die große Mehrheit der rund 12.400 Beschäftigten des VW-Werks im brasilianischen Sao Bernardo am vergangenen Dienstag (29.08.06) für die sofortige Aufnahme eines unbefristeten Streiks - obwohl die Firmenleitung für diesen Fall mit der Schließung des gesamten Werks gedroht hatte. Eine halbe Stunde vor der Vollversammlung waren die ersten 1.800 Kündigungsbriefe verteilt worden. "So wie das abgelaufen ist, gehe ich davon aus, dass VW seinen Arbeitern den Krieg erklärt hat", meinte dazu der Präsident der Metallarbeiter-Gewerkschaft von ABC ("ABC" heißt der Industriegürtel um die Großstadt Sao Paulo), José Lopez Feijoo, "und das wird ein harter Kampf".

Der Streik in der ältesten und größten Fabrik von VW in Brasilien richtet sich gegen die Ankündigung von VW, bis 2008 rund 6.000 der insgesamt 22.000 Arbeitsplätze in den fünf brasilianischen Werken zu vernichten. Darüber hinaus sollen weitere tausende Arbeitsplätze an Subfirmen ausgelagert werden und will VW unbezahlte Überstunden sowie erhebliche Lohnkürzungen durchsetzen. Bereits im Mai, als diese Pläne bekannt wurden, führten die Arbeiter einen eintägigen Warnstreik in den drei Montagewerken von VW durch.

Laut VW sind die Arbeitsplatzvernichtungs-Pläne notwendig, um angebliche "Verluste" zu "kompensieren", die durch die Aufwertung der Landeswährung Real entstanden seien. Dadurch würden die Exporteinnahmen sinken sowie die Rohstoff- und Lohnkosten steigen. Für José Lopez Feijoo ist das nur ein Vorwand: "Denn seit vier Jahren wächst die Branche. Das ist keine Krisensituation bei VW, sondern eine Umstrukturierung. Sie wollen den eigenen Gewinn steigern, auf Kosten von Entlassungen und Streichung von Rechten der Arbeiter."

Die Pläne in Brasilien sind Bestandteil eines weltweiten Programms des VW-Konzerns zur Vernichtung von Überkapazitäten und weiteren Steigerung der Profite im erbitterten Konkurrenzkampf gegen die anderen Automobilgiganten.
"Strategische Allianzen" - auf dem Rücken der Arbeiter

VW-Chef Pieschetsrieder hatte bereits im letzten Jahr eine "weitreichende Reorganisation" des gesamten Konzerns angekündigt. Ihr sollen auch rund 20.000 Arbeitsplätze in den europäischen Werken zum Opfer fallen. Der Präsident der brasilianischen VW-Tochter, Hans-Christian Maergner, offenbarte bereits im Mai, dass die Entscheidung in erster Linie aus anderen als den jetzt vorgeschobenen Gründen gefasst wurde: "Unser Mutterhaus in Deutschland meint, dass wir hier in Brasilien eine Fabrik zu viel haben."

Verschärft hat VW den Arbeitskampf jetzt durch die Beantragung eines so genannten "Kollektivurlaubs" - einer faktischen Aussperrung - für 11.000 Beschäftigte in den Fabriken in Taubate, Sao Carlos und Sao Jose. In diesen Werken werden in Sao Bernardo produzierte Teile verwendet. Damit soll Druck auf die Metallarbeiter-Gewerkschaft ausgeübt werden, den Streik zu beenden und sich bei den Verhandlungen auf einen faulen Kompromiss einzulassen.

Die VW-Kolleginnen und -Kollegen sind sich jedoch ihrer Stärke bewusst. Gegen die Aussperrungs-Drohung begannen am Freitag über 100 VW-Kollegen und Gewerkschafter mit der Durchführung von Straßensperren in der Region um Sao Paulo. Gleichzeitig entwickelt sich im ganzen Land und in den anderen VW-Belegschaften eine breite Solidaritätswelle. Auch international ist die Organisierung der Solidarität der VW-Konzernbelegschaften und aller Automobilarbeiter mit den Streikenden in Sao Bernardo das Gebot der Stunde!

Solidaritätserklärungen an:
Sede São Bernardo do Campo
Rua João Basso, 231 - Centro
São Bernardo do Campo - SP - CEP: 09721-100
Email: sger@smabc.org.br
Tel.: (11) 4128-4200
Fax: (11) 4127-3244

Quelle: rf news online, 03.09.2006

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