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Ein Beinahe-GAU wie in Schweden in Deutschland undenkbar?

rf news online || Datum: 11.08.2006

Ein Beinahe-GAU wie in Schweden in Deutschland undenkbar?

Kaum war in den bürgerlichen Massenmedien durchgesickert, dass die Kernkraftwerksbetreiber mit dem Umweltbundesamt über längere Laufzeiten für ihre alten Atommeiler verhandeln, kam von dort ein aufgescheuchtes Dementi. Denn erst vor vor wenigen Tagen schlitterte Europa mit dem Unfall im schwedischen Kernkraftwerk Forsmark hauchdünn an einer Reaktorkatastrophe mit einer Kernschmelze wie in Tschernobyl vorbei.

Bis heute Nachmittag (08.08.2006) sollten die deutschen Kernkraftwerksbetreiber ihre Sicherheitsüberlegungen beim Bundesumweltamt einreichen. Im Vorfeld wird von Vertretern der Atomindustrie ständig die Mär von den angeblich sicheren deutschen Atomkraftwerken wiederholt. Ausgerechnet der Konzernriese Vattenfall erklärte, dass in deutschen Kernkraftwerken so etwas wie in Schweden nicht passieren kann. Vattenfall ist jedoch rein zufällig mit 66 Prozent auch Hauptanteilseigner des schwedischen Kernkraftwerks Forsmark. Kann sich der Bock jetzt schon selbst zum Gärtner machen?

Tatsache ist vielmehr: Laut Angaben des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) gab es im Februar 2004 und im Oktober 2005 in Biblis ähnliche Ausfälle der Notstromaggregate wie jetzt in Schweden. Und Biblis A und B gehören nun unter anderem exakt zu den vier älteren AKW´s, die die Betreiber über ein ebenso verwirrendes wie undurchsichtiges Restmengen-Verrechnungssystem länger als bis zum festlegten Stillegungstermin 2008 am Netz halten wollen. Derselbe Ministeriumssprecher, der Gespräche mit den Kraftwerksbetreibern bestritt, bestätigte, dass es "Ankündigungen von Verlängerungsanträgen gebe, die dann geprüft würden". Wo Rauch ist, ist eben auch Feuer.

Angeblich soll es zum sauberen Atomstrom vor dem Hintergrund der beschönigend "Klimawandel" genannten Klimakastrophe, die von Energiekonzernen maßgeblich mit verursacht wird, und angesichts explodierender Benzin- und Gaspreise keine Alternative geben. Auch dem widersprechen viele namhafte Experten. Prof. Dr. Buchner, Vorsitzender der ÖDP, erklärte auf der Pfingstumwelttagung in Halle am 5.6.06, dass zwei AKW´s sofort abgeschaltet werden können, wenn auf das in den Konzernzentralen und anderen Verwaltungen übliche Standby von Geräten und Computern verzichtet wird. Der bekannte Fernsehjournalist Dr. Franz Alt veröffentlichte heute, dass durch Optimierung und Sanierung der bereits bestehenden 8.000 Wasserkraftwerke in Deutschland allein 17 Milliarden Kilowattstunden pro Jahr erzeugt werden können. Das entspricht zwei weiteren Atomkraftwerken.

In einem Artikel in der kommenden Printausgabe der Roten Fahne mit dem Titel "Bis zum GAU fehlten nur sieben Minuten" heißt es unter anderem: "Beim Bau von Atomkraftwerken und der Herstellung der Brennstäbe werden immense Energiemengen verbraucht und wird soviel CO2 freigesetzt wie bei einem Kohlekraftwerk modernster Bauart. Für die Jahrtausende dauernde notwendige Kühlung und Lagerung der Nuklearabfälle geht pro Atomkraftwerk genauso viel Energie drauf, wie es zu seinen Produktionszeiten liefert - also von der Weltenergiebilanz her betrachtet eines der unsinnigsten Verfahren überhaupt.

Der deutliche Anstieg von Krebserkrankungen und anderen chronischen Gesundheitsschäden im Umkreis von Atomkraftwerken war am 12.7.06 Gegenstand einer Pressekonferenz des Grünen Bundestagsabgeordneten Hans-Josef Fell mit dem renommierten Atomexperten Professor Dr. Ernest J. Sternglas, der dort seine neue Studie 'Die Vergangenheit und Zukunft von Atomenergie' vorstellte. In Anbetracht der Risiken, die AKW´s weiter in Betrieb zu lassen und sogar eine weitere Generation zu bauen, ist das ein Verbrechen und unverantwortlich. Derzeit laufen weltweit etwa 440 dieser Atomkraftwerke. Sie müssen stillgelegt werden."

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