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Zur Lage im Kongo

Klaus Wallmann sen. || Datum: 26.08.2006

Zur Lage im Kongo

Nach den Kämpfen zwischen Einheiten der Eufor-Truppe und kongolesischen Milizen am 21.08. patrouillieren nun Eufor-Einheiten durch die Straßen von Kongos Hauptstadt Kinshasa. Die Toten sind weggeräumt. Es herrscht "Waffenruhe". Und während unser "Verteidigungs"minister beruhigend betonte, "dass nicht von einer Verschärfung der Lage auszugehen ist", setzte er zugleich deutsche Fallschirmjäger aus Gabun zur Verstärkung nach Kinshasa in Marsch.

Die bewaffneten Kämpfe begannen am Tag der Bekanntgabe der Wahlergebnisse. Offiziell haben 45 Prozent für Kabila gestimmt, Bemba erhielt 20 Prozent der Stimmen. Die Menschen in den Ostprovinzen stimmten für Kabila, weil sie sich dadurch Schutz vor Angriffen aus Ruanda erhoffen. Die Stimmen für Bemba resultieren vor allem aus dem Haß gegen Kabila, der sich nicht für die Lebensbedürfnisse der Menschen interessiert und die Reichtümer des Landes zum Ausverkauf feil bietet.
"Die Kupfer- und Kobaltvorkommen im Konzessionsgebiet der Gécamines (staatlich) haben einen Marktwert von mehreren hundert Milliarden Dollar. Trotzdem wurden sie zu einem großen Teil in undurchsichtiger Weise für einen Pappenstiel an Unternehmen wie die amerikanische Phelps Dodge verscherbelt." (Neue Zürcher Zeitung vom 21.07.06) Von verschiedenen Monopolen soll Kabila monatliche Zahlungen von rund 250.000 Dollar erhalten.

Millionär Bemba ist jedoch keinen Deut besser - als Vizepräsident ist er ebenfalls für den Ausverkauf der Reichtümer des Kongo verantwortlich. Zusammen mit den Erben und Anhängern des früheren Diktators Mobutu gründete er 1998 die "Bewegung zur Befreiung des Kongo", die vor allem ihn an die Fleischtöpfe des Landes bringen soll. Sein Lebenslauf ist verbunden mit illegalem Diamanten-Handel, grausamem Buschkrieg und Menschenhandel.

Auch während der "Waffenruhe" wird weiter eifrig daran "gearbeitet", die Plünderung der ungeheuren Rohstoffreserven des Kongo an Gold, Diamanten, Kupfer, Kobalt, Öl usw. durch die internationalen Monopole zu erleichtern und auszuweiten. Ohne Kongolesen stellten bereits im Juli Vertreter der EU, der USA, der Weltbank und des IWF ihr "Programm" für den Kongo auf. Hilfsgelder sollen vor allem für den Aufbau von Militär und Polizei fließen. Das offensichtliche Ziel ist die Errichtung eines Protektorats.

Was das alles mit "Friedensmission" und "humanitärem Einsatz" zu tun haben soll, bleibt mir unergründlich. Um so mehr verstehe ich all diejenigen, die den Abzug der EU- und der deutschen Truppen aus dem Kongo fordern.

Klaus Wallmann sen.

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