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UN-Sicherheitsrat hält Israel den Rücken frei

Klaus Wallmann sen. || Datum: 11.08.2006

UN-Sicherheitsrat hält Israel den Rücken frei

Während der Sicherheitsrat der UN die Weltöffentlichkeit mit Schwätzereien täuscht und hinhält, verschärft Israel seine Angriffe - in der Nacht zum Mittwoch u.a. auch auf ein palästinensisches Flüchtlingslager im Libanon. Getroffen werden soll damit der palästinensische Widerstand.

Weitgehend von den bürgerlichen Medien ausgeblendet sind die militärischen Aktionen Israels im besetzten Gaza-Streifen, zu denen ein hoher israelischer Offizier in der Zeitung "Maariv" anmerkte, man könne im Schatten des Libanon-Krieges in Gaza "einmal so richtig aufräumen".

Obwohl die Hilfsorganisationen von der sich täglich verschlechternden Lage der Zivilbevölkerung im Libanon berichten, flog die israelische Luftwaffe in der Nacht zum Mittwoch erneut mehr als 100 Angriffe. Begleitet wurden sie von der ständig wiederholte Lüge der psychologischen Kriegsführung, daß dabei Gebäude angegriffen werden, die von der Hisbollah benutzt würden.
Der US-amerikanische Korrespondent Mich Prothero berichtet dagegen aus Nabatiya: "Während wir abseits beobachten, wie die israelischen Bomber Zeilen von Granaten in die Außenbezirke der Stadt hacken, erklärt uns ein Vertreter des politischen Flügels der Hisbollah, dass die Kämpfer niemals der Stadt nahe kommen, und bestätigt damit, was mir andere Leute von der Hisbollah während all der Jahre gesagt haben. Obwohl die Israelis Wohnungen und Büros zum Ziel nehmen, weil sie diese für Einrichtungen der Hisbollah halten, hat die Gruppe selbst die klare Richtlinie, die Kämpfer so weit als möglich von den Zivilisten fernzuhalten. (...) Die Israelis ... bombardieren alles und jeden, der entfernt mit Hisbollah zu tun hat, einschließlich Nichtkriegern."

Genauso irreführend ist es, wenn die bürgerlichen Medien über "islamischen Widerstand" sprechen und sich dabei ausschließlich auf die Hisbollah beziehen. Denn tatsächlich hat sich in den vergangenen Jahren eine enge Zusammenarbeit verschiedenster Organisationen und Parteien gegen die israelische Aggression entwickelt, die teilweise mit der Hisbollah trainieren und kämpfen. Daß sich die Einheit dieser Kräfte angesichts des jetzigen Krieges noch verstärkt, dürfte auf der Hand liegen.

Trotz Bombenterror und ausgeweiteten Bodenangriffen bekommt Israel den Widerstand nicht in den Griff. Wachsende Kritik in den eigenen Reihen führte inzwischen zur Ablösung von Generalstabschef Dan Halutz. Und wenn Israel eine Stationierung internationaler Eingreiftruppen im Südlibanon unterstützt, so ist auch das ein indirektes Eingeständnis ihres militärischen Scheiterns. Auch daß Premierminister Olmert den Vorschlag, libanesische Armeeeinheiten im Süden des Landes zu stationieren, einen "interessanten Schritt" nennt, verstärkt diesen Eindruck. All diese Kräfte sollen dann bei der Zerschlagung des Widerstands kooperieren.

Zu den eigentlichen Hintergründen des Kriegs schreibt mittlerweile auch die britische Zeitung "The Guardian":
"Was die israelische Armee in den Südlibanon brachte, war nicht bloß die Gefangennahme ihrer Soldaten und die Bedrohung durch Raketen der Hisbollah. (...) Was den Mitgliedern der Regierung und des Generalstabs Israels durch die Köpfe ging, war wohl die Möglichkeit, dem Iran eine schweren Schlag ... zu verpassen. Derselbe Impuls dürfte die USA, gefolgt von Großbritannien, dazu getrieben haben, diplomatische Aktivitäten zu untergraben, die zu einem frühzeitigen Ende der Kämpfe hätten führen können. Den Iran fertig zu machen, erschien wichtiger, als libanesische Dorfbewohner oder israelische Zivilisten zu retten."

Mit dem Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Schleswig-Holstein, Rolf Verleger, hat sich nun auch ein Mitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland gegen Israels Krieg im Libanon ausgesprochen. Er verurteilt das Verschweigen der "dunklen Seite der israelischen Politik im Libanon" in den Stellungnahmen des Zentralrats, was Fanny-Michaela Reisin von "European Jews for a Just Peace", einer Vereinigung von 18 jüdischen Organisationen in Europa, mit ihrer Aussage bestätigt, in der sie dem Zentralrat der Juden in Deutschland vorwirft, Israel blind zu unterstützen.

Weltweit - auch in Israel - nehmen die Proteste zu. Der Antikriegstag am ersten September-Wochenende ist eine gute Gelegenheit auch in Deutschland verstärkt regionale Demonstrationen und Kundgebungen gegen den reaktionären Krieg Israels durchzuführen.

Klaus Wallmann sen.

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