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Zum 50. Todestag Brechts

rf news online || Datum: 14.08.2006

Zum 50. Todestag Brechts

Der 50. Todestag von Bert Brecht ist heute auch ein Thema in der "Freien Presse". Angekündigt wird es auf der Titelseite mit einem Zitat des Herrn Loest, der Brecht wegen seiner Lyrik lobt. "Seine politischen Theorien allerdings sind genauso gescheitert wie der Kommunismus." Lassen wir den Schriftsteller Loest in seinem Glauben. Auf der Website von rf news online fand ich gestern folgenden Artikel, der dem Wirken und der Bedeutung BB's weit besser gerecht wird. - Klaus Wallmann sen.



Bertolt Brecht - zeitgemäß und populär wie selten!

Bertolt Brecht löst an diesem Wochenende ein breites Medienecho aus. Anlass ist sein 50. Todestag am 14. August. Brecht gilt - auch in bürgerlichen Kreisen - als einer der bedeutendsten Dramatiker, Lyriker und Theatertheoretiker des 20. Jahrhunderts. Tatsächlich vermochte Brecht wie kaum ein anderer, seine Begabung und qualitativ hochwertige Kunst in den Dienst der grundsätzlichen Kritik am Kapitalismus, an der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zu stellen. Seine Politisierung begann früh und verstärkte sich in den 1920er Jahren, unter anderem, nachdem er am 1. Mai 1927 Augenzeuge eines brutalen Polizeiüberfalls auf eine kämpferische Arbeiterdemonstration geworden war.

Er studierte den Marxismus und begann, mit seinen Stücken und Gedichten unmittelbar den Kampf der Arbeiter und der Volksmassen gegen Faschismus und Krieg und für eine lebenswerte Zukunft in einer sozialistischen Gesellschaft zu unterstützen. Sein "Lob des Kommunismus", seine Lehrstücke, seine Worte "Reden erst die Völker selber, werden sie schnell einig sein", sind bis heute unvergessen und lebendiges Kulturgut überall dort, wo Menschen sich mit den herrschenden Zuständen nicht abfinden wollen. So unter anderem in der Montagsdemo-Bewegung. Eine Korrespondenz aus Weißenfels z.B. berichtete: "60 Teilnehmer konnten wir heute zählen. (...) Am Schluss unserer Rede wurde das Gedicht von Bertolt Brecht 'Lob der Dialektik' vorgetragen. Dort heißt es: 'Wer niedergeschlagen wird, der erhebe sich! Wer verloren ist, kämpfe! Wer seine Lage erkannt hat, wie soll der aufzuhalten sein.'"

Seine revolutionäre Haltung an der Seite der Arbeiterklasse und seine erklärte Gegnerschaft zur Verbannung der edlen Künste in einen Elfenbeinturm machten Person und Werk Bertolt Brechts zu einem Ziel wütender Angriffe der Herrschenden. Vor den Faschisten floh er nach Skandinavien, im Exil in den USA wurde er der "antiamerikanischen Umtriebe" angeklagt. Noch in den 1960er Jahren tauchte Brecht in Westdeutschland in keinem Schulbuch auf. In den 1950er Jahren rief die Presse in der BRD unter dem Vorwand der "völligen Freiheit der Kunst" zum Boykott Brechts auf, der als PEN-Präsident mit Initiativen gegen Wiederbewaffnung und atomare Aufrüstung weiterhin unermüdlich für den gesellschaftlichen Fortschritt eintrat. Selbst DDR-Bürger, hielt er die Unzufriedenheit der Arbeiter, die die Demonstrationen des 17. Juni 1953 auslöste, für berechtigt und protestierte energisch gegen den damaligen Versuch des "Neuen Deutschland", seine Meinung zu verfälschen.

Das vielfältige Werk des proletarischen Dichters und Schriftstellers hat heute den Status eines klassischen Kulturguts. Um seine Aktualität jedoch ist eine heftige Auseinandersetzung entbrannt. Die "Welt" schreibt anlässlich einer Umfrage zur heutigen Bedeutung von Bertolt Brecht: "Keine Frage. Der aufklärerische Impetus des 'Stückeschreibers' gewinnt unter veränderten gesellschaftlichen Bedingungen heute neuen Reiz." Die "WAZ" vom heutigen Samstag macht sich Gedanken, wie Brecht wohl die Menschenverachtung von "Hartz IV" in seinen Gedichten angeprangert hätte, zitiert aus dem "Einheitsfrontlied":

"Und weil der Mensch ein Mensch ist
Drum will er was zu essen, bitte sehr!
Es macht ihn ein Geschwätz nicht satt
Das schafft kein Essen her!"

und kommentiert: "Wer wagte zu behaupten, dass das überholt wäre? Auch wenn heute kein Mensch mehr folgert: 'Drum links, zwei, drei!'"

Kein Mensch? Die massenhafte Zunahme von Linkswählern in mehreren europäischen Ländern wie zuletzt in Italien und davor in Deutschland spricht eine andere Sprache. Dazu kommen die länderübergreifende revolutionäre Gärung in Lateinamerika, Kämpfe wie in Frankreich und eine weltumspannende Friedensbewegung. Das Geheimnis der nach wie vor wachsenden Popularität Bertolt Brechts hängt ja wohl gerade damit zusammen, dass er eben nicht nur die Auswüchse des Kapitalismus kritisierte, sondern für die sozialistische Perspektive stand.

Das Interesse an einer solchen gesellschaftlichen Alternative breitet sich aus - unter einer wachsenden Zahl von Menschen, wie auch Umfragen immer wieder bestätigen. Brechts Bedeutung liegt weniger in der Vergangenheit als viel mehr in der Zukunft. Schon heute ist er der nach Shakespeare am häufigsten aufgeführte Dramaturg.

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