rz-Logo

Klimaveränderungen schon 50 Jahre früher als bisher prognostiziert

rf news online || Datum: 23.08.2006

Klimaveränderungen schon 50 Jahre früher als bisher prognostiziert

Das Nachrichtenmagazin "Focus" berichtet in seiner nächsten Ausgabe über neue Prognosen des Max-Planck-Instituts für Meteorologie (MPI-M). Diese liefern weitere Hinweise darauf, dass die in Gang gesetzte Erderwärmung dramatische Ausmaße mit lebensbedrohenden Folgen annehmen kann. Regional steigen die Temperaturen in den kommenden 50 Jahren um bis zu vier Grad, in den Alpen sogar um fünf Grad. In Südwest- und Nordostdeutschland sinken die Regenmengen um ein Drittel, verstärkt werden Dürren auftreten, die Waldbrandgefahr wird sich erhöhen.

Heute fällt noch ein Drittel der Niederschläge als Schnee - dies wird sich auf ein Sechstel verringern. Der Skisport insbesondere in den Alpen ist bedroht - und mit ihm sind dies Zigtausende von Existenzen, die vom Wintertourismus leben. An der Nord- und Ostseeküste dagegen könnte der Tourismus von der Erwärmung profitieren; ebenso wie bestimmte Pflanzen- und Tierarten besser gedeihen. Allerdings behaupten die Klimaforscher keineswegs, dass sich positive und negative Faktoren bei der Erderwärmung die Waage halten.

Ein so hoher Anstieg der Temperaturen geht über die natürlichen Klimaaschwankungen weit hinaus, die Natur kann sich in der kurzen Zeit auf solch dramatische Klimaveränderungen nicht wirklich einstellen und sich anpassen. Die diesjährige Hitzewelle und die vom Sommer 2003 gelten den Forschern als Vorboten einer Klimazukunft, in der extreme Wetterereignisse zunehmen. Künftig könnte in Deutschland und den Nachbarländern jeder zweite Sommer tropisch werden, könnten regelmäßig Stürme, Hagelschlag, Dürre und Überflutungen wiederkehren.

Auch weltweit verändert die globale Erwärmung die derzeit 32 Klimatypen, vom arktischen über das mediterrane bis zum Wüstenklima. Nach neuen Messungen von Klimaforschern ging fast jeder Klimatyp in einen anderen über. Die Wüsten nahmen um eine Million Quadratkilometer zu. Die Tundra mit ihrem Dauerfrostboden schwindet rasant, pro Tag um über 300 Quadratkilometer. Der an den Analysen beteiligte Klimatologe Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sagte laut "Focus": "Solche Veränderungen prognostizierten unsere Klimamodelle für 2050. Sie traten aber 50 Jahre früher ein, das ist erschreckend."

Nach einer Studie des EU-Projekts CLIME ("Climate and Lake Impacts in Europe"), über die das Institut für Limnologie der Österreichischen Akademie der Wissenschaften am 18.8.06 berichtete, werden auch Europas Seen bis in die tiefen Schichten immer wärmer. Diese Entwicklung habe weitreichende Konsequenzen auf das Ökosystem See; das Algenwachstum nimmt zu, die Wasserqualität sinkt. Höhere Temperaturen können die Sauerstoffverhältnisse im Tiefenwasser verschlechtern mit extrem nachteiligen Folgen für die Biologie der Seen, vor allem für die Fische. Im Zürichsee sank im Sommer der Sauerstoffgehalt in allen Tiefen stark - er war sogar noch tiefer als zu Zeiten der Seeüberdüngung in den 1970er Jahren.

Ein Schweizer Forschungsprojekt "Climate Change and Food Production" befasst sich nach einem Bericht der "Neuen Züricher Zeitung" damit, wie die Schweizer Landwirtschaft an die Klimaveränderungen angepasst werden könnte, z.B. durch Aufzucht von Zitrushainen im Aargau und Umstellung von Weizenanbau auf Hirse und Zuckerrohr. Gewaltige Experimente z.B. zur Umleitung eines Teils der Sonneneinstrahlung an der Erde vorbei sind laut "Welt am Sonntag" vom 5. August in dem Wissenschaftszweig "Geoenergie" in Vorbereitung.

Der entscheidende Faktor für die einsetzenden drastischen Klimaänderungen sind jedoch die steigenden Emissionen von Treibhausgasen wie Kohlendioxid, Stickoxide und Methan. Um die weitere Erwärmung der Erde einzudämmen, ist nach Meinung vieler Klimaforscher eine Verminderung der industriellen CO2-Emissionen um 100 Prozent in den nächsten Jahrzehnten notwendig. Systematisch wird von den Herrschenden verschleiert, dass seit der Kyoto-Klimakonferenz von 1997 die versprochene Senkung des CO2-Ausstoßes ausbleibt und dieser sogar weiter steigt. Statt drastischer Maßnahmen zur Senkung der Treibhausgase werden "Verschmutzungsrechte" ausgegeben und an der Börse gehandelt.

Die notwendige schnelle Wende zur Solar- und Kreislaufwirtschaft erfordert ein internationales Sofortprogramm zur massenhaften Einführung aller Arten der Nutzung regenerativer Enegerien. Dies kann und muss von einer breiten internationalen Umweltbewegung gegen und auf Kosten der Profite der internationalen Monopole durchgesetzt werden.

Zurück Ihre Meinung ist gefragt. Zum Anfang